Brennende Reisecars: Bekennerbrief
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Brennende Reisecars: Bekennerbrief

Ein Brandanschlag auf die Schweizer Niederlassung des deutschen Lastwagenkonzerns MAN in Otelfingen (ZH) hat in der Nacht zum Donnerstag Millionenschaden angerichtet.

In einem Bekennerbrief wird ein Bezug zur deutschen «militanten gruppe» (mg) und zum inhaftierten Öko-Terroristen Camenisch hergestellt.

Die Feuerwehr wurde um 01.15 Uhr von einem Passanten alarmiert, dass auf dem Firmengelände der MAN Nutzfahrzeuge (Schweiz) AG Feuer ausgebrochen sei, wie die Kantonspolizei Zürich mitteilte. Beim Entreffen der Löschkräfte standen auf dem umzäunten Areal zwei Reisecars im Vollbrand. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Fahrzeuge und das Firmengebäude verhindern. Die beiden fabrikneuen Busse wurden aber vollständig zerstört. Durch die Hitzeeinwirkung entstand auch an weiteren abgestellten Fahrzeugen sowie am Firmengebäude Sachschaden. Der Schaden wird auf mehr als eine Million Franken geschätzt. Verletzt wurde niemand.

Die Ermittlungen der Spezialisten der Kantonspolizei Zürich ergaben, dass es sich um Brandstiftung handelt. Die Polizei gelangte auch in den Besitz eines Bekennerschreibens, das an verschiedene Redaktionen gefaxt worden war. Entsprechende Ermittlungen hinsichtlich der unbekannten Urheberschaft sind im Gang. Im Schreiben heisst es «Angriff... Feuer und Flamme der MAN in Otelfingen. Revolutionäre Grüsse an pol. Gefangene wegen Anschlag auf MAN und wegen militante Gruppe mg und an Marco Camenisch im Hungerstreik».

In Brandenburg sind Anfang vergangenen August vier Linksextremisten verhaftet worden. Drei davon hatten versucht, auf einem Gelände des MAN-Nutzfahrzeuge-Zentrums Bundeswehrfahrzeuge in Brand zu stecken. Den zwischen 35 und 46 Jahre alten Männern aus Berlin wird unter anderem Mitgliedschaft in der «militanten gruppe» (mg) vorgeworfen. Die mg, die seit 2001 in Berlin und Umgebung agiert, hat bisher über 20 Anschläge verübt.

Camenisch hat vergangene Woche einen 14-tägigen Hungerstreik angekündigt, um sich mit den in Deutschland inhaftierten «anarchistischen Revolutionären» zu solidarisieren. Camenisch ist in den 70-er Jahren wegen Anschlägen auf Elektrizitätsanlagen und spektakulärer Fluchtversuche als «Ökoterrorist» bekannt geworden. Er wurde im vergangenen März zudem wegen der Ermordung eines Grenzwächters im Jahre 1989 in Brusio zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und sitzt zur Zeit in der Strafanstalt Pöschwies in Regensburg.

«Wir leiten alle Schritte ein, die uns weiter helfen», sagte Werner Benz, Sprecher der Zürcher Kantonspolizei auf die Frage, ob Kontakt mit den deutschen Behörden aufgenommen worden sei. Über konkrete Ermittlungsschritte informiere er jedoch nicht.

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