Britische Presse: Die Schweiz, ein Hort des Rassismus
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Britische Presse: Die Schweiz, ein Hort des Rassismus

Die heutige Ausgabe der gemässigten britischen Tageszeitung «The Independent» fragt in dicken Lettern auf der Titelseite: «Ist die Schweiz Europas Herz der Finsternis?» In Grossbritannien fragt man sich, ob die Schweiz ein Land von Rassisten geworden ist. Sogar Vergleiche mit den Nazis werden angestellt.

Der Titel, eine Anspielung auf Joseph Conrads weltberühmten Roman «Das Herz der Finsternis», soll zum Ausdruck bringen, dass es hier um die dunkelsten Triebe des Menschen geht: Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass. Die Hauptfigur Mr. Kurtz wird als Symbolfigur für die Zivilisation und ihr barbarisches Gegenteil, den Gräueln der Europäer in Afrika, interpretiert.

Als Einstieg in den Artikel beschreibt der Indepentent-Korresponent Paul Vallely die mittlerweile berühmt-berüchtigten Schäfchen-Plakate der SVP. Das was auf den ersten Blick wie ein «Kinder-Cartoon» aussehe, entpuppe sich bei näherem Hinsehen, dass «drei weisse Biester» ein Schwarzes Schaf von der Schweizer Flagge kicken.

Dieses Poster ist laut der UNO ein Symbol für den Aufstieg eines «finsteren neuen Rassismus und für Fremdenfeindlichkeit im Herzen einer der ältesten Demokratien der Welt».

Des weiteren wird die SVP-Ausschaffungsinitiative vorgestellt. Der grösste Kritikpunkt hier ist, dass ganze Familien ausgeschafft werden sollen, falls ein Jugendlicher eine Straftat begeht. Der Independent ist entsetzt: «Es wäre das erste derartige Gesetz in Europa seit der Sippenhaft bei den Nazis.»

Nach einem ausführlichen Gespräch mit SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer ist der Independent-Mann geradezu schockiert. Die Kritik von UNO-Sonderbotschafter Doudou Diène, welcher vor einer rassistischen und fremdenfeindleichen Dynamik, welche die gesamte Schweizer Gesellschaft erfasse, warnt, tut Schlüer mit der Bemerkung ab: «Er ist aus Senegal. Da gibts viel mehr Probleme, die gelöst werden sollten. Ich weiss nicht, wieso er hierher kommt.»

Diese und andere Beispiele lassen den Independent schlussfolgern, dass in der Schweiz Probleme akzentuierter zu Tage treten, die in ganz Europa auf der Tagesordnung stehen, wie Angst vor dem Fremden, vor dem Islam u.ä. Aber in der Schweiz werden diese Probleme zunehmend in einer «direkten politisch unkorrekten Sprache» verhandelt.

Gregor Patorski, 20minuten.ch

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