Ausfällige Passagiere: Braucht es ein Alkoholverbot auf Flügen?
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Ausfällige PassagiereBraucht es ein Alkoholverbot auf Flügen?

Übermässig alkoholisierte Passagiere gefährden die Flugsicherheit. Ein Alkoholverbot sei nicht zielführend, sagen Schweizer Fluggesellschaften.

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Ein offensichtlich betrunkener Passagier hat am Mittwoch auf dem Edelweiss-Flug WK34 von Zürich nach Punta Cana randaliert.

Ein offensichtlich betrunkener Passagier hat am Mittwoch auf dem Edelweiss-Flug WK34 von Zürich nach Punta Cana randaliert.

Keystone/Gaetan Bally
Laut einem Leser-Reporter hat der renitente Passagier auch eine Flugbegleiterin geschlagen.

Laut einem Leser-Reporter hat der renitente Passagier auch eine Flugbegleiterin geschlagen.

Keystone/Walter Bieri
Der Leser-Reporter und andere Passagiere griffen ein. Edelweiss bestätigt den Vorfall.

Der Leser-Reporter und andere Passagiere griffen ein. Edelweiss bestätigt den Vorfall.

Keystone/Christian Merz

Zwischenlandung, Tobsuchtsanfälle und Gewalt – gleich auf zwei Flügen kam es kürzlich zu Störungen durch renitente Passagiere. Auf einem Edelweiss-Flug von Zürich nach Punta Cana hat ein Mann nach übermässigem Alkoholkonsum die Mitreisenden beschimpft und auf eine Flugbegleiterin eingeschlagen, berichtete ein Leser-Reporter. Probleme mit einem Passagier gab es auch bei der Swiss: Eine Maschine auf dem Weg nach Zürich musste wegen eines renitenten Passagiers in Frankfurt zwischenlanden.

Viele Leser fordern: Der Alkoholkonsum an Bord muss eingeschränkt werden. «Wieso braucht es überhaupt Alkohol auf Flügen? Ich könnte mir vorstellen, dass sich Leute aus Nervosität und Flugangst zudröhnen. Ein lebenslanges Flugverbot wäre angebracht», schreibt Alexa. Andere schreiben, dass das Problem schon vor dem Besteigen des Flugzeugs beginne. «Personen in betrunkenem Zustand sollte man am Flughafen nicht mehr einsteigen lassen», meint Dan.

«Alkohol ist kontraproduktiv»

Sich an Bord zu betrinken und ausfällig zu werden, sei ein nicht akzeptables Verhalten, sagt Thomas Steffen vom Pilotenverband Aeropers. Zwar würden Passagiere vor dem Boarding angeschaut, offensichtlich Betrunkenen könne das Boarding verweigert werden und das Kabinenpersonal könne den Alkoholausschank an Bord grundsätzlich gut steuern. Doch, so Steffen: «Das Problem sind jene, die im Tax-Free-Shop am Flughafen Alkohol kaufen, diesen versteckt ins Flugzeug bringen und sich an Bord betrinken. Dabei ist der Konsum von mitgebrachtem Alkohol an Bord strengstens verboten.»

Solches Verhalten sei häufiger der Fall als auch schon. «Der Stress der Passagiere wird grösser. Die Wartezeiten am Flughafen werden länger, die Flugzeuge sind immer voller. So entsteht eine Art Dichtestress, den einzelne über Alkohol abzubauen versuchen. Dabei ist das absolut kontraproduktiv.»

Kein generelles Verbot

Den Ausschank von Alkohol generell einzuschränken, halte er aber für keine gute Idee. «So würden 99 Prozent der Passagiere für das Fehlverhalten einer kleinen Gruppe bestraft», so Steffen.

Ähnlich tönt es bei der Swiss. Sprecherin Karin Müller sagt, der Umgang mit renitenten Fluggästen sei eine Zusatzbeslastung für die Crew, weshalb ein besonderes Augenmerk auf regelmässige Aus- und Weiterbildung gelegt werde. «Die Swiss trainiert und sensibilisiert sowohl das Boden- als auch das Kabinenpersonal darauf, auffällige Passagiere bereits am Boden zu identifizieren. »

Alkohol nach Ermessen

Sie sperre sich aber gegen Alkoholvorschriften. Laut Müller sind genaue Vorgaben oder Maximalvolumen für Alkohol nicht zielführend, da sich der Konsum bei jedem Menschen anders auswirke. Es würden aber alle angemessenen Massnahmen getroffen, um die Sicherheit des Fluges und der Passagiere sicherzustellen. «Wir empfehlen unserer Kabinenbesatzung etwa, keine weiteren alkoholischen Getränke an bereits alkoholisierte Passagiere auszuschenken. Dabei vertrauen wir auf die Entscheidungsfähigkeit und das Einschätzungsvermögen unserer Mitarbeitenden.»

Auch bei Edelweiss werde hoher Wert auf die persönliche Betreuung der Gäste gelegt, sagt Sprecher Andreas Meier. Ein Alkoholverbot an Bord komme nicht infrage. «Da es sich um Einzelfälle handelt, würden wir mit einem Alkoholverbot die grosse Mehrheit unserer Gäste bestrafen, die im vernünftigen Rahmen Alkohol konsumieren und ein Glas Wein zum Essen geniessen.»

Der Vorfall auf dem Flug nach Punta Cana hat gemäss Meier gezeigt, dass die bestehenden Massnahmen und die dazugehörigen Schulungen greifen und es derzeit keine Anpassung braucht. «Unsere Crew hat in dieser anspruchsvollen Situation richtig und professionell gehandelt und die Flugsicherheit sichergestellt.» Es sei das erste Mal in der 24-jährigen Firmengeschichte gewesen, dass eine kontrollierte Fesselung durchgeführt werden musste. Die Erkenntnisse aus dem Vorfall würden für künftige Schulungen verwendet werden.

Mehr renitente Passagiere

Zwischenfälle durch sogenannte «unruly passengers» sind keine Seltenheit. Nicht regelkonformes, sicherheitsgefährdendes Verhalten auf Flügen hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt wurden letztes Jahr von den Schweizer Fluggesellschaften 900 Vorfälle gemeldet – 100 mehr als im Vorjahr. Der häufigste Grund für renitentes, oft aggressives Verhalten ist übermässiger Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenkonsum.

Laut der Europäischen Flugsicherheitsagentur Easa wird durchschnittlich alle drei Stunden die Flugsicherheit durch «unruly passengers» bedroht. In Grossbritannien ergab 2017 eine Umfrage der United Trade Union unter 4000 Flugbegleitern, dass 87 Prozent der Befragten betrunkenes Verhalten von Reisenden an Flughäfen oder auf Flügen feststellen konnten. Ryanair hat auf die Probleme durch Alkohol reagiert, wie britische Medien berichteten. Es ist nun auf einigen Flügen nach spanischen Feriendestinationen nicht mehr erlaubt, Alkohol aus dem Duty-free-Shop im Handgepäck mitzunehmen.

Auch die Swiss stellt gemäss Sprecherin Müller einen leichten Anstieg der Zwischenfälle fest, die durch alkoholisierte Gäste verursacht werden. Bei Edelweiss heisst es hingegen, die Zahlen seien stabil.

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