Camerons Fünfjahresplan: Briten sollen Kindern die Pässe wegnehmen dürfen
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Camerons FünfjahresplanBriten sollen Kindern die Pässe wegnehmen dürfen

David Cameron setzt mit einem Aktionsplan auf eine bessere Integration der Muslime. Die islamische Gemeinschaft reagiert skeptisch.

von
dia
Der britische Premier hat dem Extremismus den Kampf angesagt: David Cameron spricht mit einer jungen Muslimin an der Ninestiles Academy in Birmingham. (20. Juli 2015)

Der britische Premier hat dem Extremismus den Kampf angesagt: David Cameron spricht mit einer jungen Muslimin an der Ninestiles Academy in Birmingham. (20. Juli 2015)

Der britische Premierminister David Cameron will mit einer besseren Integration muslimischer Bürger dem islamischen Extremismus den Boden entziehen. In London hat er seinen Fünfjahresplan vorgestellt. Und seine Massnahmen haben es in sich.

So will er erlauben, dass Eltern ihren Kindern den Pass entziehen dürfen, wenn der Verdacht besteht, dass diese nach Syrien reisen wollen, um sich Extremisten anzuschliessen. Zudem will er verhindern, dass sich in Sozialbauten nur noch eine Bevölkerungsgruppe aufhält. Ebenfalls soll stärker gegen Kanäle vorgegangen werden, die Hass-Nachrichten verbreiten.

«Kanonenfutter»

Cameron warnte junge Muslime eindringlich davor, sich von den Extremisten verführen zu lassen. «Ihr werdet kein geschätztes Mitglied einer solchen Bewegung sein», erklärte er. «Ihr werdet für sie Kanonenfutter sein. Sie werden euch ausnutzen. Jungen bekommen eine Hirnwäsche und einen Sprengstoffgürtel umgeschnallt, sie jagen euch in die Luft. Frauen werden versklavt und missbraucht.» Das sei die «kranke und brutale Wirklichkeit» des Islamischen Staats.

Mit dem Aktionsplan will er nach eigenen Worten den nationalen Zusammenhalt stärken, damit sich junge Muslime als Teil der Gesellschaft verstehen. «Tatsächlich besteht die Gefahr, dass einige in unseren Gemeinden ihr ganzes Leben mit wenig Kontakt zu Menschen anderer Glaubensrichtungen und Herkunft verbringen. Wenn Gruppen wie der IS dann unsere jungen Leute für ihre giftigen Ziele gewinnen wollen, können sie ihnen ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln, das ihnen zu Hause fehlt.»

Zweifel bei Muslimen

Extremistisches Gedankengut wie der fehlgeleitete Glaube an eine «jüdische Verschwörung» und Widerstand gegen «fundamentale liberale Werte» seien das Tor zur Gewalt. Die Debatte müsse neu ausgerichtet werden. «Es gibt so viele starke, positive muslimische Stimmen, die übertönt werden», erklärte Cameron. Er kritisierte, dass nur über die Rolle der Sicherheitsbehörden diskutiert werden, wenn Jugendliche ihre Londoner Häuser zum Kampf für den IS verlassen.

Der Generalsekretär des Muslimischen Rats Grossbritanniens, Shuja Shafi, sagte, seine Organisation befürchte, dass Camerons Aktionsplan auf einen «neuen Lackmustest hinausläuft, der uns alle zu Extremisten brandmarkt, obwohl wir für den Rechtsstaat, Demokratie und Rechte für alle sind.»

Eine Terrorismusexpertin am Londoner King's College, Brooke Rogers, sagte, Cameron habe versucht, zu viel auf einmal mit einer einzigen Rede zu bewirken. Seine Sichtweise von oben nach unten sei für diejenigen frustrierend, die vor Ort an den sozialen Brennpunkten gegen Radikalisierung arbeiteten. «Sie sollten wirklich den Leuten zuhören, die an vorderster Front stehen», empfahl sie den Regierenden. (dia/sda)

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