Umweltauswirkungen: Branche nimmt zu Milch- und Fleischstudie Stellung
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UmweltauswirkungenBranche nimmt zu Milch- und Fleischstudie Stellung

Eine neue Studie stellt der weltweiten Milch- und Fleischproduktion ein schlechtes Umweltzeugnis aus. Die Schweizer Industrie relativiert.

von
jcg
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Die Ergebnisse der in «Science» veröffentlichten Studie: Weltweit werden über 80 Prozent der Anbauflächen für die Herstellung von Milchprodukten oder Fleisch eingesetzt. Link zur Studie

Die Ergebnisse der in «Science» veröffentlichten Studie: Weltweit werden über 80 Prozent der Anbauflächen für die Herstellung von Milchprodukten oder Fleisch eingesetzt. Link zur Studie

Keystone/Arno Balzarini
Die Milch- und Fleischindustrie ist demnach für 58 Prozent der auf der ganzen Welt durch die Lebensmittelproduktion verursachten Treibhausemissionen und 56 Prozent der Wasserverschmutzungen verantwortlich.

Die Milch- und Fleischindustrie ist demnach für 58 Prozent der auf der ganzen Welt durch die Lebensmittelproduktion verursachten Treibhausemissionen und 56 Prozent der Wasserverschmutzungen verantwortlich.

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Gleichzeitig stammen bloss 18 Prozent der von der gesamten Weltbevölkerung konsumierten Kalorien und 37 Prozent aller Proteine von Milchprodukten oder Fleisch.

Gleichzeitig stammen bloss 18 Prozent der von der gesamten Weltbevölkerung konsumierten Kalorien und 37 Prozent aller Proteine von Milchprodukten oder Fleisch.

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Eine Studie zur Umweltbilanz der Milch- und Fleischproduktion hat bei den 20-Minuten-Lesern hohe Wellen geschlagen. In über tausend Kommentaren forderten einige Leser den Verzicht auf tierische Erzeugnisse, während andere schrieben, dass hierzulande andere Verhältnisse herrschten.

Laut der in «Science» veröffentlichten Untersuchung werden weltweit 80 Prozent der Anbauflächen für die Milch- und Fleischerzeugung genutzt. Sie ist zudem für 58 Prozent der durch die Lebensmittelproduktion verursachten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, während bloss 18 Prozent der von der Weltbevölkerung konsumierten Kalorien und 37 Prozent aller Proteine von Milchprodukten oder Fleisch stammen. Auch beim Wasser- und Energieverbrauch schneiden die Milch- und Fleischprodukte im Vergleich mit pflanzlichen Produkten deutlich schlechter ab. In der Studie wurden 38'700 Farmen und 1600 Verarbeitungsunternehmen in 119 Ländern untersucht.

Branche reagiert

Proviande und die Schweizer Milchproduzenten SMP weisen auf Anfrage darauf hin, dass die weltweite Situation nicht mit jener in der Schweiz vergleichbar ist. Demnach sind hierzulande 70 Prozent der Nutzfläche Grasland, das für den Ackerbau ungeeignet ist. Als Weiden und Futtergrundlage genutzt würden darauf aber trotzdem hochwertige Nahrungsmittel erzeugt, sagt Reto Burkhardt von SMP. Dank der Gras- und Weidewirtschaft könnten Schweizer Milchkühe rund 90 Prozent heimisches Futter essen. Importfutter wie Soja stamme fast ausschliesslich aus zertifiziert nachhaltigem Anbau.

Zu den Treibhausgas-Emissionen sagt Regula Kennel von Proviande, dass die Schweizer Landwirtschaft diese zwischen 1990 und 2015 um 11,2 Prozent reduziert habe und sie weiter verringern werde. Zudem werde weltweit daran geforscht, den naturbedingten Methanausstoss der Kühe durch besseres Futter zu reduzieren. Tiere seien jedoch nicht wie Automaten optimierbare technische Systeme, was den Reduktionsmöglichkeiten Grenzen setze. Zurzeit machen Methanemissionen hierzulande laut dem Bundesamt für Umwelt rund 64 Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen im Landwirtschaftssektor aus (PDF). Weltweit entfallen laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) 14,5 Prozent des Ausstosses an Treibhausgasen auf die Nutztierhaltung. In der Schweiz liegt dieser Wert bei 12,9 Prozent.

«Konsum mit Mass»

Kennel und Burkhardt betonen, dass der Energiebedarf in der Schweiz auch dank kurzer Transportwege und einer grossen Zahl umweltzertifizierter Verarbeitungsbetriebe tiefer sei als im globalen Schnitt. Dazu kommt, dass dank des Wasserreichtums der Schweiz nur 2 Prozent des Frischwasserverbrauchs auf die Landwirtschaft entfallen, während dieser Anteil laut FAO im weltweiten Durchschnitt bei 69 Prozent liegt, in Europa bei 21 Prozent.

Trotz dieser im weltweiten Vergleich guten Ökobilanz räumt Kennel aber ein: «Die Zukunft gehört in allen unseren Ansprüchen, auch bei tierischen Produkten, einem Konsum mit Mass.» Und ergänzt: «Jeder Konsument soll selber über seinen Fleischkonsum entscheiden. Wer Schweizer Fleisch konsumiert, darf bezüglich Ökologie und Ethik aber ein gutes Gewissen haben.»

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