Rentner beziehen Kinderzulagen: «Brauche das Geld für die Ausbildung des Kindes»

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Rentner beziehen Kinderzulagen«Brauche das Geld für die Ausbildung des Kindes»

Senioren, die in Thailand leben und Kinderrenten erhalten, sagen, dass sie diesen Zustupf brauchen. Sie wollen ihren Kindern eine gute Zukunft ermöglichen.

von
Thomas Mathis
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«Der deutschsprachige Kindergarten kostet 600 Franken pro Monat», sagt ein 66-jähriger Senior, der in Thailand wohnt und für seine eigene Tochter eine Kinderrente erhält.

«Der deutschsprachige Kindergarten kostet 600 Franken pro Monat», sagt ein 66-jähriger Senior, der in Thailand wohnt und für seine eigene Tochter eine Kinderrente erhält.

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«Wenn die Kinder keine westliche Schule besuchen oder auf dem Land leben, erhöht die Rente den Lebensstandard der Familie», so der Senior weiter.

«Wenn die Kinder keine westliche Schule besuchen oder auf dem Land leben, erhöht die Rente den Lebensstandard der Familie», so der Senior weiter.

epa/Michael Mathes

Schweizer AHV-Bezüger, die im Ausland leben und dort Kinder haben, erhalten eine Kinderrente. Das gilt auch, wenn der Partner Kinder mit in die Ehe bringt. Der Betrag liegt zwischen 470 und 940 Franken. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Kinderrenten, die nach Thailand ausbezahlt werden, stark gestiegen. Das sorgt für Kritik. Die betroffenen Rentner wehren sich.

Kurt Rotman, ein bekannter Schweizer Architekt, wohnt seit 21 Jahren in Thailand. Vor bald 20 Jahren hat der 72-Jährige einen thailändischen Jungen adoptiert, der damals zwei Jahre alt war. «Ich habe aus Liebe geheiratet», sagt er über seine thailändische Frau. Erst als er ins Pensionsalter kam, habe ihn die AHV darauf hingewiesen, dass er Anspruch auf eine Kinderrente hat.

«Ich habe aus Liebe geheiratet»

«Grundsätzlich finde ich es gut, dass es Kinderrenten gibt», so Rotman. Kein Verständnis hat der 72-Jährige aber für Senioren, die eine Thai-Frau bloss der Kinderrente wegen heiraten. «Nur Rentner, die es ehrlich meinen, haben die Rente verdient», sagt er. Seinen heute 19-jährigen Sohn habe er schon früh adoptiert, nicht erst als es um die Kinderrente ging.

Die Rente von monatlich 640 Franken hat Rotman in die Ausbildung seines Sohnes gesteckt. Das findet er sehr wichtig. «Die Schulen in Thailand sind im Gegensatz zur Schweiz aber sehr teuer.»

Rente reicht kaum für Schulbesuch

Auch ein 66-jähriger Senior rechtfertigt den hohen Betrag mit den hohen Bildungskosten. «Wenn das Kind eine internationale Schule besuchen soll, damit ihm später alle Türen offen stehen, reicht die Kinderrente kaum», sagt er. In der Hauptstadt Bangkok seien die Lebenshaltungskosten vergleichbar mit der Schweiz.

Der Rentner, der vor fünf Jahren temporär nach Thailand gezogen ist und dort geheiratet hat, setzt das Geld für die Ausbildung seiner Tochter ein. Der deutschsprachige Kindergarten koste 600 Franken monatlich. Er gibt aber auch zu, dass die Kinderrente bei der Heirat eine Rolle gespielt habe. Sie sei jedoch nicht entscheidend gewesen.

Kinder leben nicht immer bei den Eltern

Die Diskussion in der Schweiz versteht er aber gut. «Es gibt nicht wenige Rentner, deren adoptierte Kinder bei den Grosseltern auf dem Land wohnen und nichts vom Geld sehen», ärgert er sich. Im Unterschied zu Einheimischen seien Ausländer dafür bekannt, auch für uneheliche Kinder zu zahlen.

Fragwürdig findet er es, wenn Senioren zusätzliche Renten erhalten für Thai-Kinder aus früheren Ehen oder für adoptierte Thai-Kinder, insbesondere wenn sie keine westliche Schule besuchten und auf dem Land lebten. «In solchen Fällen erhöht die Rente den Lebensstandard der Familie.»

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