Aktualisiert 25.07.2018 07:08

Doktor Sex

«Brauchen wir vielleicht getrennte Betten?»

Ritas Freund hat Mühe, in der Gegenwart seiner Freundin ruhig zu schlafen. Alle Versuche, dies zu ändern, haben nicht zu einer Lösung geführt.

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Immer im gleichen Bett zu schlafen, kann zu Problemen führen.

Immer im gleichen Bett zu schlafen, kann zu Problemen führen.

Luckybusiness

Frage von Rita (25) an Doktor Sex: Mein Freund kann sich nicht richtig erholen, wenn wir im gleichen Bett schlafen. Er kann dann seine Aufgaben nicht so erfüllen, wie er es möchte. Und weil er gereizt ist, stellt er sich dauernd Grundsatzfragen. Beispielsweise, ob wir als Paar kompatibel sind oder ob er beziehungsfähig ist. Ich schlafe neben ihm wunderbar und fühle mich geborgen.

Wir sind seit mehr als drei Jahren zusammen und sprachen schon mehrmals über dieses Problem. Wir haben auch immer zwei Decken und schlafen nicht mehr in der Löffelstellung ein. Ich habe bisher gedacht, dass damit das Problem gelöst sei, aber nun zeigte sich, dass das nicht stimmt und er wohl einfach schwieg, damit ich mich nicht schlecht fühle.


Er denkt, dass er mir zu wenig Zuneigung gäbe und es mir nicht guttun würde, wenn ich das Gefühl hätte, ihn quasi von seinem Lebensplan abzulenken. Nun reden wir vom Zusammenziehen. Aber mir scheint das nicht sinnvoll zu sein, da mein Freund so viel Erholung von mir braucht. Wie können wir dieses Problem angehen? Sind getrennte Betten oder separate Wohnungen die Lösung?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Rita

Zusammenziehen könnt ihr später immer noch. Im Moment geht es tatsächlich darum, Grundsatzfragen und Lebenspläne zu klären. Wichtig ist daher, dass ihr euch erlaubt, gelassen und ganz bewusst wahrzunehmen, was sich an Wünschen und Impulsen zeigt, ohne gleich in einen von Unsicherheit und Prinzipien diktierten Aktivismus zu verfallen.

Ihr seid in einer Übergangsphase und solche sind Teil des Lern- und Beziehungsprozesses, den man «Leben» nennt. Das Alte ist nicht mehr und das Neue noch im Entstehen begriffen. Solche Zwischenzeiten können bewegt und äusserst anstrengend sein. Aber sie haben den Vorteil, dass man sich einige Zeit ganz den Träumen und Visionen hingeben darf.

Um euch weitere gegenseitige Verletzungen zu ersparen, solltet ihr nun besonders achtsam sein im Umgang mit eurer Kommunikation. Es geht nämlich nicht darum, alles, womit ihr euch individuell gerade auseinandersetzt, gleich dem Gegenüber mitzuteilen. Manche Inhalte sind nichts weiter als unwichtige Episoden auf dem Weg zur Lösung.

Sinnvoll ist, zuerst in grossen Zeiträumen zu arbeiten. In meinen Beratungen hat sich folgende Fragestellung bewährt: Wo, wie und mit wem möchte ich in zehn Jahren leben? Versucht, darauf möglichst offen und ohne Rücksicht auf die aktuelle Beziehungssituation zu antworten. So kreiert ihr eine Vision. Auf deren Grundlage könnt ihr dann konkrete Schritte entwickeln.

Separate Wohnungen oder – falls man zusammenwohnt – getrennte Betten und ein eigenes Zimmer, sind Möglichkeiten, um Raum zu schaffen. Sie sagen jedoch überhaupt nichts darüber aus, wie sehr man sich liebt und ob man es gut hat zusammen. Solche Strukturen sind ja auch nicht in Stein gemeisselt. Was heute ist, kann morgen wieder anders sein.

Wer Wert auf Achtsamkeit und Bewusstheit im Umgang miteinander legt, wird erkennen, dass Grenzen und Rückzugsmöglichkeiten für eine Beziehung lebensnotwendig sind. Und auch auf den Sex hat eine räumliche Trennung oft positive Effekte: Die so geschaffene Distanz kann das Begehren befeuern und die Lust steigern. Viel Spass beim Suchen und Erfinden!

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