30.12.2018 20:33

In Zürich

Brite verkauft Schweizern englischen Käse

Michael Jones feiert mit Käse von der Insel Verkaufserfolge. Auch schottisches Fondue will er unter die Leute bringen.

von
Marijana Zeko
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Michael Jones, der auch als The Cheeseman bekannt ist, verkauft englischen Käse in der Schweiz. Jährlich gehen 17'000 Kilo über seine Theke in Zürich.

Michael Jones, der auch als The Cheeseman bekannt ist, verkauft englischen Käse in der Schweiz. Jährlich gehen 17'000 Kilo über seine Theke in Zürich.

zvg
Zu Beginn waren Bekannte skeptisch: «Viele, insbesondere Briten, dachten, dass wir verrückt seien», sagte Jones zu 20 Minuten. Englischer Käse sei nicht besser, aber anders.

Zu Beginn waren Bekannte skeptisch: «Viele, insbesondere Briten, dachten, dass wir verrückt seien», sagte Jones zu 20 Minuten. Englischer Käse sei nicht besser, aber anders.

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Nun will Jones auch holländischen Käse in die Schweiz holen. Zudem hat er ein Rezept für schottisches Fondue kreiert – mit Bier und Whisky.

Nun will Jones auch holländischen Käse in die Schweiz holen. Zudem hat er ein Rezept für schottisches Fondue kreiert – mit Bier und Whisky.

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Die Schweiz ist längst als Käseparadies bekannt. Ausländische Käsesorten haben es daher schwer. Doch genau damit versucht der Brite Michael Jones, als The Cheeseman bekannt, zu punkten. Seit 2007 verkauft er online und seit 2010 in der Markthalle im Viadukt im Zürcher Kreis 5 britischen Käse – mit viel Erfolg. Jährlich gehen bereits 17'000 Kilo über die Theke.

Nun plant Jones eine weitere Expansion: Er will holländischen Käse in die Schweiz holen. Auf die «verrückte» Idee, ausländischen Käse in der Schweiz zu verkaufen, kam der ehemalige Grafikdesigner, als er in der Schweiz ohne Job dastand. Weil er schon immer mit Lebensmitteln arbeiten wollte, suchte er nach einer Marktlücke – und fand sie.

«Schweizer kaufen nie britischen Käse»

Doch nicht alle waren überzeugt von seiner Idee. «Viele Leute, insbesondere Briten, dachten, dass wir verrückt seien», sagt der Cheeseman zu 20 Minuten. «Du wirst Schweizer niemals davon überzeugen, britischen Käse zu kaufen», so lauteten typische Kommentare.

Dass sich das Risiko gelohnt hat, zeigt die Statistik. «70 Prozent meiner Kunden sind Schweizer», sagt der Käsehändler. Er kam mit dem Ziel, Schweizer Kunden anzulocken, nicht Expats. Damit hat er Erfolg. Heute gibt er auch Vorlesungen und erzählt Studenten, wie man eine Marktlücke erschliesst: «Man muss sich auf Qualität und Exklusivität konzentrieren, nicht auf die 80 Prozent, die das Produkt nicht wollen.»

«Nicht besser, aber anders»

Der Erfolg liege in der Exklusivität seiner Käsesorten. Jones verkauft in seinem Shop nur speziellen Käse von kleinen Herstellern, die eine besondere Geschichte oder einen besonderen Geschmack haben. «Ich verkaufe hier nur das Beste vom Besten.»

Der britische Käse sei keine Konkurrenz, sondern eine Alternative zum Schweizer Käse. «Ich sage meinen Kunden immer, dass britischer Käse nicht besser ist, aber anders. Im Gegensatz zum Schweizer Käse stinkt meiner nicht, ist dafür aber würziger im Geschmack.» In elf Jahren habe er nur zwei bis drei negative Kommentare erhalten. Die Mehrheit sei erstaunt über die Qualität.

Schottisches Fondue mit Whisky

Um den Schweizern gerecht zu werden, hat er auch ein Rezept für ein schottisches Fondue kreiert. «Anstatt den Käse mit Weisswein oder Kirsch zu mischen, benutze ich Bier und Whisky. Schottischer Käse und Whisky ergeben eine grossartige Kombination.»

Dass der Verkauf von britischem Käse eine absolute Nische ist, zeigen die Zahlen der Switzerland Cheese Marketing AG. Von den Importen stammen 33,8 Prozent aus Italien, 21,3 Prozent aus Frankreich und 28,1 Prozent aus Deutschland. Lediglich 0,6 Prozent stammen aus England.

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