Jetzt definitiv: Brüssel kürzt Bankern den Bonus

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Jetzt definitivBrüssel kürzt Bankern den Bonus

Schluss mit exorbitanten Sonderzahlungen. Die EU hat endgültig beschlossen, dass der Bonus eines Bankers ab 2014 nur noch höchstens so hoch sein darf wie sein Grundgehalt.

Die EU schiebt gigantischen Extrazahlungen an Spitzenbankiers einen Riegel. Vertreter des EU-Parlaments und EU-Mitgliedsländer einigten sich am Mittwoch in Brüssel auf neue Regeln. Demnach darf der Bonus von 2014 an im Normalfall nicht mehr höher sein als das Grundgehalt. In Ausnahmefällen - und nur mit Zustimmung der Aktionäre - können Geldhäuser ihren Topleuten eine Prämie in doppelter Höhe des Grundgehalts zahlen.

Die irische EU-Ratspräsidentschaft bestätigte den Kompromiss. Dazu gehören auch strengere Regeln für den Bankensektor. Strittig war vor allem die Behandlung langfristig auszuzahlender Boni. Wenn der Bonus mit Verzögerung ausgezahlt wird, darf er unter bestimmten Bedingungen noch etwas höher sein.

Grossbritannien überstimmt

Grossbritannien hatte sich als Standort des grössten europäischen Finanz- und Bankenplatzes als einziges EU-Land gegen die Begrenzung gewehrt. Letzte Versuche der Briten, die Regeln aufzuweichen, scheiterten am Widerstand des Parlaments.

«Das Parlament hat dem Druck der britischen Regierung widerstanden und keine Änderung an der Deckelung von Bonuszahlungen mehr zugelassen», erklärte der Verhandlungsführer der Sozialdemokraten, Udo Bullmann. «Gegen erbitterte Widerstände aus nationalen Hauptstädten und der Finanzindustrie wird Europa schon 2014 ein Stück gerechter.»

Für die britische Regierung sei die Verhandlung eine ernüchternde Erfahrung gewesen, sagte ein EU-Diplomat. Grossbritannien sei zum ersten Mal alleine überstimmt worden.

Formeller Beschluss

Die EU-Finanzminister hatten dem Kompromiss schon bei ihrem Treffen Anfang März weitestgehend zugestimmt. Wegen britischen Widerstands gegen die Bonus-Regelungen waren jedoch weitere Beratungen nötig.

Die EU-Kassenhüter und das Europaparlament müssen den Kompromiss nun noch formal beschliessen. Die Vorschriften werden voraussichtlich am 1. Januar 2014 in Kraft treten. Anfang 2019 sollen alle Teile der Regulierung vollständig umgesetzt sein.

Die Regelung ist Teil eines umfangreichen Gesetzespakets für höhere Kapitalanforderungen für Banken, kurz Basel III genannt. Sie waren auf internationaler Ebene ausgehandelt worden und sind die wichtigste Konsequenz aus der Finanzkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. (sda)

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