Monster-Prozess: Breivik kritisiert Gutachten als «Erfindungen»
Aktualisiert

Monster-ProzessBreivik kritisiert Gutachten als «Erfindungen»

«Das bin nicht ich, der in dem Bericht beschrieben wird.» Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik kritisierte am achten Prozesstag die psychiatrischen Gutachten über ihn harsch.

Empört hat sich der geständige Attentäter Anders Behring Breivik am Mittwoch vor Gericht über den Befund eines psychiatrischen Gutachtens geäussert. Der Bericht, wonach er unzurechnungsfähig sein soll, basiere auf «bösartigen Erfindungen», die ihn als unvernünftig und unintelligent darstellen sollten, sagte der Rechtsextremist. «Das bin nicht ich, der in dem Bericht beschrieben wird.»

Auch wenn sie möglicherweise nicht beabsichtigt gewesen seien, so seien sie «in jedem Fall falsch». Nach Angaben seiner Verteidiger ist es der ausdrückliche Wunsch des Angeklagten, im Prozess als schuldfähig eingestuft zu werden.

Den Richtern liegen jedoch zwei gegensätzliche Gutachten zu seiner Zurechnungsfähigkeit vor. Ein erstes Gutachten hatte Breivik wegen «paranoider Schizophrenie» für unzurechnungsfähig erklärt, ein zweites Gutachten stufte ihn als voll zurechnungsfähig ein.

Regungsloser Gesichtsausdruck

Den beiden Psychiatern, die ihn für psychotisch erklärt hatten, warf Breivik vor, eine übereilte Diagnose gestellt zu haben. Zudem sei ihr Urteil von ihren Gefühlen nach den Anschlägen beeinflusst gewesen. «Es mangelt ihnen an Fachwissen bei der Beurteilung gewalttätiger politischer Aktivisten», sagte Breivik. Für einen «politischen Aktivisten» wäre es das Schlimmste, in der Psychiatrie zu landen, sagte er. «Das würde alles, wofür man steht, delegitimieren.»

Zuvor hatten Gerichtsmediziner Autopsieberichte von Opfern vorgestellt, darunter auch von zwei Passanten, die bei der Explosion in Stücke gerissen wurden. Breivik folgte den Ausführungen mit regungslosem Gesichtsausdruck.

Breivik hat gestanden, bei zwei Anschlägen im vergangenen Juli 77 Menschen in Oslo sowie auf der Insel Utöya getötet zu haben. Ein zweites Gutachten war zu dem Schluss gekommen, dass er geistig gesund ist. Die fünf Richter werden beide Gutachten berücksichtigen. (sda/dapd)

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