Brunner drückt sich vor rassistischen SVP-Fans
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Brunner drückt sich vor rassistischen SVP-Fans

«SVP! Schwarze raus!», skandierten Toggenburger Schüler in Alt St. Johann im Religionsunterricht. Aus diesem Grund wollte der Lehrer SVP-Nationalrat Toni Brunner einladen, um mit der Klasse zu sprechen. Der Politiker kniff.

Religionslehrer Karl Furrer bestätigte einen entsprechenden Bericht im «St. Galler Tagblatt» vom Donnerstag. Der Bericht steht in Zusammenhang mit einer Toggenburger Arztfamilie, die von Rassisten terrorisiert wird. Die Frau des Arzts und die zwei Kinder sind dunkelhäutig. Der Fall sorgt landesweit für Schlagzeilen.

Erst einer, dann fast alle

Bisher war aus der idyllischen Ferienregion Toggenburg von keinen anderen rassistischen Vorfällen zu hören. Doch es gibt sie. Als Karl Furrer vor Jahresfrist in einer ersten Realklasse Gospels und Spirituals thematisierte, habe ein Schüler dazwischen gerufen: «Aufhören mit dem Quatsch. Neger haben bei uns nichts zu suchen.»

Andere Schüler stimmten ein und skandierten: «SVP! Schwarze raus! SVP! Schwarze raus!» Laut Furrer habe ein Schüler noch gesagt, die SVP sorge dafür, dass Asylanten hinausbefördert würden.

Karl Furrer lud den Präsidenten der SVP des Kantons St. Gallen, Toni Brunner, der im Toggenburg daheim ist, zwei Mal mit einem Brief ein, vor der Klasse zu sprechen: «Eigentlich müsste es auch ihnen als Vertreter der SVP ein Anliegen sein, der verqueren Ansicht, ihre Partei sei fremdenfeindlich, entgegenzutreten.»

Brunner gesteht Fehler ein

Der Politiker reagierte nicht auf die Schreiben. «Das war ein Fehler; ich hätte vor der Klasse sprechen sollen», sagte Brunner gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Er erhalte sehr viele Einladungen, allen könne er nicht folgen. Darauf angesprochen sagt Religionslehrer Furrer: «Das war kein Fehler; es war ein Versagen».

Die Äusserungen der Schüler findet Brunner «völlig daneben». Er sagt, er distanziere sich in aller Form von Rassismus. Was die Toggenburger Arztfamilie habe erleben müssen, tue im äusserst leid. «Ich hoffe, die Polizei findet die Täter so schnell wie möglich».

Brunner macht der Terror, den Rassisten auf die Arztfamilie ausüben, auch aus einem anderen Grund wütend: «Der ganzen Schweiz wird suggeriert, das Toggenburg sei voller Rassisten.» Das tue ihm weh. Dass politische Gegner die SVP und ihn als Person als Nährboden für Rassisten bezeichnen, findet Brunner «unappetitlich».

(sda)

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