Aktualisiert 10.07.2015 17:29

London warnt

Britische Touristen verlassen Tunesien

Nach dem Terroranschlag hält die britische Regierung weitere Angriffe für wahrscheinlich und fordert ihre Landsleute zur Rückkehr auf. Soldaten töteten fünf Extremisten.

von
thu
Leere Strandliegen, viele Polizisten: Tunesische Sicherheitskräfte bei einer Gedenkzeremonie für die Opfer des Terroranschlags. (3. Juli 2015)

Leere Strandliegen, viele Polizisten: Tunesische Sicherheitskräfte bei einer Gedenkzeremonie für die Opfer des Terroranschlags. (3. Juli 2015)

Zwei Wochen nach dem Anschlag auf ein Strandhotel in Tunesien, bei dem auch 30 Briten getötet wurden, hat die britische Regierung eine Reisewarnung für das nordafrikanische Land herausgegeben und ihre Landsleute vor Ort zur Heimkehr aufgerufen. Derzeit lägen «keine Informationen über eine spezifische oder unmittelbare Bedrohung» in Tunesien vor, erklärte der britische Aussenminister Philip Hammond. Seit dem Anschlag in Sousse habe sich das Bild von der Bedrohungslage in Tunesien aber grundlegend verändert. Viele Briten verliessen daraufhin das Land. Bei einem Anti-Terror-Einsatz in der Region Gafsa töteten Soldaten unterdessen fünf mutmassliche Extremisten.

Die britische Regierung gehe nun davon aus, «dass ein weiterer terroristischer Angriff hoch wahrscheinlich» sei, erklärte Hammond. Sie hält die zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen in Tunesien offenbar nicht für ausreichend. «Wir finden, dass mehr Arbeit notwendig ist, um Touristen wirksam vor der terroristischen Bedrohung zu schützen», sagte Hammond der BBC. Es sei daher «richtig und klug», die Reisehinweise für Tunesien zu ändern.

Tausende von Touristen verlassen TunesienWer nicht abreist, ist nicht versichert

Hammonds Ministerium rät nun dazu, nur in sehr wichtigen Fällen nach Tunesien zu reisen. Briten, die noch vor Ort seien, sollten das Land möglichst verlassen. Nur wenige Minuten nach Veröffentlichung der Reisewarnung teilten die Anbieter Thomson und First Choice mit, dass sie alle Flüge nach Tunesien bis zum Saisonende am 31. Oktober abgesagt hätten.

Zum Zeitpunkt des Anschlags in Sousse am 26. Juni waren nach Angaben des grössten britischen Reiseverbands ABTA rund 20'000 britische Pauschalreisende in Tunesien gewesen. Wer nun trotz der Reisewarnung nach Tunesien reist, ist laut ABTA nicht versichert.

Der tunesische Ministerpräsident Habib Essid sagte Unterstützung bei der Ausreise der Briten zu. Er betonte aber, die Regierung in Tunis habe alles in ihrer Macht Stehende getan, um die Ausländer zu schützen. Seit dem Angriff auf das Bardo-Museum in Tunis im April führte die Regierung 7000 Sicherheitsoperationen durch, nahm 1000 Menschen fest und stoppte 15'000 junge Menschen davor, sich extremistischen Kämpfern im Ausland anzuschliessen, wie Essid erklärte. «Unser Land durchläuft eine delikate Situation und ist in Gefahr.»

Frankreichs Aussenministerium rief alle Franzosen in Tunesien auf, besonders wachsam zu sein, aber empfahl ihnen nicht die Ausreise. Irland, Dänemark, Belgien und Finnland rieten von allen nicht notwendigen Reisen in das nordafrikanische Land ab. Die deutsche Bundesregierung änderte ihre bestehenden Reisehinweise nicht ab. Darin rät sie zur besonderen Vorsicht im ganzen Land.

Ausnahmezustand in Tunesien

Ein 23-jähriger tunesischer Student hatte Ende Juni vor einem Strandhotel des Küstenorts Port El Kantaoui bei Sousse 38 ausländische Touristen erschossen, darunter 30 Briten und zwei Deutsche. Der Attentäter wurde schliesslich von Sicherheitskräften erschossen. Laut den Behörden wurde er von radikalen Islamisten im benachbarten Libyen im Umgang mit Waffen ausgebildet. Zu dem Anschlag bekannte sich die Jihadistenorganisation Islamischer Staat (IS).

Präsident Béji Caid Essebsi rief vorige Woche wegen der Bedrohung des Landes durch Extremisten einen 30-tägigen Ausnahmezustand aus. Als Konsequenz aus dem Attentat wurden zusätzliche Sicherheitskräfte in den Touristenhochburgen des Landes stationiert und die Beamten der Tourimuspolizei mit Waffen ausgestattet. Die Tourismusbranche ist für Tunesien von entscheidender Bedeutung. (thu/sda/afp)

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