Aktualisiert 26.07.2011 15:43

Breivik-Anwalt

«Breivik nahm Drogen, um wach zu bleiben»

Der Anwalt des Osloer Attentäters hat an einer Pressekonferenz neue Details genannt. So habe Breivik von «etlichen weiteren Zellen seiner Bewegung» gesprochen.

von
ast

Der Anwalt von Anders Behring Breivik, Geir Lippestad, sagte am Dienstag an einer Pressekonferenz, es gebe Breivik zufolge zwei Zellen in Norwegen und noch etliche weitere im westlichen Ausland. Weitere Fragen der Journalisten dazu konnte oder wollte Lippestad nicht beantworten.

Die Sätze «das kann ich nicht kommentieren» und «kein Kommentar» fielen in der rund 10-minütigen Pressekonferenz sehr oft. Lippestad machte während des Anlasses einen gestressten Eindruck. Er blickte selten direkt in die Kameras, seine Stirn war schweissnass. «Einer muss ihn ja verteidigen», sagte der Anwalt.

22.7.2011, Oslo: Chaos in den Strassen

Anwalt: Breivik wohl «verrückt»

Lippestad zeigte sich geschockt über die Tat seines Mandanten. Breivik sei «eine kalte Person». Sein Mandant sei sich weder der zahlreichen Opfer noch der Reaktion der Öffentlichkeit bewusst, sagte der Jurist. Dem Verteidiger zufolge deutet alles darauf hin, dass sein Mandant «verrückt» sei, weshalb Psychiater seinen geistigen Gesundheitszustand untersuchen sollen.

19-jähriges Opfer der Schiesserei in Oslo

Breivik habe 2002 mit dem Schreiben des mehrhundertseitigen Konvoluts begonnen. Sein Mandant sehe sich in einem Kriegszustand und habe von einem Krieg gesprochen, der eben erst begonnen habe und 60 Jahre dauern werde. Der Anwalt bestätigte, dass Breivik vor der Anhörung am Montag rund fünf Minuten lang seine Sicht der Dinge darlegen wollte. Die Anhörung war - entgegen den üblichen Gepflogenheiten im Land - nicht öffentlich.

Familie nutzt Besuchsrecht nicht

Der 32-Jährige habe Drogen genommen, die ihn während des Attentats wachhalten sollten, sagte Breiviks Anwalt. Warum er sich der Polizei ergab, weiss Lippestad nicht. Breivik werde gegenwärtig in einer Klinik untersucht. Sein Mandant zeige sich gegenüber der Polizei «sehr gesprächsbereit». Fragen nach dem Sprengstoff hingegen blieben unbeantwortet. Und auch zu den angeblich weiteren Zellen habe Breivik bislang noch keine Auskünfte erteilt.

Der Massenmörder ist für die kommenden acht Wochen in Untersuchungshaft, die ersten vier Wochen verbringt er in Isolationshaft. Er hatte gestanden, den Doppelanschlag in Norwegen begangen zu haben. Seine Familie habe bislang kein Besuchsrecht beantragt.

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