Britische Armee toleriert Vergewaltigungen
Aktualisiert

Britische Armee toleriert Vergewaltigungen

In der britischen Armee werden Frauen und junge Rekruten systematisch zu Opfern von Gewalttaten und sexueller Belästigung durch Vorgesetzte und Kameraden.

Schikanen würden innerhalb der Armee toleriert oder zumindest nicht hinreichend geahndet, heisst es in einem Bericht des Verteidigungsausschusses des britischen Parlaments, der am Montag in London veröffentlicht wurde. Die Ursache liege in der «Kultur» des britischen Militärs, die Opfer als «schwach» empfinde, statt sie zu schützen.

Tod von vier Rekruten

Auslöser für den Bericht war der Tod von vier jungen Rekruten. Sie waren zwischen 1995 und 2002 während ihres Dienstes in einem Militärlager in Surrey im Südosten Englands an den Folgen von Schussverletzungen auf bislang ungeklärte Weise ums Leben gekommen waren.

Die Armee behauptet, die vier jungen Männer hätten sich selbst das Leben genommen. Die Leiche eines 17-Jährigen, der während einer Wachschicht ums Leben kam, wies allerdings zwei Kopfschüsse auf.

In einem im Herbst veröffentlichten Bericht der Polizei hiess es, innerhalb des Trainingscamps sei es in mehr als hundert Fällen zu Gruppenvergewaltigungen, sexueller Belästigung, rassistischen Anfeindungen und systematischer Schikane gekommen.

Weibliche Rekruten, die Vergewaltigungen melden wollten, seien entweder ignoriert worden, oder es seien ihnen Disziplinarstrafen im Fall einer Meldung angedroht worden.

«Mangelnde Transparenz»

Der Parlamentsbericht bemängelte «die mangelnde Transparenz» der bisherigen Ermittlungen in den vier Todesfällen. Gegen die Gewaltauswüchse innerhalb der Armee empfahl der Ausschuss die Einsetzung einer unabhängigen Kommission, die in Zukunft Beschwerden entgegennehmen und überprüfen soll.

Zudem solle das Antrittsalter für Rekruten auf 18 Jahre heraufgesetzt werden. Rekruten sollten künftig nicht mehr allein Wache halten dürfen.

(sda)

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