Aktualisiert 04.02.2013 22:35

Aufgeflogen

Britische Polizei hat sich bei toten Kindern bedient

1968 stirbt ein kleiner Junge an Leukämie. In den 80er Jahren taucht sein Name plötzlich wieder auf - als falsche Identität eines verdeckten Ermittlers der Londoner Polizei.

Die Namen Dutzender toter Kinder sollen einem Zeitungsbericht zufolge in London als Tarnung für Under-Cover-Polizisten gedient haben. Die Londoner Polizei habe sich die Namen angeeignet, falsche Pässe auf sie ausgestellt und mit Details aus dem Leben der verstorbenen Kinder Legenden für Beamte gestrickt, meldete der «Guardian» am Montag.

Zunächst blieb unklar, wie oft und wie lang die Polizei die Identitäten der Kinder genutzt haben soll. Die Zeitung berichtete von einem Dokument, das nahelege, dass es etwa 80 Fälle zwischen 1968 und 1994 gegeben habe. Ein Fall soll relativ neu sein, aus dem Jahr 2003.

Die Polizei bestätigte am Montag, dass sie eine formelle Beschwerde gegen die Praxis habe und dass sie der Angelegenheit nachgehe. Die Praxis sei «nichts, was derzeit genehmigt würde», hiess es in einer Stellungnahme. Die Zeitung berief sich auf detaillierte Berichte zweier Under-Cover-Polizisten und auf die ehemalige Freundin eines dritten, nannte aber im keinen Fall die echten Namen.

Etwas in die falsche Richtung gelaufen

Einer der Beamten habe die Identität eines achtjährigen Jungen angenommen, der 1968 an Leukämie gestorben war. Der Polizist hatte sich in den 1980er Jahren eine antikapitalistische Gruppe eingeschleust. Seine Tarnung war aufgeflogen, nachdem er seine Freundin verlassen hatte.

Der Oppositionspolitiker Keith Vaz äusserte sich kritisch über die von der Zeitung dargelegte Praxis. Zumindest müssten die betroffenen Eltern sofort informiert werden, sagte er dem Sender Sky News. Ein früherer Staatsanwalt, Ken Macdonald, bezeichnete den Bericht als Indiz, dass bei der Polizei etwas in die falsche Richtung gelaufen sei. (sda)

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