«C» von MI6 – Britischer Geheimdienst-Boss warnt vor Bedrohungen durch die «grossen Vier»
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«C» von MI6Britischer Geheimdienst-Boss warnt vor Bedrohungen durch die «grossen Vier»

Richard Moore ist seit Oktober 2020 Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes, traditionell «C» genannt. Jetzt hat er sein erstes öffentliches Interview gegeben.

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Seit gut einem Jahr Chef des britischen Auslandnachrichtendienstes MI6: Richard Moore. 

Seit gut einem Jahr Chef des britischen Auslandnachrichtendienstes MI6: Richard Moore.

REUTERS
In seinem ersten Interview mit der BBC sprach Moore über aktuelle Bedrohungen. 

In seinem ersten Interview mit der BBC sprach Moore über aktuelle Bedrohungen.

Screenshot BBC 
Moore hatte vor einigen Monaten eine Stelle für einen «Q» ausgeschrieben. In James-Bond-Filmen ist das der Chef der Entwicklungsabteilung des britischen Geheimdienstes, der Agent 007 die neuesten Geheimwaffen zeigt. Im echten Leben suchte der MI6 unter dem Titel nach einem «erfahrenen Unternehmensleiter aus den Branchen Digitaltechnologie oder Maschinenbau». 

Moore hatte vor einigen Monaten eine Stelle für einen «Q» ausgeschrieben. In James-Bond-Filmen ist das der Chef der Entwicklungsabteilung des britischen Geheimdienstes, der Agent 007 die neuesten Geheimwaffen zeigt. Im echten Leben suchte der MI6 unter dem Titel nach einem «erfahrenen Unternehmensleiter aus den Branchen Digitaltechnologie oder Maschinenbau».

British Government 

Darum gehts

China, Russland, Iran und der internationale Terrorismus – diese «grossen Vier» nennt der Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 als die Hauptbedrohungen für die nationale Sicherheit Grossbritanniens und für die Arbeit westlicher Nachrichtendienste im allgemeinen.

Richard Moore zufolge bedroht China mit «Schulden- und Datenfallen» die nationale Souveränität von Staaten. Das Land habe die Möglichkeit, «Daten aus der ganzen Welt zu sammeln» und nutze seine Wirtschaftspolitik, um Abhängigkeiten zu schaffen, so der MI6-Chef, traditionellerweise «C» genannt (nach dem ersten MI6-Chef Sir Mansfield Smith-Cumming).

«Vorsichtig signalisieren, welchen Preis die Russen zahlen müssten»

Auch Russland sei eine «akute Bedrohung», so der Spionage-Experte, der im Oktober 2020 die Führung des MI6 übernommen hatte. Angesichts der sich wiederholender Anspannungen mit der Ukraine sorge man sich zunehmend über die Truppenaufstockung und die Absichten von Präsident Putin.

«Deshalb muss man die Situation sehr genau beobachten und den Russen sehr vorsichtig signalisieren, welchen Preis sie zahlen müssten, wenn sie wie 2014 intervenieren würden», so Moore. Er fügte an: «Dahinter steckt keine feindliche Absicht. Wir versuchen nicht, Russland einzukreisen, wir versuchen nicht, es an der Verfolgung seiner legitimen Interessen zu hindern.»

« Moral-Booster für jene, die Peking, Teheran und Moskau sitzen»

Dass die westlichen Geheimdienste im Spätsommer angesichts der rasanten Einnahme der afghanischen Hauptstadt versagt hätten, weist der Geheimdienstchef von sich. «Ehrlich, selbst wenn wir jedes einzelne Mitglied der Shura der Taliban, also der Führungsgruppe der Taliban, als Agent rekrutiert hätten, hätten wir den Fall Kabuls dennoch nicht vorhersehen können, zumal das nicht einmal die Taliban taten», sagte der Geheimdienstchef weiter.

Es gäbe aber keine Ausrede dafür, dass der Sieg der Taliban ein «ernster Rückschritt» sei. Er sei besorgt, dass dieser Sieg «ein Moral-Booster für Extremisten aus aller Welt ist, und vor allem für jene, die Peking, Teheran und Moskau sitzen.»

MI6 will mehr mit Privatwirtschaft arbeiten

Auf die Zukunft des britischen Auslandgeheimdienstes angesprochen, sagte Moore: «Der MI6 befasst sich mit der Welt, wie sie ist, nicht wie wir sie gerne hätten». Dazu gehöre es, sich mehr zu öffnen und auch mit der Privatwirtschaft zusammenzuarbeiten, um neue Technologien zu durchdringen. «Wir können nicht darauf hoffen, die weltweite Tech-Industrie nachzubilden, also müssen wir sie erobern.»

«Unsere Gegner investieren Geld und Ehrgeiz in die Beherrschung von künstlicher Intelligenz, Quanten-Computer und synthetischer Biologie, weil sie wissen, dass ihnen das Einfluss bescheren wird», sagte «C» weiter.

Moore hatte im Oktober 2020 die Führung des MI6 übernommen. Der BBC gab er jetzt sein erstes öffentliches Interview.

(gux)

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