Brasilien und die Seleção streiten um Copa América im eigenen Land
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Nati-Spieler laufen SturmBrasilien und die Seleção streiten um Copa América im eigenen Land

Brasilien ist besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen. Dennoch soll dort in Kürze die Copa América und damit eines der grössten Fussball-Turniere Südamerikas stattfinden.

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Ein Protestbanner vor dem Maracana Stadion in Rio de Janeiro: «Wir wollen nicht die Copa, wir wollen Impfstoff! Bolsonaro raus.»

Ein Protestbanner vor dem Maracana Stadion in Rio de Janeiro: «Wir wollen nicht die Copa, wir wollen Impfstoff! Bolsonaro raus.»

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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte sich für die Verlegung der «Südamerika-EM» in seinem Land stark gemacht.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte sich für die Verlegung der «Südamerika-EM» in seinem Land stark gemacht.

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Unter anderem soll hier gespielt werden, vom 13. Juni bis 10. Juli: das Mane Garrincha Stadion.

Unter anderem soll hier gespielt werden, vom 13. Juni bis 10. Juli: das Mane Garrincha Stadion.

imago images/Agencia EFE

Darum gehts

  • Vom 13. Juni bis 10. Juli soll in Brasilien die Copa América stattfinden.

  • Brasiliens Präsident Bolsonaro hatte sich für die Verlegung der «Südamerika-EM» in seinem Land stark gemacht – trotz der schwierigen Corona-Lage.

  • Der Entscheid sorgt im Land und der brasilianischen Nationalmannschaft für viel Kritik.

Jair Bolsonaro verkündete die grosse Botschaft Mitte Woche an seinem Rednerpult. Immer wieder machte Brasiliens Präsident bewusste Pausen zwischen seinen Sätzen, der Kern seiner Ankündigung wurde aber schnell klar. Trotz aller Kritik soll die Copa América in seinem Land stattfinden. «Soweit es von mir abhängt, von allen Ministern, einschliesslich des Gesundheitsministers, steht es bereits fest, es wird sie (die Copa América in Brasilien) geben», sagte Bolsonaro über das angesichts der Corona-Pandemie umstrittene Fussball-Turnier. Die Aufregung um das gerade in Südamerika stark grassierende Coronavirus hat der 66-Jährige ohnehin noch nie geteilt.

Der Präsident des kontinentalen Fussballverbandes Conmebol, Alejandro Domínguez, bestätigte via Twitter die Städte Brasília, Cuiabá, Goiânia und Rio de Janeiro als Spielstätten. Die Partien würden ohne Publikum und mit strengen Hygieneprotokollen stattfinden. Die Kritik flacht trotzdem nicht ab.

Einige Gouverneure lehnten die Austragung von Spielen in ihren Bundesstaaten ab. Senator Renan Calheiros wandte sich in einem Statement direkt an Brasiliens Superstar Neymar. «Neymar, du solltest nicht damit einverstanden sein, dass dieses Turnier in Brasilien stattfindet», sagte er. «Es ist nicht dieser Wettbewerb, in dem wir uns messen müssen, sondern in dem des Impfens.»

Die Conmebol hatte am Montag nach dem Aus von Kolumbien und Argentinien als Ausrichter zwei Wochen vor dem Turnierstart Brasilien als neuen Gastgeber bekanntgegeben. Der Verband bedankte sich bei Bolsonaro dafür, «die Türen dieses Landes (...) zu öffnen». Die Copa América soll vom 13. Juni bis 10. Juli ausgetragen werden.

Seleção-Spieler wollen sich am Dienstag äussern

Die Copa entfachte zuletzt auch eine Debatte in der brasilianischen Nationalmannschaft. Trainer Tite berichtete nach Angaben der US-Nachrichtenagentur AP am Donnerstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz von einer Unterredung einiger Spieler mit Verbandspräsident Rogério Caboclo.

«Sie haben eine Meinung und haben sie dem Präsidenten offengelegt», sagte Tite demnach als er gefragt wurde, ob Spieler um Erlaubnis gebeten hätten, das in weniger als zwei Wochen beginnende und kurzfristig nach Brasilien verlegte Turnier auslassen zu dürfen. «Sie werden sie der Öffentlichkeit zu angemessener Zeit offenlegen. Der Zeitpunkt dafür soll am kommenden Dienstag nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen Paraguay sein.

Brasiliens Captain Casemiro hat eine klare Meinung.

Brasiliens Captain Casemiro hat eine klare Meinung.

imago images/Action Plus

«Alle kennen unsere Position. Klarer geht es nicht», sagte Seleção-Captain Casemiro nach dem 2:0-Sieg im WM-Qualifikationsspiel am Freitag gegen Ecuador dem Sender «TV Globo». «Wir wollen den Fokus nicht verlieren, weil das (WM-Quali) für uns die Weltmeisterschaft ist. Aber wir wollen unsere Meinung sagen.» Und er spricht von der Einheit, welche die Debatte entfacht hat. «Wenn einer spricht, sprechen alle Spieler, mit Tite, mit dem Trainerstab. Es muss einstimmig sein, alle zusammen.»

Kritik im ganzen Land

Die Verlegung der «Südamerika-EM» nach Brasilien hatte nicht nur im Nationalteam, sondern auch im ganzen Land für Kritik gesorgt. Brasilien, das erst im Januar mit Impfungen begann, ist besonders stark von der Pandemie betroffen: Bislang haben sich im grössten Land Lateinamerikas mehr als 16,5 Millionen Menschen nachweislich infiziert, über 460’000 Menschen sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Rechtspopulist Bolsonaro, der das Coronavirus verharmlost, hatte die Aussetzung der nationalen Wettbewerbe wegen der Pandemie im vergangenen Jahr als «Hysterie» bezeichnet und sich für eine zügige Rückkehr des Fussballs eingesetzt.

Die Aufregung um die Austragung der Copa América teilt er ebenfalls nicht. Man habe erst kürzlich die erste Phase des Club-Wettbewerbs Copa Libertadores «ohne Probleme» hinter sich gebracht. «Jetzt machen wir am Freitag mit dem WM-Qualifikationsspiel Brasilien gegen Ecuador weiter. Ohne Probleme.» Also sei man mit den erprobten Hygienekonzepten auch in der Lage, die Copa América auszutragen.

(dpa/erh)

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