Aktualisiert 26.06.2017 08:21

Hochhaus-Inferno von London

Brand-Fassade wird auch in der Schweiz verkauft

Fast 80 Menschen starben, als der Londoner Grenfell Tower in Flammen aufging. Leicht brennbare Verkleidungen werden auch in der Schweiz eingesetzt.

von
ehs
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Brennbare Dämm-Materialen – Polyethylene, Polystyrole und Polyurethane – sind auch in Schweizer Gebäuden verbaut. Im Londoner Grenfell Tower trugen sie zum verheerenden Feuer bei.

Brennbare Dämm-Materialen – Polyethylene, Polystyrole und Polyurethane – sind auch in Schweizer Gebäuden verbaut. Im Londoner Grenfell Tower trugen sie zum verheerenden Feuer bei.

epa/Facundo Arrizabalaga
Am 14. Juni 2017 ging der Londoner Grenfell Tower in North Kensington in Flammen auf. Von den Wohnungen sind nur Schutt und Asche geblieben (18. Juni 2017).

Am 14. Juni 2017 ging der Londoner Grenfell Tower in North Kensington in Flammen auf. Von den Wohnungen sind nur Schutt und Asche geblieben (18. Juni 2017).

epa/London Metropolitan Police / Handout
Knapp zu erkennen ist noch das Gehäuse einer Waschmaschine.

Knapp zu erkennen ist noch das Gehäuse einer Waschmaschine.

epa/London Metropolitan Police / Handout

Die Bilder des brennenden Hochhaus in London gingen um die Welt. 79 Menschen starben, als am 14. Juni der Grenfell Tower in London brannte. Eine Kühl-Gefrierkombination war in Brand gerraten. Die leicht brennbare Fassade aus synthetischen Dämmstoffen dürfte zum Inferno beigetragen haben. «Wenn dieses Material in einem Hochhaus verbaut wird, ist ein Brand für die Feuerwehr kaum noch beherrschbar», sagte ein deutscher Feuerwehr-Experte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Ähnliche Materialen – es handelt sich um Polyethylene, Polystyrole und Polyurethane – sind auch in der Schweiz weit verbreitet, und das, obwohl sie leicht entzündlich sind. «Diese Erdölderivate werden seit zwei Jahrzehnten häufig eingesetzt, weil sie billig sind und gut isolieren», sagt Jorgen Hempel, Inhaber der Hemp Eco Systems aus Sainte-Croix, gegenüber «24 heures».

Brandschutzstreifen sind Pflicht

Die Materialien würden oft direkt an die Gebäudestruktur geklebt. Wenn ein Haus abgerissen werde, sei es fast unmöglich, die Stoffe vom Holz oder Beton zu trennen. Alles müsse als Sondermüll entsorgt werden.

Polyethylene entzünden sich bei rund 350 Grad. Ihre Verbrennung erzeugt toxische Dämpfe. Trotzdem sind sie in der Schweiz erlaubt. Bei Gebäuden mit einer Höhe von bis zu 11 Metern dürfen sie ohne Auflagen verbaut werden. Zwischen 11 und 30 Metern Höhe müssen Brandschutzstreifen von 20 Zentimetern zwischen jeder Etage eingebaut werden. In Gebäuden, die höher als 30 Meter hoch sind, dürfen die Materialien nicht genutzt werden. Ein Verbot gibt es auch für Spitäler.

«Es gibt kein Null-Risiko»

«Ich empfehle meinen Kunden, die Materialen nicht zu verwenden, weil ihre korrekte Verwendung sehr knifflig ist», sagt Bauingenieur Eric Tonicello vom Lausanner Ingenieur- und Sicherheitsbüro ISI zu «24 heures». Es gebe kein Null-Risiko. Er rate, Steinwolle zu nutzen – ein natürlicheres Material, das erst bei 1000 Grad zu brennen beginne.

Verhältnisse wie in England herrschen in der Schweiz dennoch nicht. Dort gibt es bis anhin kein Verbot der leicht brennbaren Dämmstoffe für Hochhäuser. Die Schweizer Vorschriften mit den Brandschutzstreifen verhinderten zudem ein schnelles Ausbreiten von Feuer, sagt Tonicello der Zeitung.

(ehs/20 Minuten)

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