Chaos-Szenario: Broker proben den Euro-Zerfall
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Chaos-SzenarioBroker proben den Euro-Zerfall

Die Euro-Zone steht am Abgrund. Heute versuchen die Euro-Finanzminister erneut, die Gemeinschaftswährung zu retten. Währenddessen simulieren Broker in London deren Ende.

von
egg
Die Gefahr eines Zerfalls wird immer konkreter: Londoner Experten simulieren bereits den Handel zwischen Euro und Drachme.

Die Gefahr eines Zerfalls wird immer konkreter: Londoner Experten simulieren bereits den Handel zwischen Euro und Drachme.

Der weltgrösste Währungs- und Anleihebroker Icap trifft offenbar konkrete Vorbereitungen für einen Ausstieg Griechenlands und anderer Staaten aus der Währungsunion. Dies schreibt das deutsche «Handelsblatt».

Was bis vor Kurzem noch als unwahrscheinliches Szenario angesehen wurde, wird jetzt also immer konkreter: Die Drachme könnte jederzeit wieder gehandelt werden. «Angesichts der wachsenden Sorgen unserer Kunden über die Zukunft der Euro-Zone haben wir über die weltgrösste Devisenhandels-Plattform EBS die Wiedereinführung der Drachme durchgerechnet», sagte ein Icap-Sprecher zur Online-Plattform. Die Experten simulierten den Handel zwischen den Währungspaaren Euro/Drachme und Dollar/Drachme.

Die Szenarien seien bereits rund sechs Monate lang getestet worden, hiess es. «Unser Ziel ist es, vorbereitet zu sein, um im Falle eines Falles so schnell wie möglich reagieren zu können», ergänzte der Icap-Sprecher. Über die Icap-Plattform wickeln rund 3000 Grossinvestoren aus aller Welt ihre Devisengeschäfte ab.

Euro-Finanzminister ringen um Lösung

Am Dienstag Abend treffen sich die Euro-Finanzminister erneut in Brüssel und ringen um die Eindämmung der Schuldenkrise. Die Eurogruppe muss dringend vor allem die Stärkung des Rettungsfonds EFSF unter Dach bringen. Die Feuerkraft soll durch Finanzhebel auf eine Billion Euro vervierfacht werden. Ob das gelingt, ist offen. Auch das grüne Licht für die nächsten Griechenland-Notkredite muss die Eurogruppe geben, sonst droht Athen in den kommenden Wochen der Bankrott – und die Wiedereinführung der Drachme wird immer wahrscheinlicher.

Weil immer mehr Euro-Staaten bedrohlich hohe Zinsen für ihre Kredite zahlen müssen, ist der Druck auf Berlin zu einem Befreiungsschlag in den vergangenen Tagen deutlich höher geworden. Doch alle Rufe nach einer Kreditgarantie durch die Europäische Zentralbank oder nach Euro-Bonds hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bisher energisch zurückgewiesen. Schäuble will in Brüssel stattdessen für Vertragsänderungen werben - für ihn ist die Sicherstellung der Haushaltsdisziplin der Ausweg aus der Krise. (egg/dapd)

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