Nissan Leaf: Brot und Butter in Bioqualität
Aktualisiert

Nissan LeafBrot und Butter in Bioqualität

Elektroautos wie der Nissan Leaf tun sich in der Schweiz schwer. Warum eigentlich? Für den Alltag genügen sowohl der Platz als auch die Reichweite.

von
Nina Vetterli

Die Schweizer haben im internationalen Vergleich den höchsten Konsum an Bio-Lebensmitteln. Trotz der höheren Kosten. Und trotz des nervigen «Bio Bio»-Werbespots. Nicht einmal von der Szene, als der Gummistiefel-Rapper beim Verlassen des Klohäuschens von seinem Dünger als «the real Shit» spricht, lassen sie sich den Appetit verderben. Aber die eidgenössische Naturliebe hat offenbar auch Grenzen: Elektroautos verkaufen sich hierzulande eher schlecht, und von 58'000 Einheiten des weltweit erfolgreichsten Stromers Leaf fanden gerade mal 200 in die Schweiz.

Was Nissan zum Glück nicht zu einem albernen «Elektro Elektro»-Werbespot sondern wesentlichen Verbesserungen am Auto bewog. Unter anderem liess der technische Feinschliff die Reichweite von 175 auf 199 Kilometer und das Kofferraumvolumen von 330 auf 370 Liter ansteigen. Auch die fünf Insassen des 4,45-Meter-Wagens geniessen etwas mehr Platz. Das Fahrwerk ist jetzt «europäischer» sprich straffer abgestimmt, damit das lautlose 109-PS-Gefährt mit seinen ab 0 km/h verfügbaren 254 Newtonmetern so etwas wie Fahrfreude vermittelt. Statt nur einer gibt es zudem drei Ausstattungsvarianten – so lässt sich das bislang ausschliesslich beige Interieur beispielsweise mit schwarzem Ledergestühl aufwerten. Vor allem aber sank der Einstiegspreis: um fast 10'000 auf 35'690 Franken, und mit dem neuen Batterie-Leasing-Angebot sogar auf 27'990 Franken.

Zugegeben, der neue Leaf lässt sich nach wie vor nicht als Augenweide bezeichnen, die Sitze bieten ähnlichen Seitenhalt wie die eines Hürlimann-Traktors, und dass die Schweizer Infrastruktur kaum 50 Schnellladestationen zählt, ist natürlich Mist. Aber als Brot-und-Butter-Gefährt für den Bio-Einkauf genügt dieses Auto allemal, und um genauso naturfreundlich zu fahren wie zu essen sind eben nur E-Autos «the real Shit».

Nissan Leaf

Modell: 5-türige Schräghecklimousine mit 5 Plätzen.

Motor: Elektromotor mit 109 PS (80 kW).

Fahrleistungen: 0-100 km/h in 11,5 s. Höchstgeschwindigkeit von 144 km/h.

Verbrauch: 0,0 L/100 km Verbrauch, 0 g CO2/km.

Preis: Ab Fr. 35 690, mit Batterie-Leasing ab Fr. 27 990.

Marktstart: Ab Juni 2013.

Infos: www.nissan.ch

Alltag

Der Platz ist ausreichend, doch die geringe Reichweite, die je nach Heizbedarf und hügelige Landschaft noch kleiner wird, bleibt ein Problem.

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Geld

Die Preise wurden stark gesenkt. Mit Batterie-Leasing gibt es den Leaf schon ab 27'990 Franken. Aber ob er sich trotz niedriger «Sprit»-Kosten rechnet?

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Sexappeal

Design-Fetischisten werden beim Anblick des neuen Leaf kaum begeistert sein. Was ihn «sexy» macht, ist der kompromisslos elektrische Antrieb.

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Spass

Mit dem aus dem Stand verfügbaren maximalen Drehmoment ist man in der Stadt flott unterwegs. Ein Kurvenflitzer ist er trotz strafferem Fahrwerk trotzem nicht.

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Umwelt

Ein rein batterieelektrisch angetriebenes Fahrzeug senkt lokale Emissionen auf Null. Aber nur wer Öko-Strom «tankt», ist wirklich umweltfreundlich unterwegs.

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Gesamt

Der Nissan Leaf bietet mehr Reichweite, mehr Platz und kostet weniger. Aber nur ein bisschen. Ob die Verbesserungen reichen, um die Nachfrage zu erhöhen?

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«Der Leaf wurde in allen Punkten etwas besser. Aber solange die Schnelllade-Infrastruktur nicht wesentlich ausgebaut wird, bringt ihm das wahrscheinlich nicht viel.»

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