Aktualisiert 18.04.2014 12:29

Cheddar aus EnglandBriten mischen den Schweizer Käsemarkt auf

Ausgerechnet in der Schweiz: Ein britisches Paar hat seine Käse-Importe innerhalb weniger Jahre vervielfacht. Die Schweiz sei der optimale Markt für Cheddar und Stinkkäse, glauben sie.

von
Laura Frommberg
Godminster: Der Cheddar ist bei Schweizern am beliebtesten.

Godminster: Der Cheddar ist bei Schweizern am beliebtesten.

Eigentlich klingt es, als wäre das Projekt zum Scheitern verurteilt: Ein Ehepaar zieht in die Schweiz, um dort britischen Käse zu verkaufen. Und das noch nicht einmal preiswert, sondern richtig teuer. 2007 machten sich Maya und Michael Jones auf, um genau das zu tun. Im ersten Jahr importierte ihre Firma British Cheese Centre Switzerland 700 Kilo britischen Käse in die Eidgenossenschaft. Inzwischen setzen sie den Briten-Käse gleiche massenweise ab. 2013 importierten die Jones 16'000 Kilo. Seit 2010 ist das Unternehmen profitabel.

Cheddar, Blauschimmelkäse, Lancashire - die Produktpalette ist breit. Sogar den Stinking Bishop verkauft das Ehepaar. Im Jahr 2009 wurde der Käse hochoffiziell zum stinkigsten Käse Englands gekürt. Beliebt ist er trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb. Sogar Prinz Charles schwört auf den Stinking Bishop. Kostenpunkt: 79 Franken pro Kilo. Zum Vergleich: Einen Gruyère gibts bei Migros ab rund 20 Franken pro Kilo.

Erfahrung im Geschäft

Maya Jones sieht ein, dass es nach einem Himmelfahrtskommando klingt, die Schweizer von britischem Käse überzeugen zu wollen. «Aber im Grunde ist es einfach eine Ergänzung auf dem Käsebrett.» Denn in Grossbritannien werde allein durch das feuchtere Klima und die Vielfalt der Regionen komplett anderer Käse produziert als hierzulande. Genau das spreche auch die Nobelrestaurants und Fünfsterne Hotels an, die man beliefere, sagt Jones. Auch Jelmoli hat die Produkte vom British Cheese Centre im Angebot.

Ganz überrascht vom Erfolg sind die Jones aber nicht. Maya Jones, gebürtige Schweizerin, war vor ihrer Selbstständigkeit für einen Grosskonzern in London tätig und dort verantwortlich für die Milchprodukte-Sparte. «Da habe ich sehr viele Erfahrungen gesammelt», berichtet sie. Dann machte sie sich gemeinsam mit ihrem Mann selbstständig und ging zurück in die Schweiz. Ihr Mann fungiert als Käsemeister, leitet Degustationen und ist auch im eigenen Laden im Zürcher Viadukt anzutreffen.

Schottisches Fondue

«Wir profitieren sicher auch stark von den vielen Expats in der Schweiz», berichtet Maya Jones. Gerade Briten würden ihren eigenen Käse oft vermissen und freuen sich dann, wenn sie ihn endlich wieder kaufen können. Aber auch Schweizer seien offen fürs Angebot. «Sie sind bereit, für Genuss viel Geld zu zahlen.» Das sei in vielen anderen Ländern nicht so. Über eine Expansion nach Deutschland denkt Jones trotzdem nach. Mehrere Kunden hätten bereits Interesse angemeldet. «Andere EU-Länder sind aber momentan kein Thema.»

Bereits jetzt hat das British Cheese Centre die Produktpalette erweitert. Britische Biere, Portwein, Chutneys, Shortbread – alles, was das britische Herz begehrt, kann man mittlerweile bei ihr und ihrem Mann kaufen. Und auch eine eigene Kreation wird schon angeboten. Ob diese bei den Schweizern gut ankommt, ist allerdings fraglich: Scottish Fondue. Das ist britischer geschmolzener Käse mit dunklem Bier und Whisky. Tönt gewöhnungsbedürftig. Doch Jones schwört: «Bier und Käse, das passt einfach perfekt zusammen.»

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