Labour-Parteitag: Brown im Fadenkreuz seiner Partei
Aktualisiert

Labour-ParteitagBrown im Fadenkreuz seiner Partei

Die regierende britische Labour-Partei hat am Samstag im nordenglischen Manchester ihren mit Spannung erwarteten Parteitag begonnen. Das Treffen könnte für den angeschlagenen Premierminister Gordon Brown zur Machtprobe werden.

Vor Beginn des zweitätigen Parteitags hatten den Regierungschef allerdings zuletzt beruhigende Nachrichten erreicht: Aussenminister David Miliband, Gesundheitsminister Alan Johnson und Justizminister Jack Straw, die alle als mögliche Nachfolger des 57-jährigen Schotten gehandelt wurden, stellten sich vorerst hinter ihren Parteichef.

Miliband sagte dem Boulevardblatt «Mirror», es sei nicht die Zeit für die Wahl eines neuen Vorsitzenden, sondern sich zu sammeln und die Herausforderungen anzugehen. Johnson betonte, dass Brown «im Moment» der Beste sei, um die Partei zu führen. Straw nannte den Premierminister den «Mann, der uns bis zur nächsten Wahl und darüber hinaus führen könnte».

Brown hatte im vergangenen Sommer Tony Blair als Premierminister abgelöst und ist nach 15 Monaten im Amt einer der unbeliebtesten Regierungschefs in die Geschichte Grossbritanniens.

Die Krise um die Hypothekenbank Northern Rock, die Brown mit Steuerngeldern vor der Pleite bewahrte musste, sowie Skandale um verloren gegangene Daten von Millionen Briten hatten sein Ansehen sinken lassen.

Risse im Kabinett

Bei den Kommunalwahlen in England und Wales Anfang Mai erlitt Labour die schwerste Wahlniederlage seit 40 Jahren. In den Meinungsumfragen liegt Labour derzeit landesweit rund 20 Prozentpunkte hinter den Konservativen.

Im Kabinett zeigen sich erste Risse. Als erstes Kabinettsmitglied reichte am Dienstag der für Schottland zuständige Staatssekretär David Cairns seinen Rücktritt ein. Er will nach Medienberichten die Initiative von Abgeordneten unterstützen, die auf dem Parteitag eine Diskussion über Browns Zukunft erzwingen wollen.

Grosszügige Spende

Unterdessen erhielt Labour Unterstützung der Harry-Potter- Autorin Joanne K. Rowling, die der Partei eine Millionen Pfund (rund zwei Millionen Franken) spendete. Rowling hatte als alleinerziehende Mutter von staatlichen Leistungen profitiert, während sie das erste Buch der Harry-Potter-Serie schrieb. Nun wolle sie die Bemühungen der Regierung gegen Kinderarmut unterstützen, teilte Rowling mit.

«Ich glaube, dass es armen und gefährdeten Familien unter der Labour Partei viel besser geht, als unter der (...) konservativen Partei», erklärte Rowling weiter. Sie gilt als gute Freundin des britischen Premierministers und Labour-Chefs Gordon Brown sowie seiner Frau Sarah. Brown erklärte, er sei «entzückt» über die grosszügige Spende der Autorin. (sda)

Deine Meinung