Kreuz um den Hals: Britin darf Kruzifix auch am Arbeitsplatz tragen
Aktualisiert

Kreuz um den HalsBritin darf Kruzifix auch am Arbeitsplatz tragen

British Airways darf einer frommen Angestellten nicht verbieten, ein Kruzifix zu tragen. Das verstösst laut dem Gerichtshof für Menschenrechte gegen das Recht auf freie Religionsausübung.

Stolz posiert Nadia Eweida mit ihrem Kruzifix, nachdem Richter in Strassburg entschieden haben, dass sie es zur Arbeit tragen darf.

Stolz posiert Nadia Eweida mit ihrem Kruzifix, nachdem Richter in Strassburg entschieden haben, dass sie es zur Arbeit tragen darf.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat das Recht christlicher Angestellter anerkannt, am Arbeitsplatz eine Kette mit einem Kreuz sichtbar zu tragen. Allerdings gibt es Einschränkungen beispielsweise bei der Arbeit von Pflegenden in Spitälern oder in Heimen. Das geht aus einem am Dienstag in Strassburg verkündeten Urteil hervor. Die Klage richtete sich gegen Grossbritannien, das Urteil kann jedoch auch für andere europäische Länder wichtig werden.

Im Fall von Nadia Eweida bei der Fluggesellschaft British Airways (BA) stellten die Richter eine Verletzung ihrer Religionsfreiheit fest. Sie sprachen der 61-jährigen Mitarbeiterin des Bodenpersonals eine Entschädigung von 2000 Euro zu. Im September 2006 musste die BA-Angestellte ihren Arbeitsplatz verlassen, weil sie sich weigerte, ihr Kreuz abzulegen oder unter der Uniform zu verstecken. Hingegen erlaubte die private Fluggesellschaft muslimischen Frauen oder Sikhs, ein Kopftuch beziehungsweise einen Turban in den Farben der Uniform zu tragen.

Nachdem der Fall von den britischen Medien aufgegriffen worden war, änderte das Unternehmen seine Kleiderordnung und liess das Tragen von Kreuzen zu. Eweida kehrte daraufhin an ihren Arbeitsplatz zurück.

Cameron erfreut über Urteil

Die Fluggesellschaft weigerte sich aber, der Angestellten für die fast fünf Monate Auszeit ihr Gehalt zu zahlen. Alle Klagen der Frau vor britischen Arbeitsgerichten wurden abgewiesen. Dieses Vorgehen rügte der Strassburger Gerichtshof als unverhältnismässig.

«Ich bin sehr glücklich und froh darüber, dass die christlichen Rechte in Grossbritannien und Europa verteidigt worden sind», sagte Ewaida in London. Damit werde klargestellt, dass Christen sich nicht schämen müssten, zu ihrem Glauben zu stehen.

Auch der britische Premierminister David Cameron begrüsste das Urteil. «Ich freue mich, dass der Grundsatz, bei der Arbeit religiöse Symbole tragen zu dürfen, aufrechterhalten wurde», schrieb er im Internetdienst Twitter. Niemand dürfe wegen seiner religiösen Überzeugungen diskriminiert werden.

Verletzungsgefahr durch Kreuz

Nicht verletzt worden ist gemäss dem Strassburger Gerichtshof hingegen die Religionsfreiheit einer Krankenschwester. Weil die Schwester alte Menschen pflege, sei der Schutz der Gesundheit der Patienten vorrangig ebenso wie die Sicherheit im Spital, heisst es in dem Urteil. Die Patienten könnten sich bei unbedachten Bewegungen an der Kette verletzen. Deshalb hatte der Arbeitgeber die Krankenschwester aufgefordert, ihr Kettchen unter einem Pullover nicht sichtbar zu tragen. Sie hatte aber ebenso wie die Angestellte bei British Airways darauf bestanden, dass das Kreuz für alle sichtbar ist.

Das Recht, religiöse Symbole am Arbeitsplatz zu tragen sei durch die Menschenrechtskonvention geschützt, allerdings müsse dieses Recht mit den Rechten anderer ausgeglichen werden, heisst es in dem Urteil. Der Gerichtshof wies ausserdem die Klagen einer Standesbeamtin und eines Sexualtherapeuten ab. Diese hatten es aus Glaubensgründen abgelehnt, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen beziehungsweise zu beraten. Gegen das Urteil kann Berufung beantragt werden. (sda)

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