30.11.2017 21:19

Fair-Food-Vorlage

Bringt eine Volksinitiative das Foie-gras-Verbot?

Der Ständerat will nichts von einem Importverbot für tierquälerisch erzeugte Produkte wissen. Zumindest bei der Gänseleber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

von
daw
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Darf weiter importiert werden: Gänseleber. Sie ist vor allem in der Westschweiz beliebt.

Darf weiter importiert werden: Gänseleber. Sie ist vor allem in der Westschweiz beliebt.

AP/Eric Risberg
Weil die Gänse gemästet werden, ist die Delikatesse Tierschützern ein Dorn im Auge.

Weil die Gänse gemästet werden, ist die Delikatesse Tierschützern ein Dorn im Auge.

AP/bob Edme
Auch in England protestierte Peta gegen die Herstellung der Gänseleber.

Auch in England protestierte Peta gegen die Herstellung der Gänseleber.

AP/Matt Dunham

Der Ständerat hat ein Importverbot für tierquälerisch erzeugte Produkte abgeschmettert. Pelz, Krokodilleder, Eier aus Batteriehaltung oder auch Gänse- und Entenleber dürfen weiterhin in die Schweiz eingeführt werden. Der Bundesrat soll einzig prüfen, ob die Herstellungsmethoden deklariert werden müssen.

Ständerat Thomas Minder war fast als Einziger für das Verbot – in einer fast zehnminütigen Brandrede (im Video) packte er den Zweihänder aus: «Nicht alles, was kreucht und fleucht, muss dem Spass, der Gaumenfreude und der Freude an der Mode geopfert werden. Wir müssen endlich aufhören, diesen Schund zu konsumieren.» Für Minder ist klar, dass das Problem nur mithilfe des Volks gelöst werden könne, da das Parlament schlicht nicht in der Lage sei, zugunsten des Tierwohls zu entschieden. «Ich rufe die Tierschützer geradezu dazu auf, in diesem Bereich eine Volksinitiative zu starten», so der Appell des Vaters der Abzockerinitiative.

Minder redet sich im Ständerat in Rage.

Hoffen auf Fair-Food-Initiative

Minder hofft ausserdem auf die Fair-Food-Initiative der Grünen. Die abwehrende Haltung des Ständerats spiele den Initianten in die Karten. «Wir brauchen dann nur die tierquälerischen Stopflebervideos und Fotos der Käfighühner unter die Bürger zu mischen, um zu punkten.»

Die Volksinitiative, über die der Ständerat noch beraten muss, verlangt unter anderem, dass die im Inland geltenden Anforderungen an die Produktion auch für importierte Lebensmittel gelten. Laut SP-Nationalrat Matthias Aebischer ist das letzte Wort darum noch nicht gesprochen. Auch die Fair-Food-Initiative wolle dem Import tierquälerisch erzeugter Lebensmittel einen Riegel schieben: «Die Initiative ist auf der gleichen Linie wie mein Vorstoss. Bauern im Inland ist die Produktion solcher Lebensmittel zu Recht verboten, den Import lassen wir aber zu. Das ist absurd.»

Die Initianten selbst betonen, dass es in ihrer Initiative um mehr gehe als die Gänseleber. Grünen-Nationalrat Bastien Girod sagt jedoch, dass ein Importverbot der Gänseleber sicher im Sinne der Initiative sei: «Bei einer Annahme der Initiative würde der Druck auf das Parlament steigen, endlich zu handeln.» Hans-Ulrich Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes, sagt, die Details müssten bei einer Annahme in Gesetzen und Verordnungen geregelt werden. «Als Tierschützer lese ich natürlich ein Importverbot von Gänseleber oder Froschschenkeln heraus.»

Tierfreundliche Foie gras?

Markus Ritter, CVP-Nationalrat und Präsident des Bauernverbandes, will nicht ausschliessen, dass es auch Gänseleber gibt, die tierfreundlich produziert wird. «Vögel sind von Natur aus gefrässig. Ich weiss nicht, warum das so ist.» Klar sei aber, dass sich die Frage nach dem Importverbot für tierquälerisch erzeugte Produkte bei einem Ja zur Fair-Food-Initiative neu stellen würde.

Ähnlich sieht es SVP-Ständerat Hannes Germann. Er betont, dass der Ständerat die Augen nicht verschliesse. «Ich verspreche mir von der Deklarationspflicht viel. Heute sind sich die Konsumenten den Produktionsbedingungen oft gar nicht bewusst.» Ein Importverbot hätte möglicherweise Sanktionen seitens der Welthandelsorganisation WTO und in der Westschweiz einen Aufstand ausgelöst, so Germann. Und: «Erlässt man ein Verbot, wird es kompliziert. Dann müsste man auch die Einfuhr von Halal- oder Schächtfleisch verbieten.»

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