Aktualisiert 18.09.2018 06:49

AbstimmungenBringt Fair Food das Stopfleber-Verbot?

Bei Annahme der Fair-Food-Initiative am Sonntag droht ein Foie-gras-Verbot. Trotz fragwürdiger Herstellung wäre ein solches für die Romandie laut einer Gegnerin verheerend.

von
jk
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Für die einen ist es eine unwiderstehliche Delikatesse, für die anderen der Gipfel der Tierquälerei: Foie gras.

Für die einen ist es eine unwiderstehliche Delikatesse, für die anderen der Gipfel der Tierquälerei: Foie gras.

AP/Eric Risberg
Während Foie gras in der Deutschschweiz einen schlechten Ruf hat, gehört es in der Romandie zur Weihnachtstradition.

Während Foie gras in der Deutschschweiz einen schlechten Ruf hat, gehört es in der Romandie zur Weihnachtstradition.

AP/Marcio Jose Sanchez
In der Schweiz ist das Stopfen von Gänsen und Enten längst verboten

In der Schweiz ist das Stopfen von Gänsen und Enten längst verboten

AP/bob Edme

Für die einen ist es eine unwiderstehliche Delikatesse, für die anderen der Gipfel der Tierquälerei: die Stopfleber. 2017 wurden hierzulande über 235 Tonnen Foie gras importiert. Während Foie gras in der Deutschschweiz bei vielen einen schlechten Ruf hat, gehört sie in der Romandie noch immer zur Weihnachtstradition.

Herkömmliche Foie gras in Bedrängnis

Das Stopfen der Gänse oder Enten ist in der Schweiz seit Jahren verboten. Die Fair-Food-Initiative, die am Sonntag vors Volk kommt, fordert, dass importierte Produkte grundsätzlich dieselben Standards einhalten müssen wie die hier produzierte Ware. Die Westschweizer FDP-Nationalrätin Isabelle Moret wollte deshalb per Anfrage vom Bundesrat wissen, ob bei einer Annahme ein Foie-gras-Verbot drohe.

Laut Bundesrat Alain Berset hängt vieles davon ab, wie das Parlament die Initiative bei einer allfälligen Annahme umsetzen wolle. Streng genommen wäre der Import von Fettleber-Produkten aber nur dann noch möglich, wenn garantiert werden könne, dass die Vögel nicht gestopft worden seien. Herkömmliche Foie gras, die sich eben gerade durch die Stopfleber auszeichnet, wäre somit nicht mehr erlaubt.

«Einkaufstourismus wird stark zunehmen»

«Jährlich importieren wir mehr als 235 Tonnen Foie gras. Das ist weit mehr, als biologisch und ohne Stopfen hergestellt werden könnte», sagt Moret. Den Schweizer Stopfleber-Bedarf durch faire Produkte zu befriedigen, sei schlicht nicht möglich. In der Westschweiz seien viele nicht bereit, beispielsweise an Weihnachten auf die traditionelle Portion Foie gras zu verzichten.

«Wenn es zur Annahme der Fair-Food-Initiative und damit einem Importverbot kommt, werden all diese Leute ihre Foie gras in Frankreich einkaufen – und mit der Gänseleber die ganzen Weihnachtsbesorgungen», so Moret. Das würde den Einkaufstourismus enorm fördern und die Romandie müsste grosse wirtschaftliche Einbussen hinnehmen.

«Initiative will nichts verbieten»

«Die Initiative will nicht verbieten, sondern faire und gute Lebensmittel fördern», sagt hingegen Maya Graf von den Grünen. Bei einer Annahme wäre es im Sinne der Initiative, wenn ungestopfte Gänseleber-Produkte in Bioqualität gefördert würden. «Stopfleber könnten in einer Form deklariert werden, dass die Konsumenten gleich sehen, dass es sich um tierquälerische Produkte handelt.»

Gerade in der Romandie seien Qualität und Genuss wichtig. Sie sei deshalb überzeugt davon, dass die Westschweizer Feinschmecker auf herkömmliche Foie gras verzichten würden, sobald erkannt würde, dass ungestopfte Leber-Produkte gleich gut schmeckten: «Die Konsumenten hätten dann Genuss und Tierfreundlichkeit in einem», so Graf.

«Umdenken beginnt auch in der Romandie»

Kein Problem mit einem Stopfleber-Verbot hätte SP-Nationalrat Matthias Aebischer. Inländischen Bauern sei es zu Recht untersagt, Lebensmittel unter tierquälerischen Bedingungen herzustellen, sagt er. «Es ist absurd, dass ein solches Verbot für Importprodukte fehlt.» Eine Motion von Aebischer, die tierquälerische Importware verbieten wollte, ist im Parlament aber gescheitert.

Die FDP-Nationalrätin erhoffe sich wohl, mit einem drohenden Foie-gras-Verbot weitere Nein-Stimmen gegen die beiden Agrarinitiativen sammeln zu können. Aber: Mittlerweile finde auch in der Romandie ein Umdenken statt, so Aebischer: «In der Gourmet-Szene der Westschweiz wird in letzter Zeit vermehrt auf biologisch hergestellte, ungestopfte Gänseleber-Produkte gesetzt oder gar darauf verzichtet.»

Vegetarische Alternativen

Neueste kulinarische Errungenschaften wie etwa Faux gras So sind renommierte Köche damit beschäftigt, an tierfreundlichen Varianten des beliebten Fettleber-Produkts zu tüfteln. Neben Faux gras, das etwa aus Portobello-Pilzen und Trüffelöl besteht, ist die Noix gras des Luzerner Kochs Tobias Buholzer eine weitere vegetarische Alternative, die Tierschützer aufatmen lässt.

Bei der Migros merkt man noch nichts von diesem Effekt:«Regional, also in der Romandie und im Tessin, bemerken wir eine eher steigende Fois-gras-Nachfrage», sagt Mediensprecher Tristan Cerf. National verkaufe die Migros keine Fettleber-Produkte. Da man aber aufgrund der verschiedenen Genossenschaften die Möglichkeit habe, das Produktsortiment regional zu organisieren, gehe man auf kulturellen Bedürfnisse ein und biete Foie gras in den entsprechenden Regionen an.

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