Aktualisiert 03.08.2006 11:46

Britischer Botschafter rechnet mit Bürgerkrieg im Irak

Im Irak ist nach Einschätzung des scheidenden britischen Botschafters ein Bürgerkrieg wahrscheinlicher als die Schaffung einer stabilen Demokratie.

Das Schreiben des Diplomaten William Patey seinem Premierminister Tony Blair gelangte an die Öffentlichkeit und wurde am Donnerstag vom Radiosender BBC in Auszügen verbreitet. Patey warnte zugleich davor, dass im Irak eine schiitische Miliz einen «Staat im Staate» bilden könnte wie die Hisbollah in Libanon.

Die Einschätzung des Botschafters in seinem letzten Schreiben aus Bagdad ist pessimistischer als die bislang von Grossbritannien vertretene offizielle Position zur Lage im Irak.

«Die Aussicht auf einen Bürgerkrieg geringer Intensität und auf eine faktische Spaltung des Iraks ist wahrscheinlicher als ein erfolgreicher und substanzieller Übergang zu einer stabilen Demokratie», schrieb der Botschafter laut dem BBC-Bericht.

«Selbst die abgeschwächten Erwartungen des Präsidenten (George W.) Bush hinsichtlich des Iraks - eine Regierung, die sich selbst trägt, sich selbst verteidigt, sich selbst führt und die ein Verbündeter im Kampf gegen den Terror ist - müssen bezweifelt werden.» Die Lage sei dennoch nicht ganz hoffnungslos, so Patey.

Die Einschätzung des Diplomaten wird von ranghohen irakischen Politikern geteilt. Im vergangenen Monat sagte ein führender Behördenvertreter der Nachrichtenagentur Reuters, der Irak als politisches Projekt sei am Ende. Es werde schon an einer Aufteilung des Landes entlang religiöser und ethnischer Grenzen gearbeitet.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.