Einschätzung: Brady Dougan zum Letzten
Aktualisiert

EinschätzungBrady Dougan zum Letzten

Der Absturz der CS-Aktie hat die Situation von CEO Brady Dougan weiter verschlechtert. Es ist ein Warten auf den Abgang einer Lame Duck. Doch wer soll den Amerikaner ablösen?

von
Lukas Hässig
Die Tage von Brady Dougan auf dem CEO-Sessel der Credit Suisse dürften gezählt sein.

Die Tage von Brady Dougan auf dem CEO-Sessel der Credit Suisse dürften gezählt sein.

Heute Freitag herrscht Erleichterung am Paradeplatz. Die Titel der Credit Suisse liegen deutlich im Plus, nachdem sie am Donnerstag richtiggehend zusammengestaucht worden waren. Es ist aber ein Durchatmen auf tiefem Niveau. Die CS-Aktie liegt mit 17 bis 18 Franken so tief wie noch nie. Das Verdikt an der Börse trifft vor allem einen: CEO Brady Dougan. Es ist das ultimative Zeugnis für Dougans fünf Jahre an der Spitze der Grossbank.

Dieses fällt ernüchternd aus. Der Glaube an Dougans vielbeschworene neue CS liegt in Scherben. Mit Folgen: Was bei der UBS als Silberstreifen am Horizont beurteilt wird, malen die gleichen Investoren bei der CS in rabenschwarzen Farben.

Der Nachfolger sollte Schweizer sein

In der CS-Chefetage herrscht eine gespenstische Stimmung. Alle Häuptlinge wissen, dass Dougans Zeit um ist – aber niemand kennt den passenden Nachfolger. Interne Topshots brüten ebenso über der Frage wie externe Berater: Wer ist der neue Mister Credit Suisse? Am liebsten soll er oder sie Schweizer sein, sonst wenigstens Europäer – nur keinen Ami mehr; von denen hat die CS vorerst die Nase voll.

Dabei wird Dougan von niemandem auf den Mond gewünscht, ausser vielleicht vom CS-Fussvolk. «Er krampft von früh bis spät, ist loyal, versteht die Märkte und kennt Bank und Kunden wie kein Zweiter», sagt ein CS-Manager. Doch, fährt er fort, das genüge halt nicht mehr. «Wenn in jedem Meeting alle nach dem nächsten CEO fragen, ist die Zeit abgelaufen.»

Top zu Flop in zwei Jahren

Dabei galt Dougan noch vor zwei Jahren als Held der Finanzkrise. Er hatte seine CS ohne Staatsrettung durch die erste Finanzkrise ab 2008 gesteuert und predigte als einer der ersten Banken-Bigshots die neue Ära der Hochfinanz – mit mehr Kapital, weniger Risiken und keinem Casino-Banking.

Die Investoren hielten grosse Stücke auf den drahtigen Marathon-Mann aus Übersee. Während den Aktien von gebeutelten Konkurrenten wie UBS und Citigroup beinahe das Schicksal von Penny-Stocks drohte, blieb der Titel der CS robust. Auch in den stürmischen Zeiten der Finanzkrise notierten die Papiere bei rund 20 Franken.

Heute fragt sich, wie der Fall von der Spitze nach ganz unten in so kurzer Zeit möglich war. Die Antwort lautet: Dougan und seine CS spielten die züchtigen Musterschüler, lebten aber in Saus und Braus weiter. Vordergründig lobte die CS die verschärften Eigenkapitalvorschriften der Schweiz. Hinter den Kulissen hat die Bank wie viele andere noch nicht das nötige Kernkapital, das international verlangt wird.

Gegen aussen gaben sich Dougan & Co. auch bei den Boni einsichtig. Sie betonten den Rückbehalt grosser Teile der variablen Vergütung, bis klar ist, dass die CS nachhaltig Erfolg hat. In der Realität verdienten Dougan und seine Kollegen insbesondere im Investmentbanking gross weiter.

Im Frühling 2010 erhielt Dougan den Rekordbonus von 71 Millionen. Möglich gemacht hatte das eine damals noch robuste CS-Aktie. Der Einbruch folgte erst später, als Dougan bereits ein für immer gemachter Mann war.

Präsident Rohner muss in die Hosen

Als die Behörden dem Bonus-Treiben einen Riegel schoben, zauberte Dougan für seine Manager Beteiligungspläne an undurchsichtigen Vehikeln aus dem Ärmel.Was der CS-Chef als Übernahme des Managements von Risiken in der CS-Bilanz lobte, könnte tatsächlich ein cleveres Umverteilen von den Aktionären zu den Chefs gewesen sein. Dank ihrem Informationsvorsprung konnten sie auf die richtigen Konstrukte wetten.

Wenn Dougan vermutlich noch dieses Jahr abgelöst wird, geht er als «Ober-Abzocker» in die Geschichte ein. Das dürfte ihm nichts ausmachen. Als Amerikaner bleibt ihm das Schweizer Missfallen an hohen Entschädigungen eher fremd.

Dougans Scherbenhaufen mit einer CS ohne überzeugende Strategie und fähigen internen Nachfolger müssen andere aufwischen. Gefordert ist CS-Präsident Urs Rohner. Er ist ein Rampenlicht-Typ. Nun muss der Präsident beweisen, dass er seinen Job und sein Geld wert ist. In den nächsten Monaten muss er einen Dougan-Nachfolger der Superklasse aus dem Hut zaubern.

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