15.10.2020 10:28

Inferno am Kilimandscharo«Mitten in der Nacht mussten wir packen und sofort evakuieren»

Ein Camp am Kilimandscharo mit Bergsteigern aus der Schweiz musste plötzlich wegen heranziehender Flammen geräumt werden. Ein Augenzeuge schildert den dramatischen Moment.

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Eine Gruppe mit Bergsteigern aus der Schweiz musste in der Nacht zum 15. Oktober einen Camp am Kilimandscharo evakuieren.

Eine Gruppe mit Bergsteigern aus der Schweiz musste in der Nacht zum 15. Oktober einen Camp am Kilimandscharo evakuieren.

Leser-Reporter
Sie liefen durch den Wald bis sie den Mweka-Gate erreichten.

Sie liefen durch den Wald bis sie den Mweka-Gate erreichten.

Leser-Reporter
Der Schweizer Peter Christen und zwei Kollegen befanden sich auf einer Trekking-Tour.

Der Schweizer Peter Christen und zwei Kollegen befanden sich auf einer Trekking-Tour.

Darum gehts

  • Seit Sonntag brennt es am Kilimandscharo.

  • Ein Bergsteiger-Camp musste geräumt werden.

  • Bis zu 28 Quadratkilometer Fläche sind bisher verbrannt.

An dem seit Tagen in Flammen stehenden Kilimandscharo hat ein verzweifelter Abstieg der Bergsteiger-Gruppen begonnen. Die Lage an Afrikas höchstem Gebirgsmassiv hat sich zuletzt verschärft. Auf Satellitenbildern ist ein deutliches Ausbreiten der Flammen zu sehen, die sich jetzt zudem geteilt haben.

Ein Camp mit Bergsteigern aus der Schweiz und anderen Ländern musste in der Nacht wegen heranziehender Flammen geräumt werden, wie Tour-Organisatoren der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag sagten. Der Schweizer Peter Christen befand sich mit zwei weiteren Männern auf einer Trekking-Tour im Kilimandscharo-Nationalpark, als das Feuer ausbrach. Gegenüber 20 Minuten schildert er, wie die Gruppe mitten in der Nacht einen Schreckensmoment erlebte. «Wir wurden vom Tourenmanager geweckt und mussten sofort unsere Sachen packen und evakuieren», so Christen.

«Wir liefen mit den beiden Führern mit den Stirnlampen durch den dunklen Wald. Drei Stunden lang im Lauftempo hinunter zum Mweka-Gate». Dort wartete ein Fahrzeug, das die Gruppe schliesslich nach einer zweieinhalbstündigen Fahrt in ein Hotel in Usa River brachte. Christen ist dankbar: Er habe nie das Gefühl gehabt, in Gefahr zu sein. «Die Mannschaft hatte einen guten Evakuierungsplan». Es sei aber sehr beeindruckend gewesen, die Flammen vom Campingplatz Mweka aus zu betrachten.

«Das Feuer dehnt sich jetzt immer mehr aus»

«Ausser meiner Schweizer Gruppe gab es da noch fünf bis sechs andere Gruppen, die um Mitternacht ihre Zelte abbrechen mussten», erklärte der seit 15 Jahren an Afrikas höchstem Gebirgsmassiv lebende deutsche Bergführer Henning Schmidt und betonte: «Das Feuer dehnt sich jetzt immer mehr aus.»

Der Kilimandscharo steht in Flammen

Twitter, Francisco Gonzalez / AP

Schweizer berichten von Ascheschicht am Kilimandscharo

Die Nationalparkbehörde rief nach offiziell unbestätigten Branchenangaben zu Spenden für die Brandbekämpfung auf und erwägt einen Rückruf aller noch im Gebirge befindlichen Touristen. Eine Gruppe mit Deutschen, Österreichern und Schweizern, die am Donnerstag zum 4600 Meter hoch gelegenen Barafu-Camp unterwegs war, berichtete von starkem Wind und einer dichten Ascheschicht, die ihre Zelte bedeckte. Auf Fotos von ihrem Camp ist deutlich eine kompakte, dicke Qualmwolke unterhalb des Lagers zu erkennen.

Der Grossbrand war am Sonntag an der Südflanke des Kilimandscharo ausgebrochen und hat seitdem nach offiziellen Angaben mindestens 28 Quadratkilometer Heidefläche zerstört. Die Höhe und der teilweise nur schwer erreichbare Brandherd gestalten die Löscharbeiten schwierig. Nach offiziell unbestätigten Berichten sollen mittlerweile auch Gebäude zerstört worden sein. Der Kilimandscharo ist mit 5895 Metern Höhe Afrikas höchster Berg und Tansanias Wahrzeichen. In dem Land, in dem am 28. Oktober Wahlen anstehen, gilt der Bergtourismus als ein wichtiger Arbeitgeber und Devisenbringer.

(SDA/ore/kle)

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16 Kommentare
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Chäshörnli

15.10.2020, 13:22

Diese Prestige-Bergsteiger, welche unbedingt den Kilimandscharo erklimmen müssen mit allerlei Hilfsmitteln und Sherpas, nennen sich auch noch Naturliebhaber. Dabei sind sie für die Zerstörung dieser Bergwelten und deren Vermüllung verantwortlich. Beim Mount Everest haben sie es ja schon längst geschafft.

Pfnüsel

15.10.2020, 13:12

Ist Tamiflu ausgestorben oder mutiert?

Grüsel

15.10.2020, 13:02

Ob die Nimonsetta Tartaruga wohl ssulfsuA hat?