Tote Pferde: «Braucht es einen Bürgerkrieg?»
Aktualisiert

Tote Pferde«Braucht es einen Bürgerkrieg?»

Tierschützer Erwin Kessler lässt seiner Wut über die angebliche Untätigkeit der Behörden im Fall Ulrich K. freien Lauf.

von
jeb
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Die Tiere sind oft zu schwach, um zu fressen, und verhungern dann.

Die Tiere sind oft zu schwach, um zu fressen, und verhungern dann.

zVg
Von April bis Juli hat eine ehemalige Mitarbeiterin von Ulrich K. die miserablen Zustände auf dem Hof mit Fotos dokumentiert.

Von April bis Juli hat eine ehemalige Mitarbeiterin von Ulrich K. die miserablen Zustände auf dem Hof mit Fotos dokumentiert.

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Seit am Donnerstag Bilder von vernachlässigten und toten Pferden im Umlauf sind, empören sich Tierfreunde und -schützer im ganzen Land. Wütend sind sie nicht nur auf den Bauern, sondern auch auf die Behörden. Diese reagierten am Freitag mit der Bildung einer Taskforce, die am Montag zum ersten Mal tagen wird.

Zu spät und zu wenig, geht es nach Tierschützer Erwin Kessler. «Leider ist zu vermuten, dass die eingesetzte ‹Taskforce› nur Augenwischerei ist», schreibt er in einer Mitteilung. Und:

«Wenn die Regierung am Montag immer noch kein sofortiges Tierhalteverbot verfügt – was braucht es dann noch, was kann der nächste Schritt der aufgebrachten Tierschützer und der Öffentlichkeit sein? Ein Bürgerkrieg oder was? Wer hat brauchbare Vorschläge? Die demokratischen Möglichkeiten sind am Ausgehen!»

«Bananenrepublik Thurgau»

Kessler hegt aufgrund der Bildung der Taskforce offensichtlich wenig Hoffnung: «Das traditionelle Sprachrohr der Regierung, die ‹Thurgauer Zeitung›, hat ja Samstag bereits schön brav getitelt: ‹Jetzt handelt die Regierung›. In Tat und Wahrheit hat sie nur eine ‹erste› Sitzung der Taskforce angekündigt. Nennt man das handeln? In der Bananenrepublik Thurgau offenbar schon.» Von «Handeln» könnte ein geistig gesunder Mensch erst reden, wenn die leidenden und sterbenden Tiere etwas davon merken.

Und Kessler weiter: «Wie lächerlich ist das denn: Der Kanton Thurgau muss eine ‹Taskforce› einsetzen, um einen einzelnen notorischen, mehrfach vorbestraften Tierquäler nach bald 15 Jahren ‹Bemühungen› des Thurgauer Veterinäramtes endlich zu stoppen! In anderen Kantonen verfügt in einem solchen Fall das Veterinäramt, wie gesetzlich vorgesehen, ein sofortiges superprovisorisches Tierhalteverbot mit Beschlagnahmung der Tiere. Punkt. Ohne Taskforce.»

Taskforce mit Ämtern und Polizei

Der Kanton Thurgau teilte am Freitagnachmittag mit, dass eine Taskforce gebildet wurde, die weitere Schritte im Fall K. beraten soll. Zur Taskforce gehören Regierungsrat Walter Schönholzer, das Veterinäramt, die Polizei, die Generalstaatsanwaltschaft und das Landwirtschaftsamt. Sie tagt am Montag zum ersten Mal und will die Öffentlichkeit «zeitnah» informieren.

Bilder sind authentisch

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau bestätigte am Wochenende, dass die Bilder der teils krass vernachlässigten Pferde authentisch und aktuell sind. Am Samstagnachmittag hielten rund 300 Tierschützer eine Mahnwache beim Bahnhof Frauenfeld ab. «Stoppt Ulrich K.», riefen die Tierschützer. Auf Transparenten wurde die «sofortige Beschlagnahmung und Rettung der Tiere» gefordert. Auch die Wut gegenüber den Behörden wurde laut und Rücktritte vom Kantonstierarzt und den zuständigen Regierungsrat wurde gefordert. Laut Polizei verlief die Kundgebung ohne Zwischenfälle ab. Einige gingen danach zum Hof in Hefenhofen, um dort zu überwachen, ob K. Tiere abtransportiert.

Weder Ulrich K. noch sein Anwalt wollten am Sonntag gegenüber 20 Minuten Stellung zum den Vorfällen nehmen.

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