Brabeck mit Doppelmandat bei Nestlé
Aktualisiert

Brabeck mit Doppelmandat bei Nestlé

Nestlé-Chef Peter Brabeck-Letmathe übernimmt auch das Präsidium des Verwaltungsrats.

Der bisherige Vizepräsident löst Rainer E. Gut ab, der das Präsidium des Nahrungsmittelkonzerns aus Altersgründen abgibt.

Angesichts der Wichtigkeit der strategischen Kontinuität und der langfristigen Wertschöpfung habe der Nestlé-Verwaltungsrat beschlossen, Brabeck das Doppelmandat anzuvertrauen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Um angesichts dieser Machtballung eine angemessene Kontrolle sicherzustellen, werden dem 60-Jährigen zwei Vizepräsidenten zur Seite gestellt: die beiden Verwaltungsräte Andreas Koopmann und Rudolf Hänggi.

Die Generalversammlung soll diese Vorschläge am 14. April absegnen. Auf diesen Zeitpunkt hin tritt der 73-jährige Gut ab, der im Jahr 2000 die Nachfolge Helmut Mauchers als Nestlé-Präsident angetreten hatte.

Bobst-Chef als Verbindungsperson

Koopmann, Chef des Waadtländer Verpackungsmaschinen-Herstellers Bobst, ist seit 2003 im Nestlé-Verwaltungsrat. Er werde «die wichtigste Verbindungsperson zwischen dem Verwaltungsrat und dessen Präsidenten» sein, heisst es in der Mitteilung.

Koopmann wird demnach jene Teile der Verwaltungsratssitzungen präsidieren, an denen Brabeck nicht teilnimmt - insbesondere, wenn es um Brabecks Leistung und Entlöhnung geht.

Der Finanzspezialist Hänggi, der dem Nestlé-Verwaltungsrat seit 2004 angehört, wird den Kontrollausschuss präsidieren. Er stellt sicher, dass die internen Kontrollfunktionen wahrgenommen werden. Zudem soll er die langfristige Gesundheit der Finanzen überwachen.

Für effiziente Geschäftsführung

Der Nestlé-Verwaltungsrat zeigte sich überzeugt, dass seine Beschlüsse die Anforderungen an eine effiziente Geschäftsführung der Gruppe wie an eine gute Coprorate Governance berücksichtigen.

Ausser Brabeck stünden sämtliche Mitglieder des Verwaltungsrats ausserhalb des Unternehmens. Die Erfahrung dieser Persönlichkeiten und die Zusammensetzung des Verwaltungsrats gewährleisteten, dass das Gremium seine Verantwortung gegenüber den Aktionären vollumfänglich wahrnehmen könne, heisst es in der Mitteilung.

Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigten, dass sowohl die Kombination als auch die Trennung der Funktionen von Präsident und Konzernchef gleichwertige Resultate brächten. Maucher, unter dessen Führung Nestlé zu einem Weltkonzern expandierte, hatte während sieben Jahren ebenfalls beide Funktionen gleichzeitig ausgeübt.

Investoren reagieren skeptisch

Die Finanzgemeinde reagierte trotzdem sehr sekptisch: Der Entscheid des Nestlé-Verwaltungsrats garantiere zwar Kontinuität, doch Investoren schätzten solche Doppelfunktionen nicht, sagte etwa Vontobel-Analyst René Weber gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Weber geht davon aus, dass in den kommenden Jahren ein Nachfolger für Brabeck als Konzernchef aufgebaut wird.

An der Schweizer Börse SWX gaben Nestlé am Dienstagvormittag nach: Bis um 9.45 Uhr verlor der Titel um 0,7 Prozent auf 306.50 Franken. Teilweise wechselte das Papier den Besitzer sogar für 305.75 Franken. Der Swiss Market Index (SMI) lag derweil um 0,4 Prozent im Minus.

(sda)

Deine Meinung