Aus Flammen gerettet: Brand in St. Gallen – was der Held erlebte
Aktualisiert

Aus Flammen gerettetBrand in St. Gallen – was der Held erlebte

Als er Rauch aus einer Wohnung in der St. Galler Langgasse dringen sah, zögerte Michael Brunschweiler keine Sekunde und begab sich in das Gebäude.

von
Jeroen Heijers
Ein technischer Defekt war laut Kantonspolizei St. Gallen die Ursache für den Brand.

Ein technischer Defekt war laut Kantonspolizei St. Gallen die Ursache für den Brand.

«Gegen 16 Uhr machte ich eine kurze Rauchpause mit meinem Arbeitskollegen, als plötzlich eine Rauchwolke aus einer gegenüberliegenden Wohnung stieg», sagt der Elektriker Michael Brunschweiler.

Während sein Arbeitskollege die Feuerwehr alarmierte, sei er selbst direkt zur Wohnung gegangen, um zu schauen, was los war. Die Wohnungstür sei einen Spalt geöffnet gewesen. Ohne gross zu überlegenk, habe er sich in die Wohnung begeben, so der 27-Jährige. «Überall war dichter Rauch und ich sah, wie eine ältere Frau verwirrt durch die Wohnung lief. Ich rief ihr zu, sie solle rauskommen, doch sie war äusserst verwirrt und reagierte nicht.» Deshalb entschied sich Brunschweiler, die Wohnung zu betreten und die 71-jährige Bewohnerin eigenhändig aus der Wohnung zu bringen. «Als ich sie draussen hatte, war ihr die ganze Situation peinlich und sie lief wieder zurück in die brennende Wohnung», sagt Brunschweiler weiter.

Wo ist der Enkel?

Er habe sie dann dazu bewegen können, ausserhalb der Wohnung zu bleiben und fragte sie, ob noch weitere Personen hier seien. «Mit einer panischen Stimme sagte sie mir dann, dass ihr Enkel noch in der Wohnung sei.» Mit einem Feuerlöscher, den ihm sein Chef mittlerweile gebracht hatte, betrat Brunschweiler erneut die Wohnung, um nach dem Jungen zu suchen. «Da ich auf Grund der enormen Hitze nicht weit in die Wohnung gehen konnte, fand ich auch den Buben nicht. Deshalb bat ich die Frau, mir die Nummer der Eltern zu geben», so der Elektriker. Wie sich herausstellte, war der Bub wohlauf zuhause bei seinen Eltern.

Da die Rettungskräfte mittlerweile eingetroffen waren, verliess Brunschweiler zusammen mit der 71-Jährigen die Wohnung. Beide wurden mit dem Rettungswagen ins Spital gebracht. Mit einer leichten Rauchgasvergiftung konnte Brunschweiler das Spital noch am Mittwochabend wieder verlassen. Wie er gegenüber 20 Minuten sagt, konnte er am Freitag wieder zur Arbeit gehen und besichtigte noch einmal die Brandwohnung an der Langgasse. Der Sohn der älteren Dame teilte ihm dort mit, dass diese nach wie vor im Spital liege. «Es geht ihr aber immer besser», sagt Brunschweiler. Ohne der Zivilcourage des Elektrikers würde es der 71-Jährigen mit Sicherheit schlechter gehen.

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