Aktualisiert 02.07.2020 02:57

Neues Sicherheitsgesetz

Streit zwischen China und Grossbritannien entbrannt

Zum Jahrestag der Rückgabe Hongkongs an China gingen zahlreiche Menschen auf die Strasse, um gegen das neue Sicherheitsgesetz zu protestieren. Auch Grossbritannien äussert sich kritisch und spricht von einem «beunruhigenden Schritt».

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Bei Protesten gegen das Inkrafttreten des neuen Gesetzes wurden mehrere Personen verhaftet. (1. Juli 2020)

Bei Protesten gegen das Inkrafttreten des neuen Gesetzes wurden mehrere Personen verhaftet. (1. Juli 2020)

REUTERS
Vor 23 Jahren wurde Hongkong an China zurückgegeben.

Vor 23 Jahren wurde Hongkong an China zurückgegeben.

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Die Polizei ging bei den jüngsten Protesten mit Wasserwerfern vor.

Die Polizei ging bei den jüngsten Protesten mit Wasserwerfern vor.

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Nach dem Erlass eines scharfen Gesetzes zum Schutz der nationalen Sicherheit in Hongkong ist ein heftiger Streit zwischen China und Grossbritannien über den Umgang mit den ehemaligen britischen Untertanen entbrannt. So stösst das Angebot des britischen Premierministers Boris Johnson, bis zu drei Millionen Bewohnern der ehemaligen britischen Kronkolonie eine Einbürgerung in Aussicht zu stellen, in Peking auf heftigen Widerstand.

Bei ungenehmigten Protesten gegen das Sicherheitsgesetz wurden am Mittwoch in Hongkong mehr als 370 Personen festgenommen, wie die Polizei berichtete. Zehn seien wegen Verstössen gegen das neue Dekret in Haft genommen worden.

Dabei wurden auch sieben Polizisten verletzt. Ein Beamter sei sogar mit einer Stichwaffe verletzt worden, berichtete die Polizei. Wie die «South China Morning Post» berichtete, wurde der 24-jährige Angreifer später vor dem Abflug nach Grossbritannien an Bord eines Flugzeuges festgenommen.

Es war zum 23. Jahrestag der Rückgabe Hongkongs an China am Mittwoch in Kraft getreten. Das weitreichende und vage formulierte Gesetz aus Peking richtet sich gegen Separatismus, Untergrabung der Staatsgewalt, Terrorismus und «geheime Absprachen» mit chinafeindlichen Kräften im Ausland.

«Ein schwerwiegender Schritt»

Aus Protest gegen das Gesetz bestellte die britische Regierung den chinesischen Botschafter Liu Xiaoming in London ins Aussenministerium ein. Aussenminister Dominic Raab warf der kommunistischen Führung in Peking vor, mit dem Gesetz die bisher garantierten Freiheiten in Hongkong zu strangulieren. «Das ist ein schwerwiegender und zutiefst beunruhigender Schritt», sagte Raab im Parlament in London.

China sprach hingegen von einer Einmischung Grossbritanniens in innere Angelegenheiten und widersetzt sich den britischen Plänen, Millionen Hongkongern die Einbürgerung zu ermöglichen. «Alle Landsleute, die in Hongkong wohnen, sind chinesische Staatsbürger», hatte Aussenamtssprecher Zhao Lijian schon zuvor betont.

Bislang können sich Bürger Hongkongs bis zu sechs Monate ohne Visum in Grossbritannien aufhalten, wenn sie den Status eines British National Overseas (BNO) haben. Derzeit haben rund 350’000 Hongkonger einen solchen Ausweis. Theoretisch wären aber knapp drei Millionen berechtigt, einen derartigen Pass zu beantragen. Sie sollen nach dem Angebot künftig sogar bis zu fünf Jahre in Grossbritannien bleiben und arbeiten dürfen – mit Aussicht auf Einbürgerung.

Verletzung internationalen Rechts

China betrachtet den BNO-Pass allerdings nur als «Reisedokument», das kein längeres Aufenthaltsrecht in Grossbritannien ermöglichen dürfe. Das britische Angebot verstosse gegen Vereinbarungen zwischen China und Grossbritannien, wonach es kein Bleiberecht für Besitzer eines BNO-Passes geben solle, zitierte die chinesische Zeitung «Global Times» einen Sprecher der chinesischen Botschaft in London.

Sollte die britische Seite darauf beharren, einseitig die betreffende Praxis zu ändern, wäre es eine Verletzung eingegangener Verpflichtungen und internationalen Rechts. Das britische Angebot an die Hongkonger stimme auch nicht «mit dem Geist der chinesisch-britischen gemeinsamen Erklärung» für die Rückgabe der Kronkolonie an China überein, wurde der Sprecher zitiert.

Höchststrafe: Lebenslange Haft

Das neue Sicherheitsgesetz war in Hongkong und international auf scharfe Kritik gestossen. Es gibt Chinas Staatssicherheitsorganen weitreichende Vollmachten in der eigentlich autonomen chinesischen Sonderverwaltungsregion. Obwohl den sieben Millionen Hongkongern beim Souveränitätswechsel 1997 Freiheitsrechte und Autonomie garantiert worden waren, können chinesische Staatssicherheitsorgane in Hongkong künftig eigenmächtig Ermittlungen ausführen und Rechtshoheit ausüben.

Der britische Premierminister Boris Johnson sah einen «deutlichen und ernsten Bruch» der «Gemeinsamen Erklärung» mit China über die Rückgabe Hongkongs. Das Gesetz verletze Hongkongs Autonomierechte und stehe im Widerspruch zum Grundgesetz der Sonderverwaltungszone, sagte Johnson. Es sieht als Höchststrafe lebenslange Haft vor, wendet sich auch gegen Ausländer und ermöglicht Auslieferungen nach China.

(SDA)

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14 Kommentare
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Bürger

02.07.2020, 06:48

Wer hat das neue Sicherheitsgesetz provoziert? Sowas nennt man Eigentor!

Schwupps

02.07.2020, 06:30

Schon seltsam, dass sich ausser GB niemand daran stört, dass sich China bereits nach 23, anstatt nach 50 Jahren, Hongkong vollständig unter den Nagel reisst! Mir tun die Menschen dort leid, weil sie im Stich gelassen werden! Und niemand wehrt sich dagegen, denn dann könnte China ja den Geldhahn zudrehen und Investitionen stoppen. Investitionen, die in unseren Ländern von UNS aus gestoppt werden sollten!

Freiheit

02.07.2020, 06:25

Unsere Freiheit ist heute lediglich der Entschluss, die Freiheit zu erkämpfen. Jean -Paul Sartre