Psychiater wegen Freiheitsberaubung angeklagt – Brian erscheint in Fussfesseln als Privatkläger vor Gericht
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Psychiater wegen Freiheitsberaubung angeklagtBrian erscheint in Fussfesseln als Privatkläger vor Gericht

Vor dem Zürcher Obergericht mussten sich am Donnerstag drei ehemalige Psychiater von Brian verantworten. Der 26-Jährige verfolgte den Prozess vor Ort.

von
Stefan Hohler
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Drei Psychiater hatten Brian 2011 während 13 Tagen an ein Bett festgebunden.

Drei Psychiater hatten Brian 2011 während 13 Tagen an ein Bett festgebunden.

Screenshot SRF
Das Bezirksgericht Zürich hatte die Mediziner letztes Jahr freigesprochen.

Das Bezirksgericht Zürich hatte die Mediziner letztes Jahr freigesprochen.

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Am Donnerstag müssen sich die drei Mediziner nun aber vor dem Obergericht verantworten.

Am Donnerstag müssen sich die drei Mediziner nun aber vor dem Obergericht verantworten.

20min/Stefan Hohler

Darum gehts

  • Drei ehemalige Psychiater standen am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht.

  • Der Vorwurf lautet Freiheitsberaubung.

  • Das Bezirksgericht hatte die drei Ärzte letztes Jahr freigesprochen.

In Fussfesseln und die Hände an einen Bauchgurt gekettet erschien Brian am Donnerstag als Privatkläger am Zürcher Obergericht. Begleitet wurde er von sieben Polizisten, einer davon in Vollmontur. Vor Gericht standen drei Ärzte, die 2011 den damals 16-Jährigen 13 Tage lang in der Psychiatrischen Universitätsklinik ans Bett gefesselt und mit Medikamenten ruhig gestellt hatten. Ihnen wird Freiheitsberaubung vorgeworfen. Die Fesselung wurde nach dem siebten Tag teilweise gelöst und später durfte er eine Stunde spazieren.

Vor Gericht sagte einer der drei Beschuldigten: «Brian war wegen akuter Selbstgefährdung aus dem Jugendgefängnis zu uns gebracht worden und hatte einen zweiten Suizidversuch verübtEr habe einen Abschiedsbrief an seine Eltern geschrieben. «Es lag eine akute Selbstgefährdung vor», sagte der Psychiater. Während der ganzen Hospitalisation sei er nicht ansprechbar gewesen. «Wir konnten nicht mit ihm reden», sagte der Arzt. «Eine andere Alternative als eine Fixation war in diesem Zustand absolut nicht möglich.»

Zudem lag eine hohe Fremdgefährdung vor. «Er hat Morddrohungen ausgesprochen und mich und das Pflegepersonal angespuckt.» Man habe Angst vor ihm gehabt, trotzdem habe man versucht, das Beste für einen schwerkranken Patienten zu erreichen. «Wir hatten richtig gehandelt», fasste der Psychiater rückblickend zusammen. Das sah das Bezirksgericht Zürich letztes Jahr ähnlich. Es hatte die drei Psychiater freigesprochen. Für die Staatsanwaltschaft war der Freispruch hingegen eine Schlappe. Der Staatsanwalt wollte sie wegen Freiheitsberaubung verurteilt sehen.

«Ich wollte Hilfe und nicht noch mehr Schaden»

Auch der Anwalt von Brian fordert die Bestrafung der drei Ärzte wegen Freiheitsberaubung. Zudem verlangt er ein Gutachten bezüglich der Selbst- und Fremdgefährdung und ob eine Fixation gerechtfertigt war. «Das Gutachten soll zeigen, ob weniger einschränkende Behandlungen möglich gewesen wären», sagte er am Donnerstag vor Gericht.

Auch Brian durfte noch ein Schlusswort halten: «Ich wollte Hilfe und nicht noch mehr Schaden.» Es habe keinen Grund für die Fixation gegeben. «Ich habe das Personal weder bedroht noch beleidigt. Die Massnahmen waren unrechtmässig und nicht korrekt.» Er sei nicht ansprechbar gewesen wegen den vielen Medikamenten, die ihm verabreicht wurden: «Ich war wie in einer anderen Welt.» Danach verlangte er wieder in die Strafanstalt Pöschwies zurückgeführt zu werden, was das Obergericht akzeptierte.

Das Urteil wird voraussichtlich im November gefällt.

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Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

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Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

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