Brian im SRF-Interview: Brian sagt im Interview, er stelle keine Gefahr dar

Aktualisiert

Brian im Interview«Niemand in der Öffentlichkeit muss vor mir Angst haben»

Zuerst hiess es, er komme frei, dann ordnete die Staatsanwaltschaft erneut U-Haft an. Im Interview mit Barbara Lüthi gibt sich Brian Keller verwundert über das Hin- und Her in seinem Fall.

von
Reto Bollmann

Im «Club» sprach Brian Keller über die neusten Wendungen in seinem Fall und über sein Leben in Haft. Erneut gibt der Fall Anstoss zur Diskussion, wie die Schweiz mit Inhaftierten umgehen soll.

SRF

Darum gehts

  • Die Wendungen im «Fall Brian» hören nicht auf – seine angekündigte Freilassung wurde durch die Staatsanwaltschaft wieder abgeblasen.

  • Barbara Lüthi vom SRF traf den 27-Jährigen zu einem Interview, in dem er sich zu den neusten Wendungen äusserte.

  • Für ihn ist es unverständlich, dass gewisse Leute ihn immer noch als Gefahr für die Öffentlichkeit sehen.

Das Hin- und Her im «Fall Brian» reisst nicht ab. Hiess es Ende Oktober noch, Brian Keller, der «bekannteste Häftling der Schweiz», komme frei, schaltete sich bereits eine Woche später die Staatsanwaltschaft wieder ein und verhinderte dies. Das Zwangsmassnahmengericht ordnete erneute Untersuchungshaft an, wogegen Brians Anwälte bereits Beschwerde eingereicht haben.

In einem Interview mit SRF-Moderatorin Barbara Lüthi, das für eine Folge der SRF-Sendung «Club» mit dem Titel «Brian alias ‹Carlos› – Kommt er je frei?» aufgezeichnet wurde, gibt Brian nun Einsicht, wie er den plötzlichen Kurswechsel persönlich erlebt hat.

Besuch im Zürcher Bezirksgefängnis 

Das Treffen zwischen Keller und Lüthi findet ohne Aufsicht statt. Der Gefängnisdirektor des Zürcher Bezirksgefängnisses habe gegenüber SRF angegeben, er habe nicht die geringsten Bedenken. In der Strafanstalt Pöschwies wäre das noch undenkbar gewesen: Dort war Brian hinter Panzerglas, mit Hand- und Fussfesseln zu den Besuchern gebracht worden. 

Die ganze Atmosphäre sei anders, als wenn acht weitere Leute im Raum seien, gibt Brian gleich zu Beginn an. Er habe sich durch die strengen Sicherheitsvorkehrungen in die Rolle des Bösen gedrängt gefühlt. Im Bezirksgefängnis hingegen werde er mehr als Mensch wahrgenommen. «Das Personal ist netter und respektvoller im Umgang mit mir.»

«Die Wärter sagten, ich sollte zurück nach Afrika gehen»

Die Einzelhaft in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies hat Keller in schlechter Erinnerung.  Er sei in einer pinken Zelle 24 Stunden am Tag alleine gewesen. «Ich bin von den Aufsehern schikaniert und beleidigt worden», sagt er. «Pinkes Büblein» sei er genannt und dazu aufgefordert worden, wieder nach Afrika zurückzugehen. «Ich war in einem ständigen Kriegszustand, ich war immer im Kampf.» Er habe sich gedacht: «Wenn die mich besiegen wollen, müssen sie mich umbringen.»

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Anstatt ihn freizulassen, ordnete das Zwangsmassnahmengericht für Brian Keller, den «bekanntesten Häftling der Schweiz», wieder Untersuchungshaft an.

Anstatt ihn freizulassen, ordnete das Zwangsmassnahmengericht für Brian Keller, den «bekanntesten Häftling der Schweiz», wieder Untersuchungshaft an.

Screenshot SRF
SRF-Moderatorin Barbara Lüthi traf ihn im Bezirksgericht Zürich. Das Treffen zwischen den beiden fand ohne Aufsicht statt.

SRF-Moderatorin Barbara Lüthi traf ihn im Bezirksgericht Zürich. Das Treffen zwischen den beiden fand ohne Aufsicht statt.

Screenshot SRF
«Ich verstehe nicht, warum die so viel Angst vor mir haben. Sehe ich wie ein Monster aus?», fragt Keller.

«Ich verstehe nicht, warum die so viel Angst vor mir haben. Sehe ich wie ein Monster aus?», fragt Keller.

Screenshot SRF

Das Hin- und Her in Bezug auf seine Haft kann sich Brian nicht erklären. Es gebe Leute, die überzeugt seien, dass die Gesellschaft vor Brian geschützt werden sollte, sagt Lüthi. «Ich verstehe nicht, warum die so viel Angst vor mir haben. Sehe ich wie ein Monster aus?», fragt Keller zurück und betont: «Niemand in der Öffentlichkeit muss vor mir Angst haben.» Er selber sehe sich als Familienmenschen und loyale Person. «Meine schwierigen Charakterzüge sind, dass ich mir nicht alles gefallen lasse und zu stark auf meinem Recht beharre», gibt Brian zu.

«All diese Psychiater sind Heuchler für mich»

«Ich habe schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht», sagt Brian, als Lüthi ihn auf die vielen Therapeuten anspricht, die sich mit ihm über die Jahre auseinandergesetzt haben. Mehrmals sei er ans Bett gebunden worden. «All diese Psychiater sind Heuchler für mich. Sie kommen mit Gutachten und Prognosen, die einfach nur Blödsinn sind. Viele Psychiater haben mich nie persönlich gesehen.» Angaben wie eine prozentuale Rückfallgefahr habe er darum stets als beliebig empfunden.

Was verändert das Gefängnis denn? Im Gefängnis herrsche eine Mentalität von «Wir gegen den Staat» vor. «Man hat das Gefühl, die eigenen Probleme nur selbst lösen zu können – darum würde auch nie ein Insasse zu einem Beamten gehen, wenn er geschlagen wurde», sagt Brian Keller. «Man kann diese Probleme nur selbst lösen – mit Gewalt.» «Eine völlige Parallelwelt also?», fragt Lüthi nach. «Genau», bestätigt Brian.

Kann ein Gefängnis denn Menschen ändern? Brian kann sich das nicht vorstellen. «Das Gefängnis wird keinen Menschen jemals besser machen – nie im Leben», so seine Meinung. Die Behörden müssen sich seiner Ansicht nach zwischen Bestrafung und Reintegration entscheiden – beides zusammen gehe nicht.

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