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Von Uni suspendiertBrief der Ex benotet und getwittert – war das klug?

Eine Universität in Florida will einen 21-Jährigen suspendieren: Nick Lutz hatte einen Entschuldigungsbrief seiner Ex-Freundin benotet und dann auf Twitter verbreitet.

von
sut
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Nick Lutz ist von seiner Universität für ein Jahr suspendiert worden, weil er den Brief einer Ex-Freundin benotet und via Twitter verbreitet hatte.

Nick Lutz ist von seiner Universität für ein Jahr suspendiert worden, weil er den Brief einer Ex-Freundin benotet und via Twitter verbreitet hatte.

Screengrab Video WFTV-9
Mit dem Rotstift markierte Lutz orthografische und grammatikalische Fehler.

Mit dem Rotstift markierte Lutz orthografische und grammatikalische Fehler.

Screengrab Video WFTV-9
Dann gab er dem Brief die ungenügende Note D minus, was einer 3 entspricht.

Dann gab er dem Brief die ungenügende Note D minus, was einer 3 entspricht.

Screengrab Video WFTV-9

Kurze Tweets können langfristig Folgen haben, das weiss nicht nur Donald Trump. Für den Studenten Nick Lutz könnte eine halb im Ernst versandte Kurzbotschaft eine zweisemestrige Zwangspause von der University of Central Florida bedeuten.

Der Fall des heute 21-jährigen Studenten ging vor sechs Monaten um die Welt. Lutz fand damals unter dem Scheibenwischer seines Trucks einen vierseitigen, handschriftlich verfassten Brief einer früheren Freundin vor. Die Frau mit Vornamen Elizabeth entschuldigt sich darin bei Nick. Sie ist ihm offenbar noch immer verfallen, obwohl er seine Telefonnummer und seine Social-Media-Konten für sie gesperrt hat.

Ungenügende Note

Im Gespräch mit Freunden kommt Lutz auf die Idee, den mit Rechtschreibe- und Grammatikfehlern gespickten Brief mit dem Rotstift zu korrigieren. Am Rand notiert er die Fehler und benotet das Schreiben: Die Ex kriegt die Note D minus, was einer 3 entspricht. Er fotografiert die vier Seiten und verschickt sie auf Twitter.

Frau erstattet Anzeige

Der hämische Post verbreitet sich schnell viral. Innert Kürze wird das Tweet 121'000-mal weitergeleitet und 337'000 gelikt, wie die «Washington Post» schreibt. Die beschämte Ex-Freundin sieht sich als Opfer von Cyber-Bullying und erstattet Anzeige beim lokalen Sheriff. Als die Staatsanwaltschaft nichts unternimmt, protestiert sie bei der Universität.

Hier fällt ihre Klage auf fruchtbareren Boden. Die Uni-Leitung verknurrt Lutz zu zwei Semestern Suspension. Dessen Tweet habe dem Verhaltenskodex für Studenten widersprochen, er sei «störend» und «schädlich» gewesen. Zudem muss Lutz einen Vortrag darüber halten, wie «sein Handeln andere behelligte», und einen fünfseitigen Aufsatz über das Thema schreiben.

Gegen die Redefreiheit?

Das lässt Lutz nicht auf sich sitzen. Unterstützt von Jacob Stuart, Anwalt und Freund der Familie, wehrt er sich gegen die Strafe. Die Universität verstosse gegen sein Recht auf freie Meinungsäusserung und schüchtere Studenten bezüglich Redefreiheit ein, argumentiert er. Deshalb sei das vorläufige Urteil verfassungswidrig, heisst es in dem auf Facebook verbreiteten Klageschreiben.

«Es kann fast allen passieren»

Lutz und sein Anwalt weisen darauf hin, dass der Tweet weder den Familiennamen noch die Adressen von Elizabeth verraten habe. «Es war nichts Herabwürdigendes darin», sagt Stuart dem «Miami Herald». «Offensichtlich machte er sich über sie lustig», doch es sei «das Schöne an der Verfassung», dass dies erlaubt sein müsse.

In einem Interview mit dem TV-Sender WFTV-9 sinnierte Lutz am Montag über die vergangenen Monate. «Es ist wahrscheinlich das Verrückteste, was mir in meinem Leben je zustossen wird», sagte er. Doch jetzt führe er einen Kampf für alle Studenten. «Wenn man mir so etwas zufügen kann, dann kann das fast allen passieren. Das regt mich auf.»

Video der «Washington Post» über Nick Lutz:

(Quelle: YouTube/Washington Post)

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