Drama im Pfadilager: «Brennsprit hat in der Pfadi nichts verloren»
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Drama im Pfadilager«Brennsprit hat in der Pfadi nichts verloren»

Nach dem Feuer-Drama in Oberbüren stellt sich die Frage: Wie gelangte der Brennsprit ins Pfadi-Lager? Selbst Lagerleiter sind ratlos. Denn Brandbeschleuniger kommen nur in Ausnahmen zum Einsatz.

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ann/am

Zwei elfjährige Pfadi-Buben bezahlten den Einsatz von Brennsprit teuer: Sie liegen mit schwersten Verbrennungen in Spezialkliniken. Doch wie konnte es so weit kommen? Die ganze Pfadi-Welt fragt sich: Was hat eine Brennsprit-Flasche im Pfadilager zu suchen?

Im betroffenen Pfadi-Lager zeigt man sich bestürzt - und überrascht. Zwei Pfadileiter im «punktceha»-Camp in Oberbüren SG sagen zu 20 Minuten Online, dass sie auf strenge Kontrolle ihrer Pfadi-Schützlinge setzten. Dies habe jedoch nichts mit dem Vorfall zu tun, sie würden immer so streng kontrollieren. Ihre Gruppen brechen am Dienstag zur einer vergleichbaren Nachtübung auf wie die am Montag vom Unfall betroffene Gruppe. «Wir durchsuchen alle Rucksäcke und Taschen der Kinder, bevor sie zum so genannten 'Hike' aufbrechen», sagt einer der Leiter, der anonym bleiben will. Handy, Ipods und Geld würden den Kindern abgenommen. Nur ein Notfall-Handy sei pro Gruppe erlaubt.

Im Notfall Zündwürfel

Solch strenge Kontrollen entsprechen aber in normalen Lagern offenbar nicht der Norm: «Wir geben den Kindern eine Packliste mit und gehen davon aus, dass sie sich daran halten», sagt Simon Ryser, Sprecher der Pfadi Kanton Bern. Die Leiter würden dann und wann stichprobenartig die Zelte auf Ordnung kontrollieren, wobei verbotene Gegenstände auffallen würden. Auch für ihn ist klar: «Brennsprit gehört nicht in die Pfadi.»

Bei Pfadi Schweiz gibt es kein spezifisches Reglement, das den Einsatz von Brandbeschleunigern beim Feuermachen regelt. Laut Geschäftsführer Rolf Birchler lernen die 42 000 Pfadfinder von klein auf, nur mit Zeitungspapier einzufeuern. Dies sei auch in Anleitungen festhalten. Dort stehe etwa, dass man nicht direkt unter herunterhängenden Ästen Feuer machen und beim Einfeuern genügend Abstand zu Bäumen haben soll.

«Nur wenn das Holz extrem nass ist, kommen Zündwürfel zum Einsatz.» Ihm ist aktuell kein weiterer Fall bekannt, wo es Probleme mit Brennsprit in der Pfadi gab. «Die Sicherheit steht für uns an erster Stelle. Unfälle können wir aber nie ausschliessen», so Birchler.

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