In Isolationshaft geschrieben - Brian veröffentlicht Briefe auf Instagram
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In Isolationshaft geschriebenBrian veröffentlicht Briefe auf Instagram

Der Intensivtäter Brian sitzt in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Isolationshaft. Nun will er seine Geschichte durch Briefe veröffentlichen.

von
Thomas Mathis
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Instagram / mein_name_ist_brian
Instagram / mein_name_ist_brian

Darum gehts

  • Auf einem Insta-Kanal wurden zwei Briefe vom 25-jährigen Intensivtäter Brian veröffentlicht.

  • Dahinter steckt ein Kollektiv von Aktivistinnen und Aktivisten, die eine gesellschaftliche Diskussion anregen möchten.

  • Hintergrund sind die Foltervorwürfe, die kürzlich für Schlagzeilen gesorgt haben.

«Hey, hier ist Brian» – so beginnt ein handgeschriebener Brief, den der Intensivtäter Brian (25) über den Instagram-Kanal mein_name_ist_brian mit der Welt teilt. Er freue sich, vom Publikum zu hören. «Ich sitze hier in Einzelhaft und habe kaum Kontakt nach aussen – kein Handy, kein Internet, gar nichts», schreibt er. Den Kanal führe er gemeinsam mit einer Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern. «Alle Posts bauen wir per Briefpost mit Stift und Papier.»

Das Projekt ist von einer Gruppe, die aus Aktivistinnen, Experten, Wissenschaftlerinnen und Künstlern besteht, wie es in einer dazugehörenden Medienmitteilung heisst. Das Ziel sei, den Fall Brian in grössere gesellschaftliche Diskurse einzuordnen. «An Brian wird in extremer Beispielhaftigkeit über institutionelle Gewalt, staatliche Folter, strukturellen Rassismus und rechtsstaatliche Prinzipien verhandelt.»

«Seine Geschichte erzählen»

Brians Stimme drohe im Beton der Isolationshaft zu verhallen – deshalb gibt es nun den Insta-Kanal. «Wir stehen in einem regelmässigen Austausch durch Briefe, Telefonate und Besuche. Brians Geschichte, seine Erlebnisse und seine Perspektive sollen gehört und von ihm selbst erzählt werden.» Zwei Posts sind bereits online, weitere sollen in der kommenden Zeit folgen.

Kürzlich wurde Brian vom Obergericht Zürich wegen versuchter schwerer Körperverletzung verurteilt. Es ist das schwerste von insgesamt 29 Delikten, die er hinter Gitter begangen hat. Die Freiheitsstrafe hat das Gericht auf sechs Jahre und vier Monate erhöht. Für Schlagzeilen sorgten während des Prozesses die Foltervorwürfe. Der UNO-Sonderberichterstatter für Folter Nils Melzer hat beim Bund interveniert und schriftlich bessere Haftbedingungen gefordert. Brian sei derzeit in einem «unmenschlichen Haftregime», das die Anti-Folter-Konvention verletze.

Unmenschliche Haft in Pfäffikon

Im Frühling hat Brian zudem gegen den Kanton Zürich geklagt wegen unmenschlicher Behandlung im Gefängnis. Er wollte 40’000 Franken Entschädigung vom Staat. Das Gericht stellte fest, dass die Haftbedingungen, denen Brian 2017 im Gefängnis Pfäffikon ausgesetzt war, gegen die Vorschriften der EMRK und der Bundesverfassung verstiessen und eine Persönlichkeitsverletzung darstellten. Es wies die Entschädigung jedoch ab, weil diese verwirkt sei.

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