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Über 60 Fälle auch in der SchweizBritische Mutter warnt mit Fotos vor Corona-Folgen bei Kindern

Schwere Entzündungen als Folge einer Coronavirus-Infektion bei Kindern sind selten, treten in der zweiten Welle allerdings vermehrt auf. Auch ein britischer Bub lag wegen des sogenannten PIMS auf der Intensivstation.

von
Claudia Steiger
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«Es wird lange dauern, bis er sich vollständig erholt hat»: Mutter Jessica Walsh mit dem siebenjährigen Logan.

«Es wird lange dauern, bis er sich vollständig erholt hat»: Mutter Jessica Walsh mit dem siebenjährigen Logan.

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Logan litt nach einer Coronavirus-Infektion an PIMS – der Pädiatrischen Immunologischen Multisystem-Erkrankung.

Logan litt nach einer Coronavirus-Infektion an PIMS – der Pädiatrischen Immunologischen Multisystem-Erkrankung.

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Kinder kämpfen nach einer Coronainfektion in seltenen Fällen mit schweren Entzündungen und müssen teilweise auf die Intensivstation.

Kinder kämpfen nach einer Coronainfektion in seltenen Fällen mit schweren Entzündungen und müssen teilweise auf die Intensivstation.

Reto Oeschger / Tamedia

Darum gehts

  • Kinder, die sich mit dem Coronavirus anstecken, können als Folge schwere Entzündungen erleiden.

  • Eine britische Mutter warnt nun mit Fotos vor diesen Folgen.

  • Auch in der Schweiz gibt es über 60 Fälle – die Krankheit bleibt aber insgesamt sehr selten.

Der siebenjährige Logan Walsh infizierte sich im November mit dem Coronavirus, entwickelte allerdings keine Symptome. Sechs Wochen später lag er auf der Intensivstation. Er litt als Spätfolge der Infektion an PIMS (Pädiatrische Immunologische Multisystem-Erkrankung).

Mutter Jessica Walsh hat seine Geschichte auf Facebook geteilt und schreibt dazu: «Alle reden darüber, wie diese Pandemie ältere Menschen betrifft und es heisst oft, dass Kinder nicht betroffen seien. Falsch!» Sie habe zuvor nie von dieser Überreaktion des Immunsystems bei Kindern gehört.

Logan hatte starkes Fieber, musste sich übergeben und entwickelte einen Ausschlag. Zudem schwollen seine Hände und Füsse stark an. Als er sich Mitte Dezember zunehmend schlechter fühlte, wurde er in ein Spital in Leeds gebracht und erhielt dort die Diagnose PIMS. Nachdem er ausserdem ein auffälliges Herzgeräusch entwickelt hatte, das schlimmer wurde, musste er auf die Intensivstation verlegt werden.

PIMS

Es kommt dabei zu einer Überreaktion des Immunsystems auf das Coronavirus. Es können verschiedene Organe betroffen sein. Die betroffenen Kinder haben tagelang hohes Fieber, häufig begleitet von Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Ausschlägen. Manchmal benötigen die Kinder lebenswichtige Unterstützung auf der Intensivstation. Betroffen sind laut SRF Kinder zwischen 6 und 16 Jahren, Buben häufiger als Mädchen.

Der Spezialist, der Logan behandelte, habe ihnen gesagt, er habe im Verlauf der Pandemie viele Kinder mit dieser Krankheit gesehen, so Jessica Walsh. Logan habe eine Form der Steroidbehandlung erhalten und musste insgesamt sieben Tage im Spital verbringen. An Weihnachten wurde er entlassen.

Ganz geheilt ist er noch nicht. Er müsse einen Berg von Medikamenten einnehmen und habe verschiedene Arzt-Termine in den kommenden Wochen. Zudem benötige er Physiotherapie. «Es wird lange dauern, bis er sich vollständig erholt hat», schreibt Jessica Walsh. Sie wolle mit Logans Geschichte das Bewusstsein für diese Krankheit schärfen, «damit die Menschen schnell handeln und die Hilfe erhalten können, die diese Kinder benötigen, damit es nicht erst ernst werden muss».

Situation in der Schweiz

Die ersten Kinder mit PIMS wurden in der Schweiz im Anschluss an die erste Corona-Welle im Mai 2020 gemeldet. Im Zuge der zweiten Welle haben die Kinder-Intensivstationen in der Schweiz
eine Zunahme der Fälle festgestellt, wie es in der Mitteilung des Kinderspitals Zürich heisst. Insgesamt wurden letztes Jahr landesweit mehr als 60 Kinder mit PIMS behandelt.

Kann frühzeitig mit einer Behandlung begonnen werden, würden sich die Patientinnen und Patienten in der Regel rasch und vollständig erholen. Die Krankheit bleibt laut dem Kinderspital insgesamt sehr selten. Nationale Richtlinien zur Diagnose und Therapie von PIMS sollen sicherstellen, dass alle betroffenen Kinder die gleiche Therapie erhalten.

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