Brasil-Coach Parreira: «Werden wir gestört, brechen wir ab»
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Brasil-Coach Parreira: «Werden wir gestört, brechen wir ab»

Während sich die brasilianischen Stars in Nottwil intensiven medizinischen Tests unterzogen, stand Trainer Carlos Alberto Parreira in Weggis am zweiten Tag des Brasil-Camps der grossen Presseschar erstmals Red und Antwort.

21 TV-Kameras waren im zum Pressesaal umfunktionierten Werkgebäude von Platzbesitzer Thermoplan installiert, rund 50 Fotografen lauerten vor dem Podium auf die besten Aufnahmen und an die 100 Journalisten schrieben eifrig mit, als der brasilianische Teamchef in Weggis erstmals Hof hielt.

Er habe sich selber dem Fitness-Check in Nottwil unterzogen, da ja auch der Trainer unter grossem Druck stehe, sagte Parreira und nahm für sein Team gleich noch in Anspruch, dass es unter all den Favoriten am besten mit dem Druck umgehen können, «weil wir schon fünfmal Weltmeister waren». Parreira, der schon an vier WM-Endrunden teilnahm, sieht Brasilien allerdings nicht als alleiniger Favorit, wie es immer wieder prognostiziert wird: «Deutschland als Gastgeber sowie England, Italien und natürlich Argentinien gehören für mich ebenso sehr zum engsten Favoritenkreis.»

Klar sei für ihn und die ganze Delegation aber auch, dass sie nur deshalb nach Europa gekommen sind, um erneut Weltmeister zu werden. Das Camp in Weggis benutze er vor allem dazu, an der Taktik zu arbeiten. «Nur mit spielerischen und technischen Feinheiten kann man nicht Weltmeister werden.»

Ob er sich durch die täglich 5000 Zuschauer bei den Trainings und die rund 750 Journalisten nicht gestört fühle in der Vorbereitung, wollte ein englischer Journalist wissen, der vom grossen Medienandrang überwältigt war. «Wenn wir uns gestört fühlen, brechen wir die Übung sofort ab, denn eine seriöse Vorbereitung steht über allem.» Parreira kann sich dieses unglaubliche Interesse und die Euphorie in Brasilien selber auch nicht recht erklären, er hat sich jedoch damit abgefunden: «Alle vier Jahre bricht in Brasilien ein gelb-grünes Fieber aus. Dann steht das ganze Land als Einheit hinter der Seleçao. Danach schauen wieder alle für sich.»

Neben Parreira sass Mario Zagallo, der 1958 als Spieler und 1994 als Trainer Brasilien den WM-Titel bescherte, auf dem Podium und zog plötzlich lachend seinen persönlichen Glücksbringer aus dem Hosensack: «Wenn es zu hektisch wir, nehme ich Santo Antonio hervor. Er bringt uns die Ruhe, weil er nur zuhört und nichts sagt.» Zagallo küsste danach medienträchtig die brasilianische Heiligenfigur, die in Brasilien als Beschützer der Reisenden gilt, und versorgte sie wieder in der Tasche.

Trotz des kühlen Klimas in Weggis und den dunklen Regenwolken fühle sich seine Mannschaft hier sehr wohl: «Das Hotel ist super, das Essen hervorragend, es geht uns sehr gut hier. Natürlich ist das Klima nicht wie in Brasilien, aber die WM findet hier in Europa statt und ich denke, das Wetter wird in Deutschland in zwei Wochen nicht anders sein. Das Klima spielt für uns keine Rolle. Auch in Brasilien scheint nicht immer die Sonne.»

Stimmungsvolle Platz-Einweihung

Nach der Pressekonferenz wurde die für 1,7 Millionen Franken neu erbaute Thermoplan-Arena in Weggis feierlich eingeweiht. Hunderte von Zuschauern waren auf den drei installierten Sitzplatz-Tribünen zugegen, als gegen 100 Kinder in Brasilien-Leibchen und mit gelb- grünen National-Flaggen einmarschierten. Samba-Trommeln und Innerschweizer Treichlengeklänge sorgten für die passende musikalische Umrahmung, während der örtliche Pfarrer den «heiligen» Rasen einsegnete.

Noch 500 Tickets für erstes Testspiel

Für das erste Testspiel der Brasilianer auf Schweizer Boden am 30. Mai in Basel gegen den FC Luzern Selection gibt es noch 500 Tickets zu haben. Kaufen kann man sie über den offiziellen Vorverkaufkanal beim Ticketcorner.

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