Aktualisiert 14.03.2013 17:17

Abgehörte TelefonateBritischer Medienskandal erfasst «Mirror»

Die britische Polizei Scotland Yard hat seine Ermittlungen im Abhörskandal ausgeweitet. Im Visier der Fahnder ist auch das Revolverblatt «Mirror».

Die Ermittlungen im britischen Medienskandal um angezapfte Telefon-Mailboxen ziehen weitere Kreise. Erstmals wurde auch die «Mirror«-Zeitungsgruppe davon erfasst. Drei Männer und eine Frau wurden wegen des Verdachts, am Abhören von Telefonen beteiligt gewesen zu sein, festgenommen.

Das teilte Scotland Yard am Donnerstag mit. Laut Scotland Yard geht es vor allem um den «Sunday Mirror» und die Jahre 2003 und 2004. Die Trinity Mirror Gruppe bestätigte, dass der Chefredaktor des Klatschmagazins «People» und dessen Stellvertreter unter den Festgenommenen seien. Bei den beiden anderen handle es sich um frühere journalistische Mitarbeiter.

Im Fokus der Ermittlungen zu illegalen Recherche- und Bestechungsmethoden bei britischen Zeitungen stand bislang vor allem die Zeitungsholding News International von Rupert Murdoch, zu der die mittlerweile eingestellte «News of the World» und die «Sun» gehören.

Der seit Jahren schwelende Skandal hatte 2011 seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Seitdem sind bei der in drei Teile gegliederten polizeilichen Untersuchung zahlreiche Journalisten, Polizisten und andere Beteiligte festgenommen worden.

Die Polizei untersucht das Abhören von Handy-Mailboxen, Bestechungszahlungen an die Polizei sowie Computer-Hacking. Zu den prominentesten mutmasslichen Tätern, gegen die derzeit Verfahren laufen, gehört die frühere Murdoch-Vertraute Rebekah Brooks, die auch mit dem britischen Premier David Cameron befreundet war.

Streit um Pressecodex

Parallel zu den polizeilichen Untersuchungen hatte Cameron einen richterlichen Ausschuss zusammengerufen, der sich um die Entwicklung eines neuen Pressekodex kümmern sollte, um ähnliche Skandale künftig zu verhindern.

Der sogenannte Leveson-Ausschuss hatte seine Empfehlungen im vergangenen November vorgestellt - nun aber können sich Regierung und Opposition nicht auf eine Fassung einigen.

Cameron brach Gespräche zwischen seinen konservativen Tories, den Koalitionspartnern von den Liberaldemokraten und der sozialdemokratischen Opposition am Donnerstag ab. Am Montag will er im Parlament seine Pläne für ein neues System der Presseregulierung vorstellen, eine sogenannte «Royal Charter».

Auch Liberaldemokraten wollen schärferen Codex

Sowohl Labour als auch die Liberaldemokraten kritisieren, dass Camerons Vorgaben nicht weit genug gehen. Dieser wiederum pocht auf Pressefreiheit.

«Die Route, die ich vorgelegt habe, ist der schnellstmögliche Weg, die starke Selbstregulierung zu bekommen, die Leveson vorgeschlagen hat, und die Millionen-Strafen verhängen, prominente Entschuldigungen einfordern und den Opfern Gerechtigkeit bringen kann», sagte Cameron. (sda)

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