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Jaguar XJ-SBritischer Sportwagen – von Schweizern gepimpt

1975 präsentierte Jaguar den XJ-S. Damit das elegante GT-Coupé in die Fussstapfen einer Legende treten konnte, brauchte es Schweizer Hilfe.

von
B.v.Rotz
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Imposantes Coupé mit sicherlich individuellem Aussehen, der Jaguar XJ-S H.E.

Imposantes Coupé mit sicherlich individuellem Aussehen, der Jaguar XJ-S H.E.

Balz Schreier / www.zwischengas.com
Die breiten Cibié-Scheinwerfer kamen nur bei der europäischen Version zum Einbau, während die Amerikaner Doppelscheinwerfer erhielten.

Die breiten Cibié-Scheinwerfer kamen nur bei der europäischen Version zum Einbau, während die Amerikaner Doppelscheinwerfer erhielten.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Rund 4,8 Meter lang war der Jaguar XJ-S, damals riesig, heute völlig nromal.

Rund 4,8 Meter lang war der Jaguar XJ-S, damals riesig, heute völlig nromal.

Balz Schreier / www.zwischengas.com

Den Nachfolger einer Sportwagen-Ikone zu entwerfen und dabei noch mit den Einschränkungen moderner Sicherheitsnormen zu kämpfen, das kann kein einfaches Projekt sein.

Doch Jaguar nahm die Herausforderung an, dem E-Type – von Enzo Ferrari als schönster Sportwagen der 1960er-Jahre bezeichnet – etwas Vergleichbares folgen zu lassen.

Entwicklung über mehrere Runden

Bereits Ende der 1960er-Jahre begannen die Arbeiten am Nachfolger für den E-Type. Firmenchef William Lyons und Aerodynamiker Malcolm Sayer gaben dem zukünftigen Coupé XJ-S, das im Rahmen des Projektes XJ 27 entstand, schon früh seine Formgebung. Wichtig waren ihnen dabei Aerodynamik und Eleganz.

Technisch lehnte man den XJ-S an die Baureihe XJ an, die Bodengruppe des zweitürigen XJ-Coupés wurde um 17 Zentimeter gekürzt, mit zusätzlichen Versteifungen versehen und mit einer neuen Karosserie bestückt. Bei der Konzeption wurde den ab 1976 erwarteten US-Normen Rechnung getragen, der Wagen wurde deutlich sicherer als sein Vorgänger.

Die Bemühungen um eine aerodynamische Formgebung trugen Früchte, ein cw-Wert von 0.39 galt damals als sehr gut. Als Motor wurde ein V12 mit Einspritzung und 289 DIN-PS eingebaut. Gemäss Werksangaben liessen sich die Fahrleistungen mit denen der meist teureren Supersportwagen aus Italien durchaus vergleichen.

Der preisgünstige Luxus-GT

Vorgestellt wurde der neue Jaguar an der IAA in Frankfurt, die im September 1975 unter dem Motto «Besser leben mit dem Automobil» stattfand.

Die moderne Formgebung stiess erwartungsgemäss die Jaguar-Traditionalisten vor den Kopf, die Presse zeigte sich aber durchaus positiv und bei ersten Testfahrten englischer Magazine schnitt der Wagen auch dank seines im Vergleich günstigen Preises und der guten Fahrleistungen hervorragend ab. In der Schweiz kostete der XJ-S damals 63'000 Franken, inklusive Klimaanlage und kompletter Ausstattung.

Als grösstes Defizit wurde der sehr unbescheidene Durst der Katze genannt, die gerne über 20 Liter pro 100 km zu sich nahm.

Mehr Effizienz dank Schweizer Erfindung

Auch bei Jaguar war schon früh die Erkenntnis gereift, dass man dem Zwölfzylinder zu weniger Verbrauch verhelfen musste. Man arbeitete mit dem Schweizer Ingenieur Michael May zusammen, um dessen «Fireball»-Konzept, das einen mager und hoch verdichteten Motor möglich machte, für den V12 zu nutzen.

Mit Erfolg: Einsparungen von 15 bis 20 Prozent im Verbrauch und bei den Abgasen trotz erhöhter Leistung auf 299 PS und damit besseren Fahrleistungen waren das Ergebnis.

Die sanfte Gewalt

Wer sich heute in den XJ-S setzt, fühlt sich sofort vom Alltag befreit. Die angenehm gepolsterten Ledersitze und das dezent ausgekleidete Interieur gefallen, für die Bedienung muss nicht erst ein 400-seitiges Handbuch gelesen werden. Also Zündschlüssel drehen und staunen! Vom Motor ist nämlich kaum etwas zu vernehmen, nur der Drehzahlmesser zeigt, dass sich im Bug etwas dreht.

Die Geräuschkulisse steigt auch nach Einlegen der D-Stufe der Automatik nicht wesentlich an und man gleitet sanft über unsere nicht immer topfebenen Strassen. Die Fahrleistungen sind mehr als ausreichend, um sich nie langsam vorzukommen, und die Sichtverhältnisse sind besser als erwartet. Seinen Schrecken als grosses Coupé hat der Jaguar heutzutage völlig verloren, schliesslich ist jeder Mittelklassekombi mittlerweile länger und breiter.

Weitere Informationen und viele Bilder finden sich auf www.zwischengas.com.

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