Angst vor resistenter Super-Mutante: Brasilien ist eine Gefahr für die Weltgesundheit
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Angst vor resistenter Super-MutanteBrasilien ist eine Gefahr für die Weltgesundheit

90’830 neue Fälle und mehr als 3000 Tote an nur einem Tag: Die Corona-Pandemie ist in Brasilien ausser Kontrolle geraten. Die Situation ist so katastrophal, dass Wissenschaftler des Landes um internationale Hilfe bitten – und empfehlen, Flüge aus Brasilien nicht landen zu lassen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Brasilien steigt weiter und weiter. 

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Brasilien steigt weiter und weiter.

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Auch die Zahl der Toten erreichte am 24. März 2021 einen traurigen Höhepunkt: Allein an diesem Tag starben 3000 im Zusammenhang mit dem Virus. 

Auch die Zahl der Toten erreichte am 24. März 2021 einen traurigen Höhepunkt: Allein an diesem Tag starben 3000 im Zusammenhang mit dem Virus.

AFP via Getty Images
Da der rechtspopulistische Staatspräsident Jair Bolsonaro Sars-CoV-2 und seine Folgen weiter herunterspielt, rechnen brasilianische Wissenschaftler mit dem Schlimmsten. 

Da der rechtspopulistische Staatspräsident Jair Bolsonaro Sars-CoV-2 und seine Folgen weiter herunterspielt, rechnen brasilianische Wissenschaftler mit dem Schlimmsten.

REUTERS

Darum gehts

  • Die hohen Fallzahlen in Brasilien bereiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern grosse Sorgen.

  • Sie könnten dazu führen, dass sich weitere gefährliche Mutationen bilden.

  • Sollte es dazu kommen, könnten sie alle Anstrengungen der Welt, Sars-Cov-2 zu kontrollieren, zunichtemachen.

  • Die Gefahr ist so ernst, dass sie die Internationale Gemeinschaft um Hilfe bitten.

Was passiert, wenn man Corona nicht ernst nimmt, lässt sich derzeit in Brasilien beobachten: Die Zahl der täglichen Neuinfektionen erreicht ständig neue Höhen, ebenso die Zahl der Toten. Allein vergangenen Mittwoch wurde das Virus bei 90’830 Menschen nachgewiesen, über 3000 starben. Einige von ihnen, während sie auf Intensivbetten warteten.

Denn nicht nur der Sauerstoff im Land ist während der zweiten Pandemie-Welle knapp geworden. Es mangelt auch an Behandlungssmöglichkeiten: Laut Guardian.com sind derzeit in praktisch allen 26 brasilianischen Bundesstaaten und dem Bundesdistrikt mit der Hauptstadt Brasília die Kapazitätsgrenzen der Intensivstationen überschritten oder kurz davor. «Die Situation ist absolut kritisch», warnen Forschende vom Forschungsinstitut Fiocruz. Auch von einer «beispiellosen Katastrophe» ist die Rede.

Manaus als Brutstätte für gefährliche Variante

Das Unheil hatte in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, seinen Lauf genommen. Von dort wurden bereits im Januar 2021 apokalyptische Zustände gemeldet. Dafür wurde die Virusvariante P.1 verantwortlich gemacht, die erstmals Anfang des Jahres bei vier aus eben jenem Gebiet zurückgekehrten japanischen Touristen nachgewiesen worden war.

Heute weiss man, dass P.1 die zweite Welle in Manaus nicht ausgelöst hat. Vielmehr sei das Virus zu P.1 mutiert, weil es dafür in der Stadt perfekte Bedingungen vorgefunden hat: Aufgrund der hohen Fallzahlen während der ersten Welle eine Herdenimmunität in der Bevölkerung annahm und sich darum in falscher Sicherheit wiegte. In der Folge konnte sich die Mutante ungebremst ausbreiten.

P.1 ist Teil des Problems

Die brasilianische Mutante, wie P.1 auch genannt wird, gilt als deutlich ansteckender und ist offenkundig dominanter als das Ursprungsvirus. War die Mutante im November 2020 noch in einer Probe nachzuweisen, war sie bereits im Dezember für rund die Hälfte aller Coronainfektionen verantwortlich. Im Januar lag der Wert dann schon bei mehr als 90 Prozent, im Februar fand sich in der Region kaum eine andere Variante mehr.

Weiteres Problem: P.1 ist in der Lage, die durch frühere Infektionen gewonnene Immunabwehr zu umgehen. Bereits in der ersten Welle infizierte Personen, steckten sich ein zweites, manche sogar ein drittes Mal an.

Ignoranter Präsident

Die Heftigkeit der aktuellen Welle in dem südamerikanischen Land ist aber auch menschlichem Versagen zuzuschreiben. Denn seit Beginn der Pandemie spielt der brasilianische Staatspräsident Jair Bolsonaro das Virus und seine Folgen herunter: Er bezeichnet Covid-19 als «kleine Grippe», den besten Schutz davor erlange man durch Durchmachen der Erkrankung.

Auch von Massnahmen zur Eindämmung des Virus hält der rechtspopulistische Machthaber nicht viel: Masken seien nur etwas für «Weicheier», Provinzpolitiker, die Lockdowns verhängten, bezeichnete er als «Kriminelle», die die Wirtschaft abwürgten. Gegen die Impfung wetterte er laut und oft.

Fatale Kombination

Genau diese Kombination aus gefährlicher gewordenem Virus und ignorantem Präsidenten bereitet führenden Wissenschaftlern im Land grosse Sorgen. Sie könnte alle Anstrengungen der Welt, Sars-Cov-2 zu kontrollieren, zunichtemachen. Denn bei den derart hohen Fallzahlen in Brasilien könnte es erneut zu Mutationen kommen.

«Brasilien ist heute der Ort auf der Welt mit der grössten Wahrscheinlichkeit dafür, dass Varianten entstehen, die für die ganze Welt gefährlich sein können», sagt José Eduardo Levi, Virologe an der Universität Sao Paolo im Interview mit «ZDF heute». «Die Internationale Gemeinschaft muss sich mobilisieren, viel mehr Initiative zeigen und sei es nur im Eigeninteresse.»

Impfresistente Super-Mutante

Denn weitere Mutationen könnten zur Folge haben, dass Sars-CoV-2 gegen die Impfungen resistent wird, erklärt Biologe Lucas Ferrante vom Nationalen Institut für Amazonas-Forschung. Eine solche Super-Mutante hätte Folgen für die gesamte Weltgesundheit. Wie Levi hofft auch er auf Unterstützung von aussen. Konkret auf «Sanktionen, die Bolsonaro dazu zwingen würden, etwas zu tun, weil ihm sein Wirtschaftsargument ausginge», so Spiegel.de.

Zudem appelliert er in einer Stern-TV-Reportage an andere Länder, alles daran zu setzen, P.1 von sich fern zu halten: «Wichtig ist jetzt, dass alle Länder alle Flüge aus Brasilien blockieren, damit sich diese neue Variante nicht in der Welt ausbreitet.» Für viele Nationen kommt dieser Rat zu spät, denn die brasilianische Variante hat längst andere Länder erreicht, auch die Schweiz. Hier tauchte die Variante erstmals im Januar auf. Insgesamt wurde sie laut dem Bundesamt für Gesundheit BAG in der Schweiz bis jetzt sieben Mal nachgewiesen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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