Aktualisiert 23.01.2008 16:44

Brandstifter oder Märtyrer?

Für die niederländischen Behörden gilt am Freitag Alarmstufe rot. Dann will der «holländische Haider», Geert Wilders, seinen Anti-Koran-Film zeigen.

Geert Wilders, dessen rechtspopulistische Freiheitspartei mit neun Abgeordneten im Parlament vertreten ist, ist nach eigenen Angaben dabei, einen zehnminütigen Film über den Koran zu drehen. Darin will er zeigen, wie die heilige Schrift des Islam von islamischen Radikalen dazu benutzt werde, zu Gewalt und Intoleranz anzustiften. Er hat bislang noch keinen Fernsehsender gefunden, der den möglicherweise noch gar nicht fertiggestellten Film zeigen will.

Erinnerung an Van Gogh

Das Vorhaben des Parlamentsabgeordneten, der sich in der Nachfolge des rechtspopulistischen, 2002 ermordeten Pim Fortuyn sieht, sorgt in den Niederlanden für Unruhe. Noch gut erinnert man sich in dem einst für seine Toleranz gerühmten Staat an die furchtbare Bluttat im November 2004, als ein radikaler Islamist den Regisseur Theo van Gogh auf offener Strasse regelrecht abschlachete.

Van Goghs Verbrechen: Er hatte - zusammen mit der somalischen Exilantin Ayaan Hirsi Ali - den islamkritischen Film «Submission» gedreht, in dem Koranverse auf die nackte Haut von Frauen geschrieben werden.

Angst vor radikalen Reaktionen

«Es gibt Sorgen hier und im Ausland, dass der Film beleidigend sein könnte und zu Reaktionen führen könnte, die die öffentliche Ordnung, Sicherheit und Wirtschaft gefährden», sagte der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende unlängst vor Journalisten. Seine Regierung bereite sich auf mögliche Reaktionen im In- und Ausland vor.

Balkenende erinnerte aber auch an das Recht auf freie Meinungsäusserung und mahnte Toleranz im Umgang mit Wilders an. Zu dem Film selbst wollte er sich nicht äussern, weil er ihn noch nicht gesehen habe.

Flucht ins Ausland?

In einem Brief an die Zeitung «De Volkskrant» schreibt Wilders, die Regierung zeige mit ihren «panischen Reaktionen», dass der Islam eine «intolerante Ideologie» sei. Hätte er nämlich einen Film über «den faschistischen Charakter der Bibel» angekündigt, fragt Wilders rhetorisch, würde dann Balkenende auch von einer «Krise mit internationalen Effekten» sprechen?

Niederländische Medien berichteten am Donnerstag, Wilders werde nach einer Publikation seines Films möglicherweise des Land aus Sicherheitsgründen verlassen müssen.

Schlimmer als der Karikaturenstreit?

Niederländische Medien haben in den vergangenen Tagen spekuliert, dass Wilders mit seinem Film die muslimische Welt noch mehr aufbringt als der Karikaturenstreit 2005. Damals hatte eine dänische Zeitung Karikaturen abgedruckt, die den Propheten Mohammed darstellten. In der Vergangenheit hatte Wilders den Koran als faschistisches Buch bezeichnet, das zur Hälfte verboten werden sollte, weil es eine Botschaft der Intoleranz gegen Frauen und Homosexuelle enthalte. Wegen seiner Ansichten erhält er seit drei Jahren Personenschutz rund um die Uhr.

dhr (dapd)

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