Fussball-Final: Brasiliens Wiedersehen mit den bösen Geistern
Aktualisiert

Fussball-FinalBrasiliens Wiedersehen mit den bösen Geistern

Im olympischen Fussball-Final trifft der Gastgeber auf Deutschland. Das weckt Erinnerungen an das schmachvolle 1:7 an der WM 2014.

von
Kai Müller
Rio
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Führen sie Brasilien zum ersten Olympia-Gold? Neymar (l.) und Gabriel Jesus, die beiden Doppeltorschützen im Halbfinal gegen Honduras (6:0).

Führen sie Brasilien zum ersten Olympia-Gold? Neymar (l.) und Gabriel Jesus, die beiden Doppeltorschützen im Halbfinal gegen Honduras (6:0).

epa/Javier Etxezarreta
Der Gegner heisst Deutschland. Das Team von Horst Hrubesch zog mit einem 2:0 gegen Nigeria in den Final ein.

Der Gegner heisst Deutschland. Das Team von Horst Hrubesch zog mit einem 2:0 gegen Nigeria in den Final ein.

AP/leo Correa
Die Affiche weckt Erinnerungen an den WM-Halbfinal 2014. Damals gingen die Brasilianer 1:7 unter und erlebten eine historische Schmach vor eigenem Publikum.

Die Affiche weckt Erinnerungen an den WM-Halbfinal 2014. Damals gingen die Brasilianer 1:7 unter und erlebten eine historische Schmach vor eigenem Publikum.

AP/Hassan Ammar

Wie doch das Schicksal manchmal spielt. Da schickt sich die Seleção nach uninspiriertem Start ins Turnier an, erstmals olympisches Gold zu gewinnen – und der Gegner am Samstagabend im Maracanã (22.30 MESZ) heisst: Deutschland.

Zwei Jahre nach dem 1:7 im WM-Halbfinal von Belo Horizonte kommt es also zum Wiedersehen. Und die brasilianischen Fans haben nur ein Wort im Kopf: Rache. Schon nach dem 6:0 am Mittwoch gegen Honduras sangen sie auf den Rängen: «Deutschland, sei gefasst, deine Stunde hat geschlagen.»

Neymar und seine Kollegen nehmen Fahrt auf

Sie werden es nicht gerne hören, aber die historische Schmach ist nicht zu tilgen. Nicht heute. Nicht an Sommerspielen, wo sich verstärkte U23-Auswahlen messen, die mehr oder weniger nichts mit WM-Mannschaften gemein haben. Wie schrieb doch die Tageszeitung «Folha de S.Paulo»: «Eine wirkliche Rache wäre nur ein Triumph, ein Kantersieg in einem K.-o.-Spiel an der WM.»

Ein Sieg muss trotzdem her für den Gastgeber, eine weitere Niederlage würde die noch längst nicht verheilte Wunde wieder aufreissen. Und wie eigentlich immer in den vergangenen Jahren heisst der Hoffnungsträger Neymar, der vor zwei Jahren verletzt gefehlt hatte. Nach biederem Auftakt hat sich auch der Superstar vom FC Barcelona erheblich gesteigert. Beim Schützenfest gegen Honduras im Halbfinal schoss er nach 15 Sekunden das schnellste Tor der Olympia-Geschichte, nach 90 Minuten totalisierte er zwei Treffer und zwei Assists.

Buhrufe gegen Deutschland

Während Brasilien zum vierten Mal nach 1984, 1988 und 2012 im Gold-Match steht, kommt Deutschland zu seiner Final-Premiere. Das Team von Horst Hrubesch hat besonders in der K.-o.-Runde mit dem 4:0 gegen Portugal und dem 2:0 gegen Nigeria überzeugt. Und vor allem hat es sich nicht von den Pfiffen und Buhrufen irritieren lassen, die ihm seit dem ersten Match entgegenschlagen.

Wie sehr das 1:7 die brasilianischen Fans noch immer beschäftigt, werden die Deutschen heute ein letztes Mal zu spüren bekommen. Sie sind die bösen Geister. Endgültig vertreiben lassen sie sich jedoch nicht, selbst wenn sie heute besiegt werden sollten.

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