Britischer Wahlkampf: Brown und Cameron werden abgewatscht
Aktualisiert

Britischer WahlkampfBrown und Cameron werden abgewatscht

In Grossbritannien herrscht Wahlkampf, doch die Politikverdrossenheit ist gross. Eine Website reagiert darauf – mit virtuellen Ohrfeigen für die Spitzenkandidaten.

von
pbl
Ohrfeigen für die Kandidaten mit dem Slapometer.

Ohrfeigen für die Kandidaten mit dem Slapometer.

Seit Barack Obamas Wahlsieg ist es amtlich: Eine starke Online-Präsenz ist unerlässlich für eine erfolgreiche Kampagne. Das wissen auch die britischen Parteien: Nie spielte das Internet eine grössere Rolle als im Wahlkampf vor der Unterhauswahl am 6. Mai. Labour, Konservative und Liberaldemokraten sind auf allen Kanälen präsent: YouTube, Facebook, Twitter, iApps. Die Art des Auftritts allerdings enttäuscht viele Wählerinnen und Wähler: Es handelt sich fast nur um klassische Einweg-Kommunikation, interaktive Möglichkeiten gibt es kaum.

Dabei wäre genau dies gefragt. Dies belegt eine Studie des National Endowment für Science, Technology and the Arts (NESTA), einer der grössten unabhängigen Stiftungen des Landes. Laut einer Umfrage unter 2550 Personen wünschen 40 Prozent mehr interaktive Kommunikation mit Parteien und Politikern. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 60 Prozent. Zwar sei viel von einer «digitalen Wahl» die Rede, kommentierte NESTA-Chef Jonathan Kessenbaum das Ergebnis, «aber die politischen Parteien können den Wählern nicht das bieten, was diese wollen».

Rückläufige Beteiligung

Kein Wunder, nimmt die Politikverdrossenheit zu. In den Umfragen erklären rund 20 Prozent, sie wüssten nicht, wen sie wählen sollen. Befürchtet wird ein weiterer Rückgang der Wahlbeteiligung – bereits 2005 gingen nur 61 Prozent der Berechtigten in die Wahllokale. Von dieser Missstimmung profitieren vor allem die Witzbolde im Internet, die sich mehr oder weniger originell über Parteien und Kandidaten lustig machen – etwa indem man sein eigenes Anti-Tory- oder Anti-Labour-Wahlplakat basteln kann.

Das meistbeachtete Ventil für Politikverdrossene aber ist das Slapometer der Londoner Werbeagentur Albion. Mit ihm kann man den drei Spitzenkandidaten Gordon Brown, David Cameron und Nick Clegg virtuelle Ohrfeigen verpassen und damit «das Gefühl ausdrücken, dass es niemanden gibt, den man wählen will», so die Macher. Sie wollen das Tool vor allem während den drei Fernsehdebatten der Kandidaten einsetzen – die Zuschauer sollen sie für besonders dumme Aussagen live abwatschen. Der Zähler soll am Ende zeigen, wer am schlechtesten abgeschnitten hat. Die erste Debatte findet übrigens am Donnerstag statt.

Vorsprung der Tories geschmolzen

Nach Eröffnung des Wahlkampfs in Grossbritannien ist der Vorsprung der oppositionellen Konservativen vor der regierenden Labour-Partei geschmolzen: Laut einer am Mittwoch von der «Times» veröffentlichten Umfrage sackten die Tories in der Wählergunst um drei Prozentpunkte auf 36 Prozent ab, die Labour-Partei von Premierminister Gordon Brown kam auf 33 Prozent.

Auch das Meinungsforschungsinstitut ComRes sieht die Konservativen nur noch bei 36 Prozent, wie aus einer am Mittwoch von der Zeitung «Independent» und dem Fernsehsender ITV veröffentlichten Erhebung hervorgeht. Dieser Umfrage zufolge kommt Labour allerdings nur auf 31 Prozent. Sowohl Premierminister Brown als auch Oppositionsführer David Cameron hatten Anfang dieser Woche ihre Wahlprogramme vorgestellt. (ap)

Deine Meinung