Abdankung gefordert: Bringt der Schwiegersohn den König zu Fall?
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Abdankung gefordertBringt der Schwiegersohn den König zu Fall?

Das spanische Königshaus gerät in den Sog der Finanzaffäre um Iñaki Urdangarin, dem Schwiegersohn des Monarchen Juan Carlos. E-Mails und Dokumente, die der Justiz vorliegen, sollen die Königsfamilie belasten.

Es werden Stimmen laut in Spanien, die eine Abdankung von Juan Carlos fordern.

Es werden Stimmen laut in Spanien, die eine Abdankung von Juan Carlos fordern.

Spaniens König Juan Carlos muss sich an der Bandscheibe operieren lassen. Doch neben der Gesundheit plagen den Monarchen noch andere Sorgen. Der Finanzskandal um seinen Schwiegersohn macht dem Palast zu schaffen. Es wurde gar der Ruf nach einer Abdankung des Königs laut.

Das spanische Königshaus gerät zunehmend in den Sog der Finanzaffäre um den Schwiegersohn von König Juan Carlos. Fast täglich werden neue Peinlichkeiten über die Geschäfte des Ehemannes der Königstochter Cristina, Iñaki Urdangarin, publik.

Ein ehemaliger Geschäftspartner des früheren Handballers lancierte eine Reihe von E-Mails an die Presse, die den Eindruck vermitteln sollen, dass das Königshaus in der Affäre nicht ganz ahnungslos war. Erstmals rief ein namhafter Politiker den 75-jährigen Monarchen auf, zugunsten von Kronprinz Felipe abzudanken.

Der 45 Jahre alte Urdangarin und ein Beamter des Königshauses werden an diesem Samstag (23. Februar) als Beschuldigte vom zuständigen Ermittlungsrichter in Palma de Mallorca vernommen.

In die eigene Tasche

In der Affäre geht es darum, dass Urdangarin zusammen mit Geschäftspartnern für seine gemeinnützige Stiftung Nóos von 2004 bis 2007 von den Regierungen der Regionen Valencia und Balearen Sponsorengelder für Sportkongresse und Werbeveranstaltungen bekommen und einen Teil davon in eigene Taschen gesteckt haben soll.

Vor einem Jahr war der königliche Schwiegersohn schon einmal vernommen worden. Dies war für das Königshaus schon peinlich genug; denn nie zuvor in der Geschichte der spanischen Monarchie hatte ein Mitglied der königlichen Familie in einem Finanzskandal als Beschuldigter vor Gericht erscheinen müssen.

Urdangarin bestritt damals die Vorwürfe und versuchte, die Schuld seinem früheren Geschäftspartner Diego Torres in die Schuhe zu schieben.

Der Sozius legt es in seiner Verteidigungsstrategie seither darauf an, das Königshaus in den Skandal hineinzuziehen. Bei seiner Vernehmung in der vorigen Woche sagte er aus, die Königstochter Cristina und das Königshaus seien in die Geschäfte der Stiftung Nóos eingeweiht gewesen seien.

Königshaus schweigt

Torres übergab der Justiz eine Vielzahl von E-Mails und Dokumenten. Die Unterlagen hatte er einmal als «Atombomben» bezeichnet, die dazu geeignet seien, der Monarchie den Garaus zu machen.

Bislang ist nicht klar, was an den Aussagen und den E-Mails von Torres wahr und authentisch ist und was nicht. Das Königshaus hüllt sich dazu in Schweigen. Ein Schriftstück sorgte für besonderen Ärger, weil es ein süffisantes Wortspiel mit dem Adelstitel «Duque de Palma» (Herzog von Palma) enthält, den Urdangarin zu seiner Hochzeit mit Cristina vom König verliehen bekam.

Es trägt die Unterschrift «El Duque em-Palma-do», was sinngemäss etwa «der geile Herzog» bedeutet. Die Inselhauptstadt von Mallorca liess daraufhin eine Strasse umbenennen, die den Namen der Herzöge von Palma getragen hatte. Als Grund nannte sie die «Empörung in der Bevölkerung».

Infantin geschont

Der Ermittlungsrichter wird neben Urdangarin auch den Beamten Carlos García Revenga vernehmen, der als Sekretär für die Königstöchter Elena und Cristina arbeitet und bei der Stiftung Nóos als Schatzmeister fungierte. Eine Vorladung von Cristina lehnte die Justiz bislang ab, weil die Ehefrau Urdangarins nach Ansicht der Ermittler in die Geschäfte nicht eingeweiht war.

Dies löste bei vielen Spaniern eine gewisse Verwunderung aus. Immerhin war die Infantin Teilhaberin einer der Firmen ihres Mannes. «Die Annahme, dass Cristina nichts mitbekommen hat, läuft darauf hinaus, sie als eine Person ohne Willen und Verstand zu betrachten», meinte die Zeitung «El Mundo».

Der Parteichef der katalanischen Sozialisten, Pere Navarro, legte dem König nahe, auf sein Amt zu verzichten und damit den Weg für einem Neuanfang freizumachen. Doch Juan Carlos hatte an seinem 75. Geburtstag klar gemacht, dass er von einer Abdankung nichts wissen will. (sda)

Juan Carlos muss erneut operiert werden

Gut drei Monate nach einer Hüftoperation muss sich der spanische König Juan Carlos erneut einem chirurgischen Eingriff unterziehen. Wie das Königshaus am Donnerstag mitteilte, wird der 75-jährige Monarch am 3. März am Rücken operiert werden.

Die Ärzte hatten bei einer Routineuntersuchung festgestellt, dass ein alter Bandscheibenvorfall, an dem der König schon seit längerer Zeit leidet, sich verschlimmert hatte.

Nach Abschluss aller Tests und Untersuchungen seien die Ärzte zu dem Ergebnis gelangt, dass ein chirurgischer Eingriff die beste Art der Behandlung sei, heisst es in einem Communiqué, das das Königshaus auf seiner Homepage veröffentlichte. Der Eingriff wird für den Monarchen die siebte Operation in weniger als drei Jahren sein.

Im vergangenen Jahr wurden ihm Hüftprothesen eingesetzt. Der erste Eingriff auf der rechten Seite im April war nötig geworden, nachdem er sich während eines Sturzes bei der Elefantenjagd in Botswana die Hüfte gebrochen hatte.

Der Unfall und der Rücktransport des Königs aus dem fernen Afrika lösten in Spanien eine Debatte über die Extravaganz des Staatsoberhaupts in Zeiten der schweren Wirtschaftskrise im Land aus. Juan Carlos entschuldigte sich in einer nie dagewesenen Geste daraufhin öffentlich bei der Bevölkerung.

Auch in den Jahren zuvor machte Juan Carlos mit Spitalaufenthalten von sich reden: Im Mai 2010 wurde ihm ein Geschwulst in der Lunge entfernt, im Juni 2011 folgte eine Knie-OP, und im September 2011 liess er sich eine gerissene Achilles-Sehne flicken.

Der bevorstehende Eingriff soll den Angaben zufolge in der Privatklinik La Milagrosa in Madrid erfolgen. Der König muss daher eine für den 3. bis 5. März geplante Reise nach Marokko verschieben, wie das Aussenministerium erklärte. (SDA)

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