25.04.2020 10:53

Ford Cortina Lotus Mk 1 Estate Custom

Britischer Schnelltransporter

Wer in den 1960er-Jahren aus einer braven Familien-Limousine einen veritablen Rennwagen bauen lassen wollte, beauftragte einen Spezialisten wie Lotus.

von
Daniel Koch
1 / 11
Wurde von Lotus nie so gebaut, aber es wäre interessant gewesen, wie er sich am Markt behauptet hätte.

Wurde von Lotus nie so gebaut, aber es wäre interessant gewesen, wie er sich am Markt behauptet hätte.

Courtesy of RM Sotheby's
Die Lackierung ist den zweitürigen Lotus Cortina nachempfunden.

Die Lackierung ist den zweitürigen Lotus Cortina nachempfunden.

Courtesy of RM Sotheby's
Das Lotus-Badge am Kühlergrill weist darauf hin, dass da gleich etwas besonderes überholen will.

Das Lotus-Badge am Kühlergrill weist darauf hin, dass da gleich etwas besonderes überholen will.

Courtesy of RM Sotheby's

Den hier vorgestellten Lotus Cortina in der Kombi-Version baute Colin Chapman zwar nie, aber aus dem zweitürigen Cortina-Biedermann machte er ein veritables Renngerät. Er fuhr bei Rundstreckenrennen für Tourenwagen in den 1960er-Jahren unzählige Siege ein und ist noch heute bei klassischen Rennveranstaltungen ein gern gesehener und sehr erfolgreicher Gast.

Der von Harry Mundy optimierte Ford Kent Motor mit 1,5 Liter Hubraum leistete anfangs 106 PS und wurde im Laufe seiner Produktionszeit auf rund 150 standfeste Pferdestärken gesteigert.

Zusammenbau beim Spezialisten

Colin Chapman setzte den Motor im 1962 vorgestellten Lotus Elan ein, als ihn eine Anfrage von Ford erreichte. Walter Hayes wollte von Chapman wissen, ob es möglich wäre, 1000 Ford Cortina mit dem neuen Motor zu bestücken, um die Homologation für die Rennen der Gruppe 2 der «Touring Car Championship» zu erreichen. Obwohl Lotus damit beschäftigt war, die Nachfrage des neuen Elan zu befriedigen, sagte er zu. Der Rest ist Geschichte.

Ford lieferte die Cortina-Karosserien an Lotus und übernahm die Promotion und den Verkauf. Lotus baute die Motoren ein, die für einen Sprint von null auf 100 km/h in knapp 14 Sekunden gut waren. Als Höchstgeschwindigkeit wurden 174 km/h angegeben. Für die Verzögerung sorgten Girling-Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten, und für ausreichend Bodenhaftung mussten 5,5 Zoll breite 13''-Felgen reichen. Die Gänge wurden über das kurz übersetzte Vierganggetriebe aus dem Lotus Elan sortiert.

Leichter ist schneller

Colin Chapman war berühmt-berüchtigt dafür, dass er sich ganz dem Leichtbau verschrieben hatte. Eines seiner berühmtesten Zitate war: «Mehr Leistung macht dich auf den Geraden schneller – weniger Gewicht macht dich überall schneller.» So war es nur eine logische Konsequenz, dass beim Lotus Cortina Aluminium für die Türen, den Kofferraumdeckel und die Motorhaube verwendet wurden.

Der knapp 4,30 Meter lange und 1,60 Meter schmale Lotus Cortina hatte alle Voraussetzungen, um auf der Rennstrecke erfolgreich zu sein. Dank des Kampfgewichts von nur rund 900 Kilogramm reichte ihm die Leistung des Vierzylindermotors bestens aus.

Die Ford Cortina Strassenversionen gab es nicht nur zweitürig wie den erfolgreichen Lotus Cortina, sondern auch mit vier Türen oder als fünftürigen Kombi. Diese technisch braveren Ausführungen waren in den Sechziger- und Siebzigerjahren besonders in Grossbritannien ein grosser Erfolg.

Express-Kombi Umbau

Der vorgestellte Ford Cortina Estate wurde mit einem Lotus-Motor der letzten Ausbaustufe ausgestattet, der rund 150 PS leistet. Anstelle des Viergang- wurde ein Fünfganggetriebe verbaut und verzögert wird mit Scheibenbremsen an allen vier Rädern.

Lotus baute den Cortina nur in der zweitürigen Saloon-Version zum Sportwagen um. Wäre auch der «Estate» genannte Kombi von Lotus in den Genuss der Optimierungen gekommen, hätten wir es hier mit einem veritablen Vorgänger späterer Sportkombis wie dem Audi RS2 zu tun. Am Goodwood Revival oder bei anderen historischen Rennen, wo strikte auf Originalität geachtet wird, dürfte der schnelle Kombi zwar nicht zugelassen sein. Aber das Unikat wird an jedem Treffen für britische Oldtimer oder bei Klassikertreffen für Aufsehen sorgen. Ersteigern kann man das Einzelstück an der RM/Sotheby's Auktion «The Elkhart Collection», die am 1. und 2. Mai 2020 stattfindet.

Weitere Informationen, viele Bilder, Testberichte und technische Daten gibt es auf www.zwischengas.com.

www.zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.