Basel / Luzern: Bruder Fritschi wieder zu Hause
Aktualisiert

Basel / LuzernBruder Fritschi wieder zu Hause

Der nach Basel verschleppte Bruder Fritschi ist am Samstag wieder wohlbehalten in seiner Heimat Luzern angekommen.

Zuvor waren fast 250 Zentralschweizer nach Basel gereist, um die Fasnachtsfigur zurückzuholen. In Anwesenheit von zahlreichen Regierungsvertretern wurde Bruder Fritschi an die Luzerner übergeben.

Kurz nach 17:00 Uhr traf Bruder Fritschi begleitet von einem grossen Tross in Luzern ein. Trotz monatelanger Gefangenschaft hatte er die Zuhausegebliebenen nicht vergessen und verteilte bei seinem Einzug Basler Leckerli an die anwesenden Kindern.

Nicht gut Kirschenessen mit der Fritschene

Auf dem Rathaussteg wartete bereits die Ehefrau auf die Fasnachtsfigur, die Fritschene. Diese gab sich zunächst wütend, schloss den Bruder Fritschi aber dennoch in ihre Arme. Die Fritschene musste in diesem Jahr alleine an die Fasnacht, nachdem ihr Gatte von der schönen Basilea verführt und dann verschleppt worden war. Sie rief in der Folge vorsorglich eine «Wyber»-Fasnacht» aus.

Delegation in Basel

Der Ankunft in Luzern vorausgegangen war die Übergabe von Bruder Fritschi in Basel. Bereits am Morgen war eine grosse Luzerner Delegation nach Basel aufgebrochen, um die historische Figur heimzuholen. Begleitet worden war der farbenfrohe Harst von Regierungsvertretern der Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Nidwalden und Obwalden. An dem Übergabeakt im Basler Münster hat unter anderen auch Ständeratspräsident Christoffel Brändli (SVP/GR) als Vertreter der Eidgenossenschaft teilgenommen.

Die Rückführung des ältesten Bürgers von Luzern erfolgte getreu der Chronik von Diebold Schilling aus dem Jahr 1513. Am vergangenen 26. Januar hatten Landsknechte von Basel Fritschi auf hinterhältige Art überwältigt und nach Basel verschleppt. Damit setzten sie eine Drohung in die Tat um, den Stadtbürger Fritschi erstmals seit 500 Jahren wieder zu Rauben.

Entführung als Einladung

Der «Fritschi-Raub» durch die Basler im Jahr 1507 wurde inszeniert, um die Luzerner und die Innerschweizer nach Basel an die Fasnacht einzuladen, wie der Historiker Paul Rosenkranz darlegt. Warum die Luzerner erst im September 1508 nach Basel zogen, ist aus den Quellen nicht ersichtlich. Mit 150 Mann fuhr damals der Schultheiss zu Schiff in die Rheinstadt, wo die Innerschweizer während fünf Tagen bewirtet wurden: 7700 Liter Wein und gewaltige Mengen Fleisch, darunter 1764 Hühner, wurden konsumiert. Danach zogen die Luzerner mit Fritschi zu Fuss über den Hauenstein heimwärts. (dapd)

Deine Meinung