Feuer in Berner Heim: Brandstifter ermittelt – Tat verjährt
Aktualisiert

Feuer in Berner HeimBrandstifter ermittelt – Tat verjährt

13 Jahre nach der Brandstiftung in einem Heim in Niederwangen konnte der Täter ermittelt werden. Bestraft werden kann er nicht, denn die Tat ist verjährt.

Der Anbau des Knabenheims wurde durch Brandstiftung am 4. August 2002 in Niederwangen völlig zerstört.

Der Anbau des Knabenheims wurde durch Brandstiftung am 4. August 2002 in Niederwangen völlig zerstört.

Keystone/Lukas Lehmann

Die Brandstiftung von August 2002 im ehemaligen Knabenheim «Auf der Grube» bei Niederwangen ist 13 Jahre nach der Tat geklärt. Ein Mann hat gestanden, den Brand gelegt zu haben, der Auslöser war für eine Aufarbeitung der teilweise dunklen Geschichte des Heims.

Polizei und Justiz hatten im September 2003 das Verfahren gegen den damals unbekannten Brandstifter eingestellt. Trotz umfangreicher Ermittlungen und obwohl am Tatort DNA-Spuren des Täters gefunden worden waren, konnten die Ermittler niemanden für die Tat zur Rechenschaft ziehen.

Treffer im Januar

Im Januar 2015 zeigten aber die polizeilichen Ermittlungssysteme einen DNA-Treffer an, als in einem anderen Kanton ein Mann erkennungsdienstlich durch die Polizei behandelt wurde. Das teilten die Regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland und die Kapo am Montag mit.

Mit anderen Worten stimmte das Erbgut des Mannes mit jenem überein, das im August 2002 in Niederwangen gefunden worden war. Der Mann gestand schliesslich, den Brand gelegt zu haben. Damals wurde niemand verletzt, doch entstand Sachschaden von mehreren 100'000 Franken. Die im Heim betreuten Knaben, Betreuer und Heimleiter weilten an diesem Sonntagmorgen in einem Ferienlager.

Bekennerschreiben und weitere Vorwürfe

Schon am 5. August und in den Tagen danach versandte der Brandstifter anonyme Bekennerschreiben an Polizei, Kanton und Medien und erhob in diesen Vorwürfe gegen die Heimleitung. Es sei zu sexuellen Übergriffen auf Insassen gekommen.

Die Strafverfolgungsbehörden leiteten danach Ermittlungen auch zu diesen Vorwürfen ein und die kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektion beauftragte den ehemaligen Oberrichter Ueli Hofer mit einer Untersuchung. Dieser kam in seinem im März 2003 vorgestellten Bericht zum Schluss, im Knabenheim «Auf der Grube» seien während Jahren Schüler körperlich bestraft worden.

Mit Stöcken traktiert

Die Vorwürfe richteten sich gegen den ehemaligen Heimleiter, einen ehemaligen Lehrer und gegen das landwirtschaftliche Personal, sagte Hofer. Beispielsweise seien die Schüler mit Stöcken, Teppichklopfern und Seilen traktiert worden. Zu wesentlichen sexuellen Übergriffen sei es nicht gekommen, aber zu sexuellen Handlungen unter Knaben.

Der Stiftungsrat des Heims trat in der Folge zurück und das Heim gab sich einen neuen Namen. 2011 wurden die Gebäude an eine Stiftung verkauft, welche die Liegenschaft zu einem tibetisch-buddhistischen Meditations- und Kulturzentrum umgewandelt hat.

Brandstifter kannte Heim gar nicht

Die neusten Ermittlungen haben nun ergeben, dass der Brandstifter das Heim gar nicht kannte und auch keine Personen aus dem Umfeld. Dem Mann war das Heim lediglich bekannt, weil er seinerzeit in der Nähe arbeitete. Das sagte am Freitag Christof Scheurer, Informationsbeauftragter der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. Das Motiv für die Brandstiftung sei gewesen, dass der Mann selber in Heimen aufgewachsen sei und eine Abneigung gegen solche Einrichtungen entwickelt habe.

Landete der Mann also mit seinen Bekennerschreiben vom 5. August 2002, in dem von Übergriffen die Rede ist, sozusagen einen Zufallstreffer? Das könne man so sagen, bestätigt Scheurer. Falsch war allerdings, dass der Mann Vorwürfe gegen die damalige Leitung des Heims erhob. Die Berner Staatsanwaltschaft schreibt in ihrer Mitteilung: «Die (. . .) amtliche Untersuchung ergab, dass die Bezichtigungen gegen die Heimleitung, welche ihre Aufgabe ab 2000 und nach dem Brand noch bis 2005 ausübte, haltlos waren.»

Vorwürfe verjährt

Der inzwischen geständige Brandstifter wird nun für seine Tat von August 2002 nicht mehr strafrechtlich zur Verantwortung gezogen: Die Taten, welche ihm vorgeworfen werden, sind verjährt. Die Untersuchung gegen ihn ist rechtskräftig eingestellt worden.

(sda)

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