Basel: Brunnenbaden im Winter – «Manche verstehen nicht, was wir hier tun»

Aktualisiert

BaselBrunnenbaden im Winter – «Manche verstehen nicht, was wir hier tun»

In Basel kann man von Dezember bis März in beheizten Stadtbrunnen baden gehen. Dafür sind professionelle Brunnenheizer angestellt. Was für einige eine Wohltat ist, löst bei anderen Kopfschütteln aus. 

von
Vanessa Travasci
1 / 11
Von Dezember bis März kann etwa zweimal im Monat in unterschiedlichen Basler Brunnen ein heisses Bad genommen werden.

Von Dezember bis März kann etwa zweimal im Monat in unterschiedlichen Basler Brunnen ein heisses Bad genommen werden.

20min/Vanessa Travasci
Von Dezember bis März kann etwa zweimal im Monat in unterschiedlichen Basler Brunnen ein heisses Bad genommen werden.

Von Dezember bis März kann etwa zweimal im Monat in unterschiedlichen Basler Brunnen ein heisses Bad genommen werden.

20min/Vanessa Travasci
Das Kollektiv Hotel Regina hat das künstlerische Projekt vor sechs Jahren ins Leben gerufen. Quirin Streuli war als Mitglied des Kollektivs, wie auch als Brunnenheizer, am Sonntag beim Brunnenbaden im Augenheilanstalt-Brunnen an der Mittleren Strasse in Basel vor Ort.

Das Kollektiv Hotel Regina hat das künstlerische Projekt vor sechs Jahren ins Leben gerufen. Quirin Streuli war als Mitglied des Kollektivs, wie auch als Brunnenheizer, am Sonntag beim Brunnenbaden im Augenheilanstalt-Brunnen an der Mittleren Strasse in Basel vor Ort.

20min/Vanessa Travasci

Darum gehts

«Am Anfang heisst es einfach Trampen, Trampen, Trampen», sagt Quirin Streuli. Er gehört zum Kollektiv Hotel Regina in Basel, das vor sechs Jahren das künstlerische Projekt «Brunnen gehen» ins Leben gerufen hat.

Beim selbstgemachten Stadt-Spa wird mittels Holzofen und Velo-Umwälzpumpe ein Stadtbrunnen auf 39 Grad geheizt, sodass ein heisses Bad genommen werden kann, obwohl sich auf der Strasse bereits Eiskristalle bilden. Transportiert wird alles via Velo. Auch die Umwälzpumpe muss durch Radeln konstant bedient werden, damit das Wasser im Brunnen warm bleibt. 20 Minuten war am Sonntag, vierten Advent, beim Augenheilanstalt-Brunnen an der Mittleren Strasse mit dabei.

«Manche verstehen nicht, was wir hier tun»

Das Brunnenbaden brauche Mut. «Du musst dich kurz überwinden, da du dich zuerst kalt abduschen musst, bevor du in den warmen Brunnen steigen kannst», sagt der 30-Jährige. Doch es lohne sich. «Es ist ein spannender Moment. Du sitzt bei eisigen Temperaturen im heissen Wasser, während die Stadt langsam eindunkelt», erklärt er. Auch fördere das Projekt im Winter den sozialen Austausch im öffentlichen Raum. 

Den Gästen gefällt das «Baderitual». «Wir waren bereits letztes Jahr beim Brunnenbaden», sagt eine Frau gegenüber 20 Minuten. «Es ist ein einzigartiges Erlebnis in der Stadt», sagt sie weiter. Die einzige Herausforderung ihrer Meinung nach: «Man will danach nicht mehr raus», so die Mutter und lacht.

Vor dem Brunnen bildete sich auch bereits eine Warteschlange. «Wir kommunizieren bewusst nicht zu sehr im Voraus, wo das nächste Brunnenbaden stattfindet», ergänzt Streuli. Das Interesse und der Andrang seien auch so rege. Vereinzelt gäbe es auch negative Reaktionen. «Manche verstehen nicht, was wir hier machen und schütteln beim Vorbeigehen den Kopf», so Streuli.

«Wir haben eine Ausbildung konzipiert – das ist einzigartig»

Für die diesjährige Saison von Dezember bis März seien insgesamt 15 Brunnenheizerinnen und Brunnenheizer eingestellt. Für den Job wurde vom fünfköpfigen Team eine eigene Ausbildung konzipiert. «Neu kann man sich bei uns zum Brunnenheizer und zur Brunnenheizerin ausbilden lassen», sagt der 30-Jährige. Das sei einzigartig in der Schweiz.

Die Ausbildung dauere zwei Jahre und habe vor allem eine technische und eine soziale Komponente. «Einerseits muss man verstehen, wie der Ofen und das Heizen funktioniert, andererseits muss man auch wissen, wie man mit den Badegästen vor Ort kommuniziert», sagt Streuli.

«Man ist bis ein Uhr morgens bei Minustemperaturen unterwegs»

Die grösste Challenge am Job sei die Kälte, wie auch der Transport mit dem Fahrrad. Auch könne es bis zu 16 Stunden gehen, bis der Brunnen geheizt ist. Beim Augenheilanstalt-Brunnen am Sonntag hätten glücklicherweise zweieinhalb Stunden ausgereicht. «Doch es sind lange Tage. Teilweise ist man bis ein Uhr morgens bei Minustemperaturen unterwegs», so Streuli.

Das Angebot beschränke sich derzeit auf Basel. Doch auch in anderen Teilen der Schweiz habe man die Idee aufgegriffen. «Wir sind gerade mit einer Gruppe aus Winterthur im Gespräch, die etwas ähnliches aufziehen will, das ist toll», schliesst Streuli ab. 

Würdest du eine Saison als Brunnenheizer oder Brunnenheizerin arbeiten?

Aktivier jetzt den Basel-Push!

Deine Meinung

10 Kommentare